doppelt so viel spaß mit schnüffelspielen (und wie man häufige probleme dabei vermeidet)

mit schnüffelspielen ist das so eine sache.
sie sind sehr beliebt als geistige auslastung für den hund.
und sie sind meist sehr beschränkt als geistige auslastung für den hund.

das hat einen simplen grund:
wir menschen riechen so wenig.

wir können uns daher kaum vorstellen, wie leistungsfähig eine hundenase ist
und bieten dem hund daher lächerlich einfache schnüffelaufgaben.

hunde sind imstande, jahrelang vergrabene landmitten mehrere meter tief in der erde
am geruch des sprengstoffs aufzuspüren.
(natürlich mit etwas ausbildung, vor allem aber zum aufbau einer systematischen suchstrategie).
und wir bieten unserem vierbeiner ein superstark riechendes keksi auf ein paar meter entfernung zum suchen an.

hmmm…

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klar nimmt er auch dieses schnüffelspiel gerne an,
aber anstrengen muss er sich dabei wirklich nicht.

daher gibt’s heute mal tipps, wie ihr eurem hund etwas mehr für seine nase bieten könnt.

1. doppelte so schwer

vermutlich kennt der hund die leckerli-suche bereits
(wenn nicht, findet ihr hier die anleitung, wie man die korrekt aufbaut).

und ebenso vermutlich läuft sie in der regel nach dem selben muster ab:
die selben leckerchen, die er sucht.
das selbe gelände, in dem er sucht (wohnung, garten,…)
die selbe entfernung, in der er sucht, nämlich ein paar meter.

das muss ja nicht sein.
selbst die – für den hund vergleichsweise einfache – leckerlisuche kann man deutlich schwieriger machen.
einfach mal doppelt so schwer gestalten.

zum beispiel indem man
– die entfernung, in der das leckerchen versteckt wird, doppelt so groß macht
– die leckerchen nicht am boden, sondern erhöht an sträuchern oder bäumen versteckt
– sehr schwach riechende leckerchen nimmt
– den hund beim verstecken nicht mehr zuschauen lässt
– das spiel in ein völlig ungewohntes gelände mit vielen anderen gerüchen (zum beispiel im wald) verlegt.

mögliche probleme:

dabei kann es nun passieren, dass der hund plötzlich das leckerchen nicht mehr findet oder nach kurzer zeit aufgibt.
woran liegt das?

der hund hat in dem fall genauso ein muster beim suchen aufgebaut wie der mensch beim verstecken:
“immer im umkreis von 12 metern suchen” zum beispiel.
ist der radius dann deutlich größer, kommt der hund anfangs nicht auf die idee, weiter weg auch noch zu suchen.
in dem fall gilt dann: die entfernung schrittweise steigern und nicht schlagartig, damit der radius immer größer wird.

wenn der hund bislang nur in der wohnung und vielleicht ein wenig im garten gesucht hat,
dann kann auch sein, dass er noch gar nicht mit der nase arbeitet.
grade verstecke in der wohnung suchen viele hunde eher aus dem gedächtnis und über die augen ab,
als wirklich die nase einzusetzen.
dann heißt es nochmal zurück zu einfachen schnüffelspielen, aber bitte gleich im freien gelände,
so dass er einüben kann, dass seine nase ihn zum ziel führen muss.

2. nicht immer nur leckerchen

die leckerchen-suche eignet sich gut als einstieg in die nasenarbeit.
daneben gibt es aber eine unzahl verschiedener suchaufgaben,
die wesentlich anspruchsvoller sind und wo der hund mehr an auslastung für den kopf bekommt.

hunde können genauso gut jeden anderen geruch suchen gehen
und haben genausoviel freude, wenn sie den dann gefunden haben (und mit einem leckerchen dafür belohnt werden).

bei hunden, die gerne apportieren, bietet sich die objektsuche an,
vielleicht auch gleich mit mehreren verschiedenen objekten,
die der hund beim namen kennt.

eine besonders praktische form davon: die verloren-suche,
bei der das zu suchende objekt ein gegenstand ist, den der mensch “verloren” hat
und wo der hund auf der spur seines menschen zurücklaufen muss,
bis er etwas gefunden hat, was nach seinem menschen riecht.
wer weiß, ob man das nicht auch mal im ernstfall brauchen kann!

der hund kann einen bestimmten zielgeruch suchen lernen,
egal ob dies nun fencheltee, lavendelblüten oder trüffelgeruch ist (wenn man denn grade trüffel fürs training hat 😉 ).

mögliche probleme:

schwierigkeiten bei diesen verschiedenen arten von schnüffelspielen gibt es fast immer damit,
dass der hund (vermeintlich) kein interesse daran zeigt.

das kann zwei gründe haben.
handelt es sich um einen hund, der gegenstände bislang vor allem als wurfobjekte kennengelernt hat,
dann ist er auf die wurfbewegung konditioniert und ein still daliegender ball führt nur dazu,
dass der hund drauf wartet, dass jemand ihn endlich wirft.

in dem fall empfiehlt es sich, für die objektsuche etwas zu verwenden,
was so wenig nach ball aussieht wie nur möglich und was jedenfalls noch nie geworfen wurde.
zusätzlich muss man den ersten trainingsschritten besonderes augenmerk schenken.

das gilt auch für die zweite kategorie von hunden,
die sich für objekte oder zielgerüch wenig interessieren.
da hapert es einfach am trainingsaufbau in der ersten phase.

derhund muss ja erst mal lernen, dass der zielgeruch eine bedeutung hat,
nämlich eine verheißungsvolle und tolle!
warum sonst sollte er ihn suchen wollen?
wird bei der konditionierung des zielgeruchs am anfang geschlampt,
dann fehlt dem hund die grundlage und die motivation für die suche.
weswegen er dann nicht sucht.

also unbedingt auf korrekten trainingsaufbau (am besten mit einer systmatischen anleitung wie zum beispiel hier) achten.

3. gerüche unterscheiden

statt immer nur eine suchaufgabe mit einem geruch vorzuschlagen,
kann man den hund auch mal gerüche unterscheiden lassen.
dieses schnüffelspiel lässt sich wunderbar auch im wohnzimmer machen
und bietet trotzdem intensive geistige auslastung.

der hund lernt dabei, dass er aus einer reihe unterschiedlicher gerüche
immer einen ganz bestimmten anzeigen soll.
nämlich entweder den zielgeruch, den er vorher im training gelernt hat
(gern auch auf signal, vielleicht sogar mehrere gerüche mit mehreren signalwörtern).

oder aber er spielt geruchsmemory.
dabei muss er immer den geruch anzeigen, den der mensch ihm grade hinhält,
auch wenn der vollkommen neu ist und im training davor nicht vorkam.
dabei muss der hund auch gleich noch ein “matching to sample” (also passendes zum passenden suchen) ausführen,
was nochmal geistig anspruchsvoller ist als das reine schnüffeln.

mögliche probleme:

es kann vorkommen, dass der hund beim gerüche unterscheiden mehr rät als schnüffelt.
er zeigt scheinbar willkürlich mal den einen und mal den anderen geruch an.

dazu kann es kommen, wenn ihm aufgrund von trainingsfehlern die aufgabe gar nicht wirklich klar ist
(zum beispiel wird bei einer falschen anzeige der richtige geruch nicht gleich weggenommen
und der hund “pendelt” so lange von einem geruch zum nächsten, bis er zufällig den richtigen erwischt),
dann liegt die lösung wieder im richtigen trainingsaufbau.

es kann aber auch daran liegen, dass dem hund die sache zu langweilig ist.
wir glauben immer, dass geruchsunterscheidungen wahnsinnig schwierig sind
und machen daher häufige wiederholungen oder immer nur die unterscheidung zwischen zwei gerüchen.
einem versierten hund ist das nach zwei oder drei durchgängen zu fade
und er verliert das interesse.
(immer vorausgesetzt der trainingsaufbau war richtig)

wer sich jetzt daran macht, die schnüffelspiele für seinen hund doppelt so schwer zu machen
der was neues ins programm aufzunehmen, sollte noch eines bedenken:
es gilt das motto:
neues lernen – schwerer machen – repeat!

soll heißen: wir müssen die schnüffelspiele laufend schwerer machen,
und häufig was neues ausprobieren,
denn die leistungsfähigkeit der hundenase ist so schnell nicht erreicht.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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