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by brigid

Januar 18, 2026

hund korrigieren

aber man muss den hund doch korrigieren, wenn er was falsch macht?
wie soll er sonst lernen, dass er das nicht machen darf und dass er bestimmte regeln und grenzen einhalten soll?

hast du dir das im ersten moment auch gedacht?
das ist tatsächlich der erste reflex, den wir als menschen haben.

vorweg: ja, der hund muss spielregeln und grenzen lernen und einhalten.
selbstverständlich.

doch „korrekturen“ sind dafür nicht nur das falsche, sondern auch das am wenigsten effektive mittel.

genauer wird das thema, was stattdessen besser funktioniert, in der kostenlosen „5×5 challenge: lernen leicht gemacht“ besprochen, zu der du die unterlagen und videos schnell noch hier anfordern kannst:

was heißt „korrektur“?

schauen wir uns als erstes mal an, was mit „korrektur“ eigentlich gemeint ist.

wenn ein hund etwas tut, was wir nicht haben möchten, dann hat die sogenannte korrektur drei funktionen,
wenn wir uns ehrlich sind:

erstens: wir wollen das verhalten unterbrechen.
zweitens: wir wollen, dass der hund das künftig bleiben lässt.
drittens: wir haben eine emotionale reaktion und wollen uns luft machen.

korrektur ist also entweder mangelnde impulskontrnolle des menschen oder strafe für den hund.

strafe ist ja alles, was der hund als irgendwie störend oder unangenehm erlebt.
das trifft auf die „korrektur“ meist zu.
ausgenommen jene fälle, wo der hund die korrektur als anfeuern und bestätigung missversteht
(was erst recht ein grund wäre, sie bleiben zu lassen).

was spricht nun gegen die korrektur?

1.  kein lerneffekt

der hund lernt durch eine korrektur nichts.
beziehungsweise nicht das, was wir ihm eigentlich beibringen wollen.
(was er als nebenwirkung schon lernt, wird dann in punkt 3 beschrieben).

aus hundesicht läuft das ja so ab:
er verhält sich den ganzen tag auf unterschiedliche weise.
manchmal aber – für ihn aus heiterem himmel – kommt eine sanktion von seinem menschen.

einen klaren zusammenhang mit seinem verhalten gibt es für den hund in den wenigsten fällen.
dazu müsste nämlich der mensch jedes einzelne mal im exakt selben moment (nämlich sofort beim ersten anzeichen)
auf die genau gleich art „korrigierend“ eingreifen.
diese selbstdisziplin und die gelegenheit dazu hat der mensch nicht.

das verhalten ist außerdem ja schon da.
verhalten ist immer entweder ein symptom (von aufregung, von einer emotion,….)
oder eine erfolgsstrategie des hundes (also schon gelerntes verhalten).

das verhalten wird durch die korrektur vielleicht kurzfristig unterdrückt,
das bringt aber niemandem weiter und was richtig ist, weiß der hund dadurch erst recht nicht. d

sagen wir mal so:
wenn ein kind eine schlechte note in mathe nach hause bringt,
wird es durch schimpfen, handyentzug oder sonstige „korrekturen“ um nichts besser in mathe.
begeisterung für mathe wird dadurch ebenfalls nicht geweckt.

hundertmal klüger ist es daher, dem hund rechtzeitig das richtige verhalten beizubringen und das zu bestätigen.
oft reicht es schon, wenn wir nur ein wenig umdenken (und uns selber im griff haben).

statt den hund mit einem lauten „lass das“ daran zu hindern, irgendwas zu beschnüffeln,
könnten wir ihn genauso gut einfach fröhlich wegrufen oder mit einem aufmerksamkeitssignal wieder auf uns fokussieren.
problem gelöst.

2. verunsicherung

bestätigung fürs richtige verhalten statt korrekturen fürs falsche hat eine zentrale auswirkung auf den hund:
bestätigung baut seine sicherheit und sein selbstvertrauen auf.
er freut sich über lob genauso wie wir menschen
und auch ihn motiviert lob (oder sogar ein leckerchen) hundertmal mehr als auf fehler hingewiesen zu werden.

wir fühlen uns auch nicht so toll,  wenn chef oder lehrgangsleiter uns regelmäßig erklären:
das war falsch, das ist verkehrt, sie können das nicht…
das gefühl, etwas nicht auf die reihe zu kriegen oder gar nicht zu verstehen, was denn nun wieder verkehrt war,
führt rasch dazu, dass man sich für unfähig hält und immer weniger zutraut.

beim hund ist das noch stärker der fall, weil er vieles nicht reflektieren kann
und sich nicht denken kann „meine/e alte/r hat heute eben einen schlechten tag, das hat mit mir nichts zu tun“.

korrekturen führen dazu, dass der hund immer unsicherer wird.
bei den sensiblen äußert sich das rasch darin, dass sie immer zaghafter werden und immer häufiger meideverhalten an den tag legen.
die robusteren hunde zeigen es weniger deutlicher, machen aber oft zu und werden scheinbar „stur“.

für die meisten dinge, die wir dem hund beibringen möchten,
braucht der einen klaren kopf, innere gelassenheit und selbstvertrauen.
mit korrekturen untergräbt man das alles.

3.  beziehungskiller

nicht zuletzt untergräbt man die beziehung zwischen sich und dem hund mit den korrekturen.
der hund lernt durch eine korrektur ja nicht, wie es denn richtig ginge.

was er manchmal lernt:  sich möglichst nicht erwischen lassen.
er verknüpft die anwesenheit des menschen mit der unangenehmen konsequenz für sein verhalten.
daher wartet er damit, bis der mensch nicht dabei ist.
auch nicht das, was man erreichen wollte.

vor allem aber lernt er eines: mein mensch ist unangenehm.
ich kann mich nicht vertrauensvoll in jeder lebenslage an ihn wenden,
ich kann mich nicht darauf verlassen, dass er für mich da ist.
denn manchmal verwandelt sich der nette dr. jekyll in den fiesen mr. hyde –
ohne dass der hund wüsste, warum!

selbst wenn der hund die gründe immer verstehen würde:
mit wem würde er lieber zusammensein (und lernen):
mit jemandem, der zuerst zuschaut, wie er in ein falsches verhalten reinsteuert und ihn dann dafür maßregelt?
oder mit jemandem, der ihn umsichtig anleitet und dann belohnt dafür, dass er’s richtig gemach hat?

eben.

fazit

es gibt zahllose trainer:innen, die immer noch „korrekturen“ empfehlen und zu dem glauben beitragen,
dass es ohne die in der hundeerziehung nicht ginge.

ich wage die behauptung, dass diese trainer:innen
– es nicht besser wissen und können
– oder wenn doch, zu faul sind, vorausschauender zu arbeiten und den hund gut anzuleiten
– oder dass sie aufgrund ihrer psychostruktur gern ein schwächeres lebewesen strafen.

bleibt zu hoffen, dass der aberglaube, ein hund könne ohne korrekturen keine grenzen und spielregeln lernen
und sich daher nicht benehmen, bald ausstirbt.

ps: wer sich genauer mit dem thema beschäftigen möchte, dem sei das fachwebinar „geht es ganz ohne strafe?“ empfohlen

 

über die autorin 

brigid

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.