3 missverständnisse zum thema erfolg in der hundeerziehung

erfolg in der hundeerziehung ist ein heikler begriff.
nur zu leicht führt der zu missverständnissen
– und damit zu anforderungen an den hund, die kontraproduktiv sind.

schlicht deswegen, weil wir auch in der menschenwelt den begriff erfolg mit bestimmten vorstellungen verbinden.
nicht alle davon eignen sich fürs hundetraining.

darum wollen wir uns heute die häufigsten missverständnisse vornehmen,
die aus „erfolg“ in der hundeerziehung etwas machen,
– was den trainingsfortschritten im weg steht
– was dem hund womöglich schadet
– was zu frust bei hund und mensch führt.

was also ist gemeint mit erfolg – und vor allem: was nicht?

erfolg in der hundeerziehung

 

missverständnis nr. 1:  erfolg bedeutet leistung

hundeerziehung ist kein leistungssport.
jedenfalls sollte es keiner sein.

die jahrzehntelange tradition vieler hundeverbände,
die hundeausbildung über prüfungen und turniere zu organisieren,
ist weder der sache (nämlich der erziehung des hundes) noch dem hund dienlich.

abgefragt wird dabei in erster linie,
wie weit der hund willkürlich – und nicht selten sinnbefreite – reglements einhalten kann.

stichwort fussgehen: ans knie geklebt, blick unverwandt zur linken schulter des menschen hoch und marsch!
eine völlig unnatürliche körperhaltung, die zu ordentlichen verspannungen führen kann,
ein hund, der seine umwelt kaum noch wahrnehmen kann,
und für den alltag vollkommen unbrauchbar.

dazu kommen dann noch turniere und prüfungen
(was ich zu denen zu sagen habe, ist hier nachzulesen)
und damit das fatalste von allem:

der menschliche ehrgeiz.

der ist der natürliche feind der hundeerziehung.
durch ehrgeiz entsteht druck, der das lernen blockiert,
und er führt zu überforderung des hundes, weil man schneller vorwärts kommen will.

also bitte kein leistungsdenken in der hundeerziehung.

die frage ist vielmehr: 
was kann mein hund gerade jetzt noch gut schaffen?
und was kann ich daher bestätigen, damit er das als erwünschtes verhalten abspeichert?

 

missverständnis nr. 2:  erfolg erfordert perfektion

der hund muss kein „perfektes“ verhalten an den tag legen,
damit man etwas als erfolg verbuchen kann.

viele haben dabei an den hund – und vor allem an sich selber – zu hohe ansprüche.
sie sehen, dass der hund nebenan selbst mit nur einem meter abstand ruhig an anderen hunden vorbei geht,
während der eigene dabei immer zerrt und heftig wird.

klar möchten sie auch gern auf gehsteig-breite an anderen hunden vorbeikommen
und sehen erst darin einen „erfolg“.
dass manche hunde damit (aus unterschiedlichen gründen) damit ein problem haben,
ist aber nun mal so.

für sie ist es schon ein riesiger erfolg,
wenn sie nicht mehr 100 meter abstand, sondern nur noch 15 meter abstand brauchen,
um ruhig vorbei zukommen.
nicht „perfekt“, klar, aber jedenfalls ein großer fortschritt und ein erfolg.

perfektion hat in der hundeerziehung keinen wirklichen platz.
wir haben es schließlich mit zwei lebewesen zu tun (hund und mensch),
die beide ihre tagesverfassungen, gemütslagen und gewohnheiten haben.

die frage ist daher:
was brauchen wir für unsere alltags-situationen an verhaltensweisen?
wie passt es für uns am besten?

erfolg wird definiert als gemeinsame bewältigung einer (anfangs noch) schwierigen situation,
die man so meistert, dass möglichst alle beteiligten damit gut klar kommen.

 

missverständnis nr. 3:  erfolg ist unwichtig

auch wenn wir leistungsdenken und perfektion in der hundeerziehung nicht brauchen können,
spielt erfolg trotzdem eine große rolle.

es wäre ein fehler, ins gegenteil zu verfallen,
und den hund einfach machen zu lassen, weil er „eh nix können muss“ und „hund sein soll“.
das entsteht manchmal aus einer gewissen nachlässigkeit heraus,
meistens aber aus falsch verstandener rücksichtnahme auf den hund.

dem hund nimmt man damit etwas ganz wichtiges:
die chance, erfolgserlebnisse zu verbuchen!

an erfolgserlebnissen aber wächst er, lernt er
und gewinnt er sicherheit.
sie sind wichtig für ihn und sein selbstbewusstsein.

sie sind auch für den menschen wichtig:
schließlich möchte man ja doch bei den wichtigsten fertigkeiten,
die der hund fürs zusammenleben braucht, weiterkommen.

wenn man dabei nicht gezielt darauf setzt,
den hund positive erfahrungen machen und für seine erfolge belohnungen sammeln zu lassen,
kommt man nie recht weiter.

was dann nicht nur die erziehung erschwert,
sondern frust für hund und mensch mit sich bringt.

die frage ist also:
wo und wieviele erfolgserlebnisse kann dein hund heute sammeln?

der weg zum erfolg

nun ist es nicht immer leicht, zu den erfolgserlebnissen zu kommen.
besonders dann, wenn sich ein problem vielleicht schon festgesetzt hat,
oder man schlicht nicht weiß, wie man’s am besten angeht,
damit der hund zu seinen erfolgen kommt
und in der erziehung fortschritte möglich werden.

dazu gibt es tipps im video „5 stufen zum erfolg“ (einfach hier klicken und anschauen).
und wer das erfolgssystem genauer kennenlernen möchte, kann das über den kurs „erfolg für hund und mensch“ oder mal reinschnuppern und nachlesen in meinem buch „gemeinsam und erfolgreich“

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

Comments are closed.