das prinzip kooperation in der hundeerziehung

machen wir uns nichts vor: kooperation ist in der hundeerziehung ziemliche mangelware.
die ursprünge der “hundeabrichtung” und viele noch heute häufige praktiken zielen auf ganz was anderes ab:
auf kontrolle über den hund.
und darauf, dass er genau das ausführt, was dem menschen grad so einfällt.
der anteil des hundes beschränkt sich dabei darauf, zu funktionieren.
(selbst dann, wenn das reglement der menschen noch so absurd ist).

leider haben jahrzehnte dieser auf “unterordnung” basierenden hundeerziehung unser denken geprägt.
auch dann, wenn wir ihr längst den rücken gekehrt haben,
sollten wir immer wieder mal genau hinterfragen,
ob das, was wir da gerade tun,
– ein schritt in richtung kooperation mit dem hund ist,
– der kontrolle über den hund dient (die im notfall ihre berechtigung hat, aber eben nicht immer
– oder gar in die konfrontation mit dem hund führt.

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kooperation oder konfrontation?

nehmen wir das beispiel leinentraining.
denn dabei werden ein paar mechanismen besonders augenscheinlich.
die leine ist ja eines der hilfsmittel, dass einen großen spielraum zulässt-
von der feinen verbindung bis hin zum rüden rucken.
(mehr dazu in diesem artikel).

kein hund kommt leinenführig auf die welt.
um leinentraining kommt man daher nur herum,
wenn man einen erwachsene bereits leinenführigen hund aufnimmt
(und dann darauf achtet, das nicht wieder kaputt zu machen!)

es kommt daher unweigerlich dazu, dass der hund mal an der leine zieht.
und was passiert dann?
ruckt der mensch an der leine?
zieht er den hund an der leine zurück?
zerrt er selber den hund an der leine hinterher, wenn der trödelt?

diese verführerisch einfachen methoden, den hund unter kontrolle zu halten,
haben eines gemeinsam: sie erzeugen widerstand.
(simple physik: druck erzeugt gegendruck)
und sie führen auf kürzestem weg in die konfrontation.

denn schon bald wird das leinengehen damit zum wettzerren,
zum kampf, wer stärker ist und sich durchsetzt.
unzähligen menschen verleidet das den spaß am spaziergang mit dem hund,
zahllose beziehungen zwischen mensch erleiden an dieser klippe schiffbruch.

denn wo man anfangs nur ein problem mit dem leinegehen hatte,
sieht man schon bald den hund als problem.
hund und mensch arbeiten nun gegeneinander statt miteinander.

und warum?
weil wir von unserer umgebung oder von den hinterlassenschaften von jahrzehnten von “unterordnung” geprägt sind
und uns gar nicht fragen: wie könnte man das gehen an der leine denn kooperativ angehen?

(zum thema leinentraining gibt es demnächst deutlich mehr in einem neuen webinar “das leidige leineziehen – und wie man es in 3 schritten los wird”, für das du dir deinen platz hier gleich reservieren kannst (kostenlos):

kooperation muss man üben

hunde sind ja von natur aus ziemlich kooperativ.
es gibt theorien, die davon ausgehen, dass hunde sich als spezies evolutionär auf die zusammenarbeit mit dem menschen spezialisiert haben
und deswegen so erfolgreich sind.

an den hunden liegt’s also eher nicht.

in der regel liegt es auch nicht am willen oder den absichten der menschen.
wir möchten ja gerne eine feine beziehung zum hund.
wir wollen ihn ja sanft und freundschaftlich erziehen.
und natürlich würden wir mit ihm lieber zusammenarbeiten
als uns im kampf gegen den hund und seine “unarten” aufzureiben.

wir haben das nur meist nicht gelernt.
das können wir ja zum glück nachholen.

her sind mal die wichtigsten drei grundlagen,
die für eine orientierung der hundeerziehung am prinzip kooperation erforderlich sind:

1. umdenken

der wichtigste erste schritt geschieht im kopf des menschen.
statt sich darauf zu konzentrieren, was der hund zu tun hat,
sollte der fokus auf der frage liegen:  wie kann ich es dem hund leicht machen, das richtige zu tun?

2. verständnis

kooperation klappt dann am besten, wenn man die bedürfnisse des anderen versteht.
konkret heißt das auf die hunde übertragen:
wir müssen erstens ihr ausdrucksverhalten gut “lesen” können (damit wir überhaupt wissen was los ist),
und sollten uns dann nicht auf das (oftmals unerwünschte) verhalten konzentrieren,
sondern auf die ursachen und bedürfnisse, die dahinter stecken.
und auf die dann angemessen eingehen.

3. teamaufgaben

schließlich lässt sich zusammenarbeit wunderbar auch spielerisch einüben.
am besten mit aufgaben, wo mensch und hund miteinander gefordert sind und die sie nur gemeinsam lösen können.
das gibt dem menschen die möglichkeit, vom “kommandos” geben wegzukommen und gemeinschaft direkt zu erleben.
dem hund gibt es das vertrauen, dass sein mensch ihm hilft und dass er für ihn da ist, wenn er ihn braucht.

sind diese drei grundlagen mal gelegt, verändert sich in der regel die herangehensweise an die hundeerziehung fast schon automatisch.
der mensch bringt eine andere einstellung mit
und der hund ist “plötzlich” nicht mehr im widerstand, “aufsässig” oder “stur”,
sondern ist im gegenteil mit feuereifer bei der sache.
am schönsten ist es, wenn das dann soweit gefestigt ist,
dass selbst in heiklen moment der hund sich von sich aus am menschen orientiert
und der mensch ganz automatisch für die bedürfnisse des hundes sorgt.

wer konkrete anleitungen für mehr kooperation mit dem hund möchte, findet sie übrigens im kurs “teamwork”.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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