brauchst du eine hundeschule oder kannst du dir das sparen?

reihum nehmen die hundeschulen wieder ihren betrieb auf und bieten in den herbstkursen grunderziehung für den hund oder ausbildung in spezialdisziplinen an.

nun stellt sich die frage:
solltest du dich anmelden?
braucht es eine hundeschule überhaupt?
oder bist du ohne genauso gut (wenn nicht besser) dran?

wie immer im leben (mit hund), gibt es verschiedene aspekte zu berücksichtigen:
welchen hund du hast (ängstlich oder selbstsicher, hundefreundlich oder kaum sozialverträglich,…)
welche anforderungen an den hund bestehen (erziehung für den alltag oder hundesport, …)
was er schon kann und was er (oder du) noch lernen muss.

es lohnt, sich vorab ein paar gedanken darüber zu machen, was man sich von der hundeschule überhaupt erwartet,
denn bei weitem nicht alles kann eine hundeschule ganz allgemein oder die spezifische bei dir vor ort erfüllen.

wenn du dich fragst, was ein hund heutzutage wirklich erlernen muss und was ins grunderziehungsprogramm unbedingt reingehört, dann hab ich dazu demnächst ein (kostenloses) webinar, in dem ich genauer darauf eingehe. deinen platz darin kannst du dir gleich hier reservieren:

ob du für das, was du mit deinem hund lernen willst, eine hundeschule besuchen magst, kommt ganz drauf an.
hier ein paar argumente pro & contra:

online hundeschule

contra nr. 1:  schlechte hundeschulen

bevor du in eine schlechte hundeschule gehst, bist du ohne jedenfalls besser dran!

leider gibt es immer noch viele, die außer sitz, platz und fuß im kommandoton wenig zu bieten haben
oder die gar nach veralteten methoden (“rangordnung herstellen”, leinenruck, …. ) arbeiten.
(woran du eine gute hundeschule erkennst, kannst du hier nachlesen).

da ist innerhalb weniger trainingsstunden mehr schaden angerichtet,
als du dort jemals an nutzen gewinnen wirst.
gerade bei welpengruppen musst du extrem aufpassen!

wenn also dein hund dort nicht in jeder sekunde freundlich behandelt wird –
von allen anderen hunden und allen anderen menschen – dann nimm ihn und renn.

dasselbe gilt auch für dich: wenn du dort nicht jede sekunde freundlich behandelt wirst,
taugt die hundeschule nicht.

contra nr. 2:  überforderung beim hund

selbst, wenn du gleich nebenan die beste aller hundeschulen hast,
kann es verkehrt sein, mit deinem hund dort hin zu gehen.

dann nämlich, wenn dein hund noch nicht so weit ist.
wenn er zu unsicher ist,
wenn ihn andere hunde noch viel zu sehr aufregen,
wenn er mit der trainingssituation überfordert ist,
dann ein gruppenkurs in der hundeschule – jedenfalls vorerst – noch nicht das richtige.

vielleicht muss er erst mal “ankommen” bei dir und vertrauen aufbauen (wenn du ihn noch nicht so lange hast),
vielleicht muss er erst mal andere hunde entspannt kennenlernen  oder etwas mehr ruhiger werden,
bevor ein kurs in der hundeschule sinn macht.

bis dahin bist du besser dran, wenn du dir unterstützung für die hundeerziehung (falls nötig)
im einzeltraining oder über online-kurse holst.

contra nr. 3: falsche erwartungen

die hundeerziehung findet nicht in der hundeschule statt.
wer mit dieser erwartung hingeht, wird enttäuscht werden und kann sich das ganze sparen.

die hundeerziehung liegt in deiner hand
und sie findet jeden tag statt,
in allem, wie du mit dem hund umgehst und was du mit ihm machst.

selbst die beste hundeschule kann nur begleitende tipps geben
und zeigen, wie zum beispiel der rückruf oder das leinegehen am besten aufgebaut werden.
eine gute hundeschule erklärt das ausführlich und gibt die passende hilfestellung für deinen hund (und dich),
(in einer schlechten gibt’s ein rezept für alle und du musst selber schauen, wie du zurecht kommst).
aber machen musst du’s schon selber.

ein oder zweimal die woche in die gruppenstunde gehen und denken,
damit regelt man die hundeerziehung, das geht schief.

 

pro nr. 1:  hundekontakte

viele menschen wollen deswegen in die hundeschule,
weil ihr hund dort mit anderen hunden kontakt hat und spielen kann
und das im alltag sonst vielleicht schwer möglich ist.

passende hundegesellschaft ist zweifellos ein pluspunkt in der hundeschule,
vorausgesetzt der kontakt läuft reguliert und umsichtige überwacht ab.

damit ist gemeint:
es gibt hundekontakt oder spiel nur dann, wenn die hunde gut miteinander harmonieren,
solange es keinem zuviel wird und das spiel nicht so “heiß läuft”,
dass sich danach keiner mehr konzentrieren kann.

kein hund soll in der hundeschule eine schlechte erfahrung mit einem anderen hund machen
oder lernen, dass der anblick eines anderen hundes immer bedeutet:
jetzt geht’s zur sache, wir können toben!
und die aufregung entsprechend steigt.

ist das gesichert, dann ist die hundeschule ein guter rahmen,
wo hunde auch ihr sozialverhalten festigen können
und ihre menschen lernen, den umgang der hunde miteinander besser zu verstehen.

pro nr. 2: üben unter ablenkung

mehrere hund ein einer gruppe, das bedeutet immer auch:
große ablenkung!

was wie ein nachteil klingt, hat in wirklichkeit einen großen praktischen nutzen
(vorausgesetzt natürlich, es endet nicht mit überforderung für den hund).

die hundeschule bietet nämlich die möglichkeit,
die lektionen der grunderziehung – die du dem hund meist ohnehin schon selber beigebracht hast –
wie kommen auf rufen, sitz und platz, leingehen oder bleib,
auch unter ablenkung zu festigen.

nämlich gleich unter relativ großer ablenkung
(was gibt’s für hunde schon spannenderes als andere hunde!),
aber trotzdem unter kontrollierten und machbaren bedingungen.

eine vergleichbare trainingssituation,
in der man systematisch übungen mit steigender ablenkung festigen kann,
findet man am leichtesten in der hundeschule.

hat ein hund mal gelernt, trotz der anwesenheit von vier oder fünf spielkameraden noch auf den rückruf zu hören
oder an lockerer leine mit seinem menschen zu laufen, ist es im alltag gleich viel einfacher.
allerdings muss trotzdem im alltag geübt werden,
es reicht nicht, wenn der hund das nur in der kursgruppe übt.

pro nr. 3: spaß mit gleichgesinnten

bei allen trainingsvorteilen, die eine hundeschule bieten kann,
wollen wir einen aspekt nicht vergessen:
menschen gehen dort hin, weil sie spaß daran haben,
in einer gruppe mit anderen hundemenschen zu üben.

(wer daran keinen spaß hat, sollte es bleiben lassen,
das überträgt sich sonst nur auf den hund.
und es gibt genügend alternativen durch einzeltrainings oder online-kurse,
wo man den eigenen bedürfnissen gerechter wird).

wichtig ist dabei natürlich, dass nicht nur der mensch seinen spaß hat,
sondern der hund ganz genauso.
hier ist nicht die rede von den mäßig als hundeerziehung getarnten stammtischrunden,
wo man (meistens ja wirklich männer) 5 minuten schnell mal mit dem hund über den platz marschiert,
den dann ins auto oder eine box am platz steckt, und die nächsten paar stunden biertrinkend im vereinshaus verbringt.

oft ist es aber erfrischend, sich mal mit gleichgesinnten austauschen zu können:
die grad ähnlich an ihren erziehungsfähigkeiten mit dem pubertierenden junghund verzweifeln,
die genauso mit veralteten ratschlägen aus dem bekanntenkreis (“setz dich mal durch”,….) belästigt werden
und die sich mit einem über fortschritte in der hundeerziehung freuen.

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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