„wie dein hunde-training dank zorro um klassen besser wird“

ja, du hast richtig gelesen: zorro

zorro. wie der berühmte held mit maske und degen. der robin hood auf mexikanisch, der sich säbelstechend, auf pferden galoppierend und mysteriös verschwindend durch diverse filme haut. und natürlich am schluss immer siegreich bleibt.

was der mit hundetraining zu tun hat?

nun, vorweg: nein, du brauchst keine maske. und schon gar keinen degen.  und einen mantel, nur wenn es kalt ist (und dann vermutlich keinen so unpraktischen umhang wie der filmtyp).

aber du kannst eine wichtige sache von ihm lernen. eine übung, die in der ausbildung und erziehung von hunden buchstäblich gold wert ist.

den zorro-zirkel.

der legende nach war zorro anfangs alles andere als ein meister mit dem degen. an sich logisch. wer wird schon als fechtmeister (oder als meister in sonst irgendwas) geboren.  der junge zorro – der damals auch noch anders hieß, aber fragt mich bloß nicht, wie – kam zu einem sehr weisen meister in die lehre. und der brachte ihm eines bei:

wenn du jeden kampf gewinnen willst, dann fang erst mal dort an wo du bist!

und er hat einen kreis um den jungen mann in den boden geritzt und ihm als erstes beigebracht, diesen kreis zu verteidigen. sich innerhalb dieses kreises zu behaupten. diesen ersten kreis – den zirkel – zu meistern.

erst, als zorro in diesem ersten zirkel bestehen konnte, hat er den kreis ein bisschen größer gezogen. und ihm als nächstes beigebracht, den nun größeren zirkel zu verteidigen und sich darin zu behaupten. und dann den nächsten und den nächsten, bis zorro sich in ganz mexiko behaupten konnte.
(anm: danke an shawn achor,  von dem ich den zorro-zirkel hab, und zwar aus seinem buch „the happiness advantage“, das mit hunden übrigens gar nichts zu tun hat).

sollte die hundeausbildung nicht ganz genau so laufen?

(natürlich ohne degen :-). )

sollte. denn die wünsche von uns menschen sehen nur allzu oft etwas anders aus…

bist du schon manchmal um rat gefragt worden (oder gehörst du selber zu jenen, die das sagen würden):
„hast du nicht einen tipp für mich, wie ich meinen hund dazu kriege, dass er andere hunde an der leine nicht mehr so hysterisch verbellt?“

eine legitime frage.

aber wenn besagter hund auch dann, wenn weit und breit kein anderer hund in sichtweite ist, keine 10 meter an locker durchhängender leinen gehen kann, dann ist diese frage einfach die falsche frage.

stell dir mal vor, der junge zorro – der einen degen noch nicht mal richtig halten kann – hätte gleich mit der frage begonnen: wie kann ich noch den halsbrecherichsten degenkampf in ganz mexiko sofort gewinnen?
schwachsinnige frage, oder?

natürlich weiß jeder, dass man dinge wie degenkämpfe oder klavierspielen oder was weiß ich was, erst mal lernen muss. dann üben. dann noch mehr üben. und dann noch ein bisschen üben, bis man eines tages fast perfekt ist.

für die hundeerziehung gilt genau das selbe.  für jede einzelne sache.
und vor allem für die selbstbeherrschung, die der hund erlernen muss.

selbstbeherrschung ist wie degenkämpfen.
der hund muss erst mal den kleinen kreis um sich meistern.
den einen ersten schritt üben. bis er klappt.
dann kann der kreis ein bisschen größer werden.
der zweite schritt wird geübt. bis er klappt.
und so weiter.

an sich naheliegend, oder?

trotzdem machen wir es oft deswegen nicht, weil unser unbewussten muster uns im weg stehen.

• wir starren vollkommen gebannt wie das kaninchen auf die schlange auf das große (unlösbare) problem, das am ende entstanden ist.
• das problem erscheint uns so groß, dass wir innerlich aufgeben und es erst gar nicht versuchen.
• wir schätzen unseren hund falsch ein, weil wir lieber sehen, was wir sehen wollen, als das, was wirklich da ist (im guten wie im schlechten!)

hier sind drei tipps für dich, wie du das knacken und dir den zorro-zirkel nutzbar machen kannst:

 

1. schau, wo du stehst

solange du nicht weisst, wo du stehst, kannst du keinen kreis um dich herum definieren.
klar, oder?

also schau mal ganz genau, wo
a) du selber und
b) dein hund
trainingsmäßig stehen.

bezogen auf die eine aufgabe, die du dir vornehmen möchtest. zum beispiel:

– ziel a): dein hund soll besucher nicht anspringen.
was macht er heute, wenn besucher kommen? wie ist sein erregungspegel generell? springt er auch familienmitglieder an oder nur besucher? springt er auch unterwegs passantInnen an? was machst du heute, wenn besucher kommen und dein hund springt?

ziel b) dein hund soll ein geworfenes dummy korrekt apportieren.
nimmt dein hund dinge überhaupt gerne ins maul? trägt er sachen sowieso herum?
rennt er mit allem, was du wirfst, gleich mal freudig weg und spielt herum?
hütet er sich schon, dir mit einem   dummy zu nahe zu kommen, damit du es ihm nicht wegnehmen kannst?
weigert er sich, ein dummy überhaupt ins maul zu nehmen? interessiert ihn ein dummy überhaupt?
weisst du, wie du die dummy-arbeit schritt für schritt richtig aufbaust?
wie du deinem hund beibringst, ruhig zu warten, gezielt zu arbeiten, das dummy zu bringen und korrekt abzugeben?

ziel c) : dein hund soll an der leine ruhig an anderen vorbeigehen.
kann dein hund überhaupt schon an lockerer leine gehen?
wenn ja: wie weit (mal ganz ehrlich, teste das: geh ein stück ohne irgendwas zu sagen oder tun und lass dich filmen oder zähl mit, wieviele schritte ihr so gehen könnt und die leine dabei locker bleibt).
kann dein hund an ablenkungen locker vorbeigehen?  wie aufgeregt ist er generell?
wie aufgeregt ist er, wenn er andere hunde sieht?
kannst du die leine locker lassen? kannst du entspannt bleiben und die leine locker halten, wenn eine ablenkung
auftaucht? atmest du ruhig weiter und bleibst gelassen, wenn ein anderer hund kommt?
stell dir diese oder ähnliche fragen für jede aufgabe, an der du arbeiten magst. sei gnadenlos ehrlich mit dir selber! alles andere bringt dir eh nichts.  und wenn du mal genau weißt, wo dein hund und du gerade stehen, dann weisst du auch, wo genau du anfangen musst und kannst.

2. vergiß das große ziel

ich weiss, das tun wir ganz ungern! ich will doch aber gerade dieses große ziel erreichen. möglichst pronto. diese lästigen vorübungen, das endlose geduldig trainieren…seufz.

die schlechte nachricht: es geht nicht anders! übung macht nun mal den meister/die meisterin. und du solltest deinem hund eine faire chance geben, das zu lernen, was er dann fürs große ziel bracht. also üben.

die gute nachricht: die hunde lernen meist eh viel schneller, als wir glauben! wenn wir nur das training sinnvoll und systematisch und schritt für schritt aufbauen. manchmal laufen wir sogar gefahr, dass wir den schwierigkeitsgrad nicht rasch genug steigern und sich der hund schon langweilt.

natürlich soll das große ziel nicht aufgegeben werden!
du sollst dir nur ein teilziel ums nächste stecken.

beispielsweise

a) der hund geht vom vorzimmer auf seinen platz, wenn du ihm das sagst.
er bleibt 1 minute auf seinem platz liegen, wenn noch gar keine besucher kommen.
der hund bleibt da 2 minuten liegen, dann 5, dann 10.
…..

b) der hund nimmt ein dummy ins maul:
er nimmt es und behält es kurz im maul.
er nimmt es und behält es solange im maul, bis du ihm die hand hinhältst / ein „gib“signal gibst.
er geht auf 1 m entfernung zum dummy und nimmt es und muss – um es dir in die hand geben zu können – damit zu dir kommen.
…..

c)  der hund lernt, dass er mit ziehen sowieso und nie (!) weiter kommt.
du übst, in jeder lebenslage die leine nur zu halten und nie (!) zu ziehen.
der hund kann 10 meter an lockerer leine gehen.
er kann 20 meter an lockerer leine gehen. 50meter. 100 meter.
er kann an einer ablenkung an lockerer leine vorbeigehen.
……

du hast so viel mehr ziele, die du erfolgreich abhaken kannst!
und weder du noch dein hund müssen frustriert vor dem großen unerreichbarn monster-ziel in die knie gehen :-).

3. geh systematisch vor

ohne plan kriegt man den kreis nicht größer. man hüpft höchstens von einer stelle zur nächsten und oft genug wird die leistung dabei sogar schlechter.

einen klavierlehrer, der dir als neuling  beibringen will, heute die finger der rechten hand auf die tasten zu legen, morgen ein mozart-konzert zu spielen, übermorgen die finger der linken hand auf die tasten zu legen, am tag danach etüden zu üben, am tag danach nur auf schwarzen tasten zu spielen,….. den würdest du doch sofort in die wüste schicken, oder? komplett neben der spur, der typ!

ganz so dramatisch ist es in der hundeausbildung nicht, sagst du?

da übst du mit deinem junghund heute, überhaupt mal die leine locker zu lassen. morgen begegnet euch auf dem gehsteig ein böse bellender anderer hund und ihr wollt vorbei. übermorgen hast du einen schlechten tag und ziehst selber dauernd an der leine, weil der hund so langsam ist. am tag danach gehst du mit ihm durch die stadt und überall riecht es so aufregend. am tag danach übst du wieder ein bisschen, an lockerer leine zu gehen.

ehrlich: so viel anders kommt mir das nicht vor!

also tu bitte dir selber und deinem hund einen gefallen und
– übe schritt für schritt
– verlange nichts, was er noch nicht gelernt hat
– vermeide situationen, die ihn überfordern würden, möglichst
– mach dir einen plan, wie die nächsten schritte aussehen werden
– pass deinen plan an, wenn nötig
– aber bleib bei deinem plan!

meistere wie zorro erst deinen zirkel, dann einen größeren zirkel, dann einen noch größeren.
bis du schließlich das ganze land beherrscht :-).

und ab dann ist es ja einfach, dann schwingst du dich aufs pferd, zückst den degen und rettest die welt!

übrigens:  wenn du das systematische schritt für schritt trainieren mal unter anleitung ausprobieren magst und das thema „aufmerksamkeit“ für deinen hund ein thema ist, dann kannst du heute noch ganz schnell einsteigen in die kostenlose große „aufgepasst-challenge“. 

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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