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by brigid

September 6, 2026

balanced training
„balanced training“ steht für einen trainingsansatz in der hundeerziehung,
bei dem sowohl belohnung als auch strafe eingesetzt werden.
vertreter:innen der methode erklären, dass sie ganz gezielt alle vier quadranten der operanten konditionierung nutzen,
also positive bestärkung (zufügen von angenehmen), negative bestärkung (beenden von etwas unangenehmen),
positive strafe (zufügen von unangenehmen) und negative strafe (beenden von etwas angenehmen.
de facto wird aber in erster linie mit belohnung einerseits und bestrafung andererseits gearbeitet.

goldener mittelweg?

„balanced training“ oder übersetzt „ausgewogenes training“ wirkt auf den ersten blick vernünftig.
wenn die einen rein positives training fordern und die anderen mit strafen und aversiven reizen arbeiten,
ist da nicht ein mittelweg genau richtig?
keine extreme, sondern von beidem ein bisschen?
wer den mittelweg attraktiv findet, bei dem steht oft der wunsch nach harmonie
oder die überforderung mit der entscheidung zwischen so vielen trainingsansätzen im hintergrund,
manchmal gepaart mit einem ordentlichen schuss naivität.
in der hundeerziehung gibt es keinen „goldenen mittelweg“, keine „balance“ zwischen positivem und negativem training,
keine notwendigkeit für „zuckerbrot und peitsche“.
es käme ja auch niemand auf die idee, zwecks der ausgewogenheit sowohl salz als auch zucker in den kaffee zu rühren
oder sowohl diesel als auch benzin in den automotor zu füllen.
in dem moment, wo strafe bewusst und gezielt als „erziehungs“methode eingesetzt wird,
läuft die sache schon schief und wir haben es mit strafbasiertem training zu tun.
daran ändern auch ein paar leckerchen zwischendurch nichts.
der glaube daran, dass es ganz ohne „korrekturen“ nicht geht, sitzt leider tief.
so tief, dass er selbst engagierte hundemenschen im alltag mit ihrem hund einholt.
denn auch jedes scharfe „nein“ oder „aus“ oder jede körpersprachliche einschüchterung des hundes sind bereits strafe.
notwendig ist das alles nicht und wer seinen hund positiv und vertrauensvoll erziehen möchte, verzichtet darauf zur gänze.
das kann ein wenig umdenken in bestimmten alltagssituationen oder schlicht einüben im lenken über belohnung erfordern.
eine einfache übung kann dir dabei helfen, das besser umzusetzen. du kannst sie gleich hier kostenlos bestellen:

beschönigung von strafmethoden

sehr oft sehen wir sogar, dass „balanced training“ von jenen beschworen wird,
die sehr häufig und mit sehr heftigen strafen arbeiten.

der begriff soll beschönigen, dass veraltete methoden zum einsatz kommen,
die den hund gezielt einschüchtern oder ihm schmerzen zufügen,
zum beispiel über leinenruck, anbrüllen, schreckreizen oder gar körperlicher einwirkung.

in ländern, wo würge- oder stachelhalsbänder nicht gesetzlich verboten sind,
werden selbst diese als „balanced training“ hilfsmittel gerechtfertigt.
der begriff soll alles nur ein bisschen moderner und gefälliger klingen lassen.

die breite ablehnung von gewalt in der hundeerziehung führt leider unter anderem auch dazu,
dass beschönigende begriffe um sich greifen.
„energie“ maskiert ein dominantes auftreten und alpha-männchen-gehabe,
„körpersprachlich arbeiten“ muss schon mal herhalten für gezieltes einschüchtern und blocken,
„raumverwaltung“ bemäntelt ein veraltetes denken in rangordnung und aktives bedrängen des hundes,
hinter „antippen“ und „impuls“ verbergen sich schmerzhaftes bohren des fingers in die hundeflanke oder gar ein stromstoß,
und dann eben „balanced training“ für bewussten einsatz von strafe und gewalt in der hundeerziehung.

breite ablehnung

die fachwelt ist sich allerdings einig.
„balanced training“ gilt für viele vrebände, fachmenschen und organisationen als warnsignal für schlechtes hundetraining.
zuletzt sorgte die American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB),
eine der größten und anerkanntesten organisationen für tiermediziner:innen und verhaltensberater:innen für aufsehen,
als sie „balanced training“ genauso als „red flag“ und unbedingt zu vermeiden bezeichnete,
wie würgehalsbänder, dominanzgehabe oder strafmethoden.

in der wissenschaft, konkret der modernen verhaltensforschung, besteht ohnhin konsens darüber,
dass lernen über positive verstärkung (also belohnung) nachhaltiger wirkt als strafen
und dass strafen die beziehung zwischen hund und mensch beschädigen.

außerdem wirkt sich strafbasiertes training negativ auf das hundeverhalten aus
und kann zu verunsicherung, zur entwicklung von ängsten, zu meiderverhalten oder sogar zum entsthen von aggressionen führen.
(leider werden gerade letztere häufig mit strafmethoden „therapiert“ und damit umso gefährlicher).

eine ganze reihe der klassischen werkzeuge von „balanced training“ aus dem herkunftsland USA,
wie würge- und stachelhalsbänder oder stromhalsbänder sind in staaten wie österreich oder deutschland durch das tierschutzgesetz verboten und damit illegal.

fazit

wer immer einem „balanced training“ anbietet, arbeitet mit strafe und mit einschüchterung oder sogar gewalt im hundetraining.
bitte einen großen bogen drum machen und nicht auf die beschönigungs-rhetorik hereinfallen!

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.