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by brigid

September 27, 2026

hund hat angst vor fremden

es kommt öfter mal vor, dass ein hund fremden gegenüber zurückhaltend ist,
vielleicht scheu oder misstrauisch oder sich wirklich fürchtet.

die gründe dafür sind unterschiedlich.
häufig liegen sie in der welpenzeit und der phase der sozialisation.
wenn der hund zu früh von der mutter weggekommen ist
und seine ersten erfahrungen mit den menschen schlecht waren oder er gar niemanden kennengelernt hat,
sind spätere probleme fast vorprogrammiert.

die probleme können aber auch später entstehen.
durch negative erlebnisse kann angst entstehen,
wiederholte oder häufige übergriffe (streicheln!) verleiden ihm die fremden menschen.

eines ist unabhängig von der ursache aber typisch für die scheu vor fremden:
sie ist hartnäckig und schwer zu überwinden, wenn sie mal vorhanden ist.

das ist auch bei anderen problemen mit dem hund oft so, dort aber häufig deswegen,
weil drei fehler das problem am leben erhalten, auch wenn man sich bemüht, es weg zu bekommen.
das thema schauen wir uns separat demnächst im neuen webinar „hund mit baustelle?“an,  zu dem du dich gleich hier anmelden kannst (kostenlos):

bei der scheu vor fremden kommt aber noch etwas anderes hinzu:
unsere erwartungen an den hund und die gesellschaftlichen vorstellungen, wie der hund sich einem menschen gegenüber zeigen soll.
was aber ist aus hundeperspektive wichtig und machbar?

1.  abstand ist ok

der hund soll zu allen freundlich sein, egal wer es ist.
viele menschen sind sogar gekränkt, wenn ein fremder hund sie nicht auf anhieb toll findet.
das sind etwas merkwürdige und jedenfalls unrealistische ansprüche.

so unterschiedlich hunde insgesamt sind, so verschieden gehen sie auf menschen zu.
der eine ist insgesamt schüchterner, der andere ist nur interessiert, wenn kekse im spiel sind,
der nächste hat die ersten lebensjahre auf der straße und auf der flucht vor menschen verbracht
und noch ein anderer mag nur menschen mit hund.

alles legitim und kein anlass zur sorge, wenn der hund nicht freudig wedelnd jeden fremden begrüßt.
der hund muss sich nicht über jeden menschen freuen oder jeden menschen mögen.
(wir menschen tun das ja auch nicht).

wenn sich die zurückhaltung des hundes nur darin äußert,
dass er lieber etwas abstand zu fremdne hält
oder dass er erst mal ein paar minuten braucht, um „warm zu werden“,
dann ist das völlig in ordnung.

keinesfalls sollte man dem hund den kontakt aufdrängen
oder ihn gar dazu nötigen, streicheleinheiten über sich ergehen zu lassen.
das würde aus einer vorhandenen zurückhaltung sehr schnell eine auf erfahrung aufbauende abneigung entstehen lassen.

abstand halten darf der hund also gerne. alles in ordnung.

2. angst geht gar nicht

was allerdings nicht geht, ist wirkliche angst vor fremden.
es ist das eine, wenn der hund nur nicht gleich zugeht auf fremde,
aber etwas ganz anderes, wenn er wirklich angst vor ihnen hat.

die angst belastet primär den hund selber.
klar ist es auch für den menschen am anderen ende der leine ein problem,
wenn der hund angst vor fremden hat und sie anbellt, stellen würde
oder gar zu abwehrverhalten wie schnappen oder beißen ihnen gegenüber neigt.

häufige angst erzeugt stress und beeinträchtigt die lebensqualität.
es ist ein furchtbares gefühl, wenn man in der dauernden anspannung lebt,
dass gleich wieder ein auslöser für die angst – also ein fremder mensch – auftauchen könnte
und der hund nie weiß, ob das dann für ihn gut ausgeht.

lebt man so in der einöde, dass der hund im jahr nur drei oder vier fremde zu gesicht bekommt,
muss man nicht unbedingt etwas anderes dagegen tun,
als dem hund einen sicheren rückzugsort zu organisieren oder den fremden auf gehörigen abstand zu halten.

trifft der hund aber – was für die allermeisten gelten wird – regelmäßig auf fremde menschen,
alleine schon beim spazierengehen und unterwegs,
dann darf man ihn keinesfalls in seiner angst hängen lassen.

aus fairness dem hund gegenüber.
und nicht zuletzt zur sicherheit.
denn keiner möchte erleben, dass der angsterfüllte hund durch unglückliche umstände in eine situation gerät,
in der er keinen anderen ausweg mehr sieht, als zuzuschnappen.

ein gezieltes trainingsprogramm mit begleitendem stressabbau und mit viel umsicht und management am anfang ist daher das gebot der stunde, wenn der hund angst vor fremden hat.

3. schutz ist unverzichtbar

egal, ob der hund nur etwas scheu vor fremden oder wirklich große angst hat,
eine aufgabe hat sein mensch in jedem fall: er muss ihm schutz bieten.

der hund gerät an unserer seite in viele situationen, die er freiwillig vielleicht nicht aufsuchen würde.
unser job ist es daher, dass er sich dabei trotzdem sicher und entspannt fühlen kann.

auch sicher vor fremden menschen, wenn ihm die nicht geheuer sind.

viele hundemenschen sind interessanterweise deutlich mehr dazu bereit,
ihren hund vor anderen und potentiell unfreundlichen hunden zu schützen,
als ihm fremde menschen vom leib zu halten.

die höflichkeit dem menschen gegenüber,
der erwartung, dass der hund sich von allen streicheln lassen soll,
das nicht sehen des unbehagens beim hund,
der gesellschaftliche druck, dass der hund freundlich zu sein hat,
die motive dahinter sind vielfältig.

und irrelevant.

für den hund jedenfalls.
der erlebt nur: ich werde bedrängt, ich fühle mich sehr unwohl und mein mensch setzt mich dieser situation aus und tut nichts.
im ungünstigen fall kommt dazu: wenn mein mensch nichts tut, dann muss ich eben selber….

unsere erste verantwortung besteht dem uns anvertrauten hund gegenüber und dessen wohlergehen.
man kann einem fremden auch auf höfliche art und weise mitteilen, dass er sich dem hund bitte nicht nähern soll.
für die gesellschaft wäre es außerdem von vorteil, wenn sie hunde nicht als zur freien verfügung für den menschen sehen würde.

also: unbedingt den eigenen hund vor zudringlichkeiten schützen.
es gibt kein grundrecht darauf, dass jeder mensch jeden hund streicheln darf.
wohl aber die notwendigkeit, für die sicherheit des eigenen hundes zu sorgen.

fazit

zurückhaltendes verhalten des hundes fremden menschen gegenüber muss nicht in jedem fall „therapiert“ werden.
er darf gern selber entscheiden, wen er mag und von wem er sich anfassen lassen möchte.
solange er keine angst hat und selber unter der angst leidet.
entscheidend ist das wohlergehen des hundes.

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.