dein hund gibt keine ruhe? 5 mythen, die man als erklärung vergessen kann

er hat dich immer im auge und fordert dich oft zum spielen auf.
er quengelt und fiept, wenn er mal warten muss.
er wuselt rum, statt sich endlich hinzulegen und zu schlafen.
er knabbert deine hände an oder zieht an deinen hosenbeinen, wenn er abends überdreht ist.
der hund gibt einfach keine ruhe?

hund gibt keine ruhe

es ist mühsam.
für alle beteiligten, hund inklusive.
daher ist guter rat gefragt.

ratschläge bekommt man in dem fall ja genug.
viele davon sind allerdings quatsch.
wir wollen daher mal 5 häufige „erklärungen“ auflisten, die alle völlig daneben sind.

1. „den musst du auspowern“

wir haben ohnehin oft ein schlechtes gewissen, dass wir dem hund nicht gerecht werden.
dass wir nicht genug mit ihm unternehmen und ihm zu wenig bieten.

da geht so ein spruch wie „der braucht halt mehr auslastung, den musst du mal richtig auspowern“ sofort rein.
dabei ist der sowas von falsch, wie er falscher nicht sein könnte!

je mehr du versuchst, den hund auszulasten und damit müde zu kriegen,
desto weniger ruhe gibt der.
was seine gründe hat:
körperliche auslastung und action sind das letzte ist, was der hund noch braucht.

eine kurze erklärung dafür gibt’s hier.
genauer geh ich auf die hochaktiven hunde (und wie man mit ihnen umgehen sollte) demnächst im neuen webinar „nicht müde zu kriegen? was tun mit hochaktiven hunden“ ein, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst (kostenlos):

 

2. „der ist dominant“

achja, die „dominanz“ muss echt für alles als erklärung herhalten!
immer noch wird einem erklärt:
wenn der dauernd was will von dir und fordert, dann ist er dominant!
das darfst du ihm auf keinen fall durchgehen lassen. du musst ihm zeigen, wer der chef ist.

nun gibt es zwar varianten von „keine ruhe geben“, die tatsächlich viel mit fordern zu tun haben.
der hund fordert immer wieder aufmerksamkeit ein und möchte beschäftigung haben.
das hat aber mit dominanz oder rangordnung nichts zu tun.

vielmehr hat er entweder aufmerksamkeitsheischendes verhalten entwickelt
oder aber er ist so aufgedreht und in stress geraten, dass er nicht anders kann.
oder beides.

was es nicht ist: „dominant“ (und warum es keine dominanz sein kann, erklär ich hier).

 

3. „bei der rasse ist das so“

verblüffend viele hundemacken werden auf seine rasse geschoben.
neulich zum beispiel wurde mir erklärt:
der hund verbellt am zaun passanten, weil hütehunde (!) das so machen.

manchen rassen wie dem border collies oder belgischen schäferhunden wird nachgesagt,
dass sie besonders viel auslastung brauchen,
andere wie die terrier seien eben fordernd und stur,
und so weiter.
der fantasie sind dabei kaum grenzen gesetzt.

nun ist in einem punkt etwas wahres dran:
die reizschwelle ist bei verschiedenen hundetypen und manchmal rassen unterschiedlich.
ein hund mit niedriger reizschwelle reagiert schnell auf alles mögliche und gerät rasch in erregung.
collies oder terrier haben meist eine eher niedrige reizschwelle.

andere hundetypen vertragen ungleich mehr an eindrücken und erlebnissen,
ohne gleich in aufregung zu geraten.
eine solche hohe reizschwelle haben üblicherweise die großen und schweren hundetypen.

man muss also die anfälligkeit für erregung im auge behalten,
davon abgesehen unterliegen lernen und verhalten aber allgemeingültigen regeln.

4.  „er will das aber“

manchmal ist es gar nicht so leicht,
den hund nicht versehentlich zum hibbelhund zu erziehen.

wenn der einem dauernd das zerrseil vor die füße wirft
oder einem den ball bringt und sehnsüchtig anschaut,
dann soll man nicht dahinschmelzen?

nein, soll man nicht!
keiner würde einem kind tonnenweise schokolade geben,
nur weil es im supermarkt da steht und sagt: „das will ich und das will ich und das möchte ich bitte auch“.
es wäre ungesund und besonders gelassen reagieren kinder auf ein übermaß an zucker ja auch nicht.

für den hund ist die dauernde forderung nach beschäftigung und aufputschenden spielen genauso ungesund,
weil die stresshormone im körper über längere zeit zulasten der gesundheit gehen.
das verhalten wird dadurch immer noch aufgedrehter.

 

5.  „das wächst sich aus“

junghunde gehören besonders oft zu denen, die keine ruhe geben.
was einerseits daran liegt, dass sie in den ersten lebensmonaten besonders viel zu verarbeiten haben
und daher besonders oft zu aufgeregt sind.
andererseits haben sie tatsächlich noch flausen im kopf – weil sie ausprobieren und noch nicht gelernt haben,
was alles geht und was man besser lässt.

die hoffnung aber, das sich das alles ganz von alleine „auswächst“
und man eines tages aufwacht und der hund ist ruhig und gechillt,
weil er jetzt so oder so alt ist, die ist vergeblich.
(außer man will wirklich 10 oder 12 jahre warten, bis der hund alt und müde ist).

viele hunde werden zwar wirklich im alter von ca. drei jahren etwas ruhiger,
wenn sie erwachsen und sozial ausgereift sind.
allerdings nur dann, wenn sie auch als junghund schon halbwegs „normal“ waren.
also nicht dauernd auf action und aufgedreht und nie zur ruhe zu bringen.

diese „unruhe“ ist nämlich ausdruck einer vorliegenden stressbelastung
und die verschwindet eben nicht von selber,
nur weil der hund älter wird.

ganz im gegenteil:
die kann im lauf der zeit immer schlimmer werden,
wenn die ursachen für den stress immer weiter bestehen.

wie man den stress in den griff und damit den hund zur ruhe kriegt,
dazu dann mehr im webinar „nicht müde zu kriegen? was tun mit hochaktiven hunden“.

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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