5 tipps, wie man den hund ans alleine bleiben gewöhnt

alleine bleiben ist etwas, woran man den hund erst gewöhnen muss.
viele haben damit zwar kein problem, es kann aber auch einiges schief gehen.

vor allem dann, wenn man
– einen welpen aufgenommen hat, der das alleine bleiben noch gar nicht kennt
– einen hund aus dem tierschutz aufgenommen hat, der (noch) unsicher oder gestresst ist
– einen hund hat, der lange nicht mehr oder bisher noch nie alleine bleiben musste.

vor allem letzteres ist nach den langen monaten von lockdown und home-office für viele menschen jetzt ja thema.
der hund hat sich daran gewöhnt, dass immer jemand da ist.
oder man hat während der lockdown-zeit einen hund aufgenommen und der war bislang noch gar nicht alleine.

doch irgendwann soll der “normalbetrieb” im haushalt wieder einkehren und da gehören ein paar stunden alleinesein für den hund dazu.
selbst wenn immer jemand da ist, lohnt es sich, den hund ans alleinbleiben zu gewöhnen.
schließlich kann immer was dazwischen kommen: eine persönliche veränderung, ein notfall, ein krankenhausaufenthalt, ein neuer job…
und dann muss der und plötzlich phasenweise allein bleiben können.
da ist es gut, wenn er das schon mal gelernt hat und das schon kennt.
am schwierigsten sind nämlich immer plötzliche umstellungen.
also rechtzeitig ein wenig üben!

online hundeschule

bevor wir zu den tipps kommen, wie man den hund ans alleine bleiben gewöhnt, ein wichtiger hinweis:
es geht hier NICHT um hunde, die bereits probleme mit dem alleinsein haben oder unter trennungsangst leiden.

für die reichen diese tipps bei weitem nicht, die brauchen ihr eigenes trainingsprogramm.
das ist thema in einem neuen, interaktiven online-workshop “alleine bleiben” zu dem du hier alle infos findest.

nun aber zu den wichtigsten tipps für alle, die es gleich von anfang an richtig lernen sollen.

gewöhnen ans alleine bleiben

das wichtigste wort ist dabei “gewöhnen”.
der hund muss nichts besonders trainieren, sondern er soll zeit bekommen, sich daran zu gewöhnen, dass niemand da ist.
und dabei nämlich die erfahrung machen:
das ist nichts schlimmes.
das ist nicht mal was irgendwie besonderes.
es kommt einfach gelegentlich vor und dann ist es auch wieder vorbei.

am anfang weiß der hund logischerweise nicht, dass seine menschen ja gleich wiederkommen
und reagiert vielleicht beunruhigt, wenn man das haus verlässt.
oder aber er ist gewöhnt, dass er immer mit dabei ist, wenn sein mensch aus dem haus geht
und ist daher etwas aufgeregt und dadurch unruhig.

daher ist es wichtig, den hund mit dem  alleine bleiben nicht zu überrumpeln, sondern ein paar dinge zu berücksichtigen:

1. schön langsam

damit der hund sich dran gewöhnen kann, dass alleinesein kein drama ist,
geht man am besten schrittweise vor:

erstmal nur kurz aus dem raum gehen, dann auch mal die türe schließen.
dann mal kurz aus dem haus gehen, und gleich wieder zurück kommen.
als wäre es die normalste sache der welt.
(sie auch punkt 2).

die ersten 5 minuten vom alleine bleiben baut man ganz langsam auf.
minute für minute (und wenn nötig noch langsamer),
danach kann man das ganze rascher steigern.

kann der hund auch mal eine stunde lang alleine bleiben, ist das wesentlichste geschafft.
zwar sollte man auch danach nicht gleich 6 stunden wegbleiben,
einen großen unterschied gibt es für den hund zwischen 1 und 2 stunden
oder zwischen 2 und 3 stunden alleinesein aber nicht mehr.

2. beiläufiges weggehen

je weniger drama der mensch aus dem weggehen macht, desto besser.
im idealfall geht das ganz beiläufig.
so wie man eben mal kurz den müll rausträgt,
so geht man eben mal kurz eine stunde weg
(wenn der hund schon mal so weit sit).

das stellt nämlich sicher,
dass der mensch nicht angespannt wirkt
und den hund damit nicht in aufregung versetzt.

also bitte keine großen abschiedszeremonien
“ach mein armer, ich muss jetzt leider weg, aber mammi kommt bald wieder, sei schön brav bisdahin”
oder ähnliches 🙂

3. kein heimlicher aufbruch

beiläufiges weggehen soll aber nicht heißen, dass man sich heimlich aus der wohnung schleicht,
so dass der hund es gar nicht merkt.
das könnte für ihn nämlich ein böses erwachen geben,
buchstäblich – wenn er nämlich grad geschalfen hat.

im schlimmsten fall führt das dazu,
dass der hund einen nicht mehr aus den augen lässt,
damit ihm das nur ja nicht wieder passiert,
dass er wach wird (oder aus seiner beschäftigung wieder auftaucht)
und plötzlich ist keiner mehr da.

der hund soll – egal ob beim üben oder später im ernstfall – mitbekommen,
dass sein mensch nun geht.
ein kurzes “bis bald” oder “ich komm bald wieder” ist völlig ok,
solange es ruhig und beiläufig bleibt.

4. entspannungsphasen nutzen

am leichtesten fällt dem hund das alleine bleiben, wenn er entspannt ist.
wenn er grade aufgedreht ist oder noch völlig unausgelastet
(und eigentlich auf den spaziergang wartet),
oder aber, wenn er gerade eine stressige phase in seinem leben hat,
dann ist es für ihn am schwersten.

das einüben vom alleine bleiben findet daher am besten dann statt,
wenn der hund schon spazieren war oder sowieseo eine ruhephase hat.
bitte keinesfalls direkt vor dem spazierengehen
(weil man dann praktischerweise eh schon angezogen wäre),
das macht ihn nur hektisch!

bitte auch nicht in jeder ruhepase gleich üben,
damit der hund nicht versehentlich abspeichert:
kaum leg ich mich hin und döse, schon rennen sie zur tür.

5. kauartikel

vielen hunden hilft es, wenn sie grade eine beschäftigung haben, wenn der mensch geht.
die ersten sekunden (und später die ersten minuten) sind nämlich die schwierigsten,
weil in denen die aufregung etwas höher ist.

das kann man gut überbrücken, in dem man dem hund einen kauknochen gibt,
dann darf er mal in ruhe erst ein paar minuten rumknabbern
und dann geht man mal kurz raus und kommt gleich wieder ein
bzw. übt den stand, auf dem man grad ist, weiter.

wichtig ist allerdings, dass der kauknochen nicht immer nur dann auftaucht,
wenn der mensch dann das alleinebleiben üben will.
das hat der hund nämlich schnell raus
und es verleidet ihm die freude am kauknochen recht ordentlich.

sollte der hund den kauartikel (den er sonst gerne annimmt) nicht anrühren, wenn man weggeht,
oder gar aufbewahren, bis der mensch wieder da ist,
dann ist das übrigens ein deutliches zeichen dafür,
dass der hund mit dem alleine bleiben probleme hat.
in dem fall dann bitte fachliche anleitung fürs alleinbleiben suchen
oder sich beim workshop “alleine bleiben” weitere tipps holen.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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