wie du dir mit leckerli das hundetraining ruinierst: 3 dinge, die du unbedingt vermeiden solltest

wie bitte? mit futterbelohnung soll man sich das training ruinieren können?
ja, allerdings! nicht umsonst ist das keksi-stopfen häufig verpönt. (wenn auch manchmal aus den völlig falschen gründen und zu pauschal).

keine sorge, ich trete jetzt nicht plötzlich gegen die arbeit mit leckerlis an – ganz im gegenteil! aber! großes aber!

aber: man kann es auch falsch machen!
so falsch, dass es tatsächlich deinen hund beim lernen blockiert oder dass er genau das gegenteil lernt von dem, was du eigentlich wolltest.
also ziemlich falsch!

nicht so falsch wie strafe oder druck – denn die wirken sich nicht nur auf das training sondern auf die psyche deines hundes verheerend aus. das tun leckerli eher nicht :-).

aber trotzdem fehlerhaft. weil der hund womöglich ganz was anderes lernt, als du wolltest. oder jedenfalls nicht so gut. oder er mehr die direktesten wege zum keksi abspeichert und weniger das gewünschte verhalten.

hier sind die häufigsten drei fehler.
die dinge, die du unbedingt vermeiden solltest, wenn dein training nicht schaden nehmen soll.
die drei dinge, die uns allen aber so leicht von der hand gehen. so leicht wie, ja eben, das keksi.

 

1.  das leckerli in der hand

kennst du auch einen hund, der wunderbar an der leine oder in der freifolge läuft – solange sein mensch ein leckerli in der hand hat, denn ohne geht gar nix! null interesse beim hund.

oder einen, der sich erst dann ins platz legt, wenn er inspiziert hat, ob das keks in deiner hand den aufwand lohnt?

oder einen, der vor jedem sprung oder jedem hindernis wartet, dass du erst was auspackst, bevor er sich in bewegung setzt?

so einen kennst du sicher auch (wollen wir mal hoffen, dass es nicht deiner ist 🙂 ).

das passiert ganz schnell, weil man ganz am anfang einer neuen übung erst mal den hund lockt mit einem leckerli. nach ein oder zwei mal locken sollte dann aber schluss sein! das locken soll den hund ja nur dazu bringen, mal das richtige zu tun, damit man ihn belohnen kann. wenn er mal kapiert hat, was er tun muss, um belohnung zu kriegen, kommt das leckerli erst danach. nicht mehr davor!

aber was passiert?
der mensch ist ein gewohnheitstier und greift halt so gern in den leckerli-beutel, um nur ja schnell genug zu sein – und weil der hund dann viel braver ist! mit dem keks in der hand ist es so viel leichter…. trugschluß!

so rennen wir dann rum mit immer mindestens einem keks in der hand.
entweder hat der hund frei und tut nur, was er will.
oder wir haben ein keksi in der hand…

der hund spielt das gern bis an sein lebensende, kein problem.
aber du? willst du das auch?
und was, wenn du mal unterwegs bist und weit und breit ist kein leckerli mehr da?

eben. also überprüf das nächste mal, wenn du mit deinem hund unterwegs bist, ob du schon wieder was in der hand hast.
und vor allem: bring deinem hund bei, dass er erst das gewünschte tun soll und dass du erst dann in den leckerlibeutel greifst und ihm was gibst. und auch das nach schon bald nicht mehr jedes mal…

 

2. das leckerli in jedem fall

der zweithäufigste fehler im hundetraining! der hund kriegt das keks auf jeden fall, auch wenn er erst beim dritten mal rufen kommt oder ewig zögert mit dem hinsetzen oder erst mal eifrig den anderen hund anbellt.

oft ist man so dankbar, dass der hund dann endlich tut, was man wollte (kommen, hinsetzen, kurz nach luft holen zwischen dem bellen,…), dass man vor lauter erleichterung und dankbarkeit das leckerli ins hundemaul stopft.

was natürlich blöd ist. denn was lernt der hund?

ich krieg meine belohnung
– fürs irgendwann kommen, wenn’s grad passt
– fürs lange zögern vorm hinsetzen
– fürs bellen

und du weißt ja: was belohnt wird, wird bestärkt und gespeichert. und es wird häufiger!

wunder dich also nicht, wenn dein hund immer schlechter kommt oder sich immer langsamer hinsetzt oder immer häufiger bellt. er tut nur das, was du ihm beigebracht hast. da ist er konsequent! und nicht ganz uneigennützig: wozu sich anstrengen, wenn es mit wenig aufwand die selbe belohnung gibt?

 

3. das leckerli auf ewig

kommst du dir auch manchmal gemein vor, wenn dein hund brav tut, was er sollte, und dann kriegt er nichts?

wenn ja, dann läufst du gefahr, fehler 3 aufzusitzen! nie von der futterbelohnung wegzukommen! noch bis zum letzten tag deines hundes jedes simple sitz belohnen zu müssen.

ok, das ist jetzt ein bisschen übertrieben (hoffentlich!).
aber passieren kann es einem schon, dass man irgendwie aus dem belohnen nicht recht rauskommt. oder dass der hund nur dann mitspielt, wenn es die belohnung gibt. wie bei einer parkuhr: erst einwerfen, dann läuft die sache eine weile. dann bitte wieder einwerfen.

was du brauchst (und alle, die sich bei fehler 1 oder 2 wiedergefunden haben, ebenfalls) ist ein klares verständnis, wie lernen und belohnung funktionieren. ganz knapp zusammengefasst gibt es 7 stufen:

  1. locken: du bringst den hund irgendwie dazu, das gewünschte zu tun (lockst ihn zum beispiel mit einem leckerli)
  2. vom locken zum belohnen: wenn er das gewünschte mal 2 oder 3 mal so gemacht hat, hat er schon eine ahnung. dann wartest du, bis er mit dieser ahnung ausprobiert, welches verhalten zur belohnung führt. das ist dein umstieg vom lockern aufs belohnen.
  3. jedesmal belohnen (konstante belohnung): du belohnst das richtige verhalten jedes mal. aber nicht lange, denn dann folgt:
  4. gezielte belohnung (variable belohnung): du belohnst besonders gute ausführungen mit futter, den rest einfach mit einem kurzen lob. der hund soll ja lernen, dass du es aufs erste wort und gleich willst! mehr spaß macht es so außerdem.
  5. ausschleichen der belohnung: du belohnst auch gute ausführungen nicht mehr jedes mal mit futter, sondern reduzierst allmählich das futter und ersetzt es mit lob (einem wort, einem kurzen nicken,….)
  6. belohnung für besondere leistung: du belohnst das richtige verhalten nur mehr in sonderfällen, wenn es ganz besonders schwierig war.
  7. zufallsbelohnung: du belohnst es hin und wieder nach dem zufallsprinzip, damit es interessant bleibt.

wenn du dich daran hältst, läufst du nicht gefahr, auf stufe 1 oder stufe 3 hängen zu bleiben. sonst kannst du dein ganzes training vergessen und hast einen hund, der nur mit keksi funktioniert. was ja ehrlich gestanden ein bisschen langweilig wird, dem hund mein ich! dazu ist deiner sicher viel zu schlau, also sei fair und setzt deine futterbelohnung sinnvoll ein – besseres lernen und ein motivierterer hund sind garantiert!

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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