wichtiger faktor stimmlage im hundetraining

zum thema stimmlage im hundetraining gibt es wenig empfehlungen,
und die, die es gibt, taugen oft nicht viel.
denn meist beschränkt sich das auf:
“du musst mit tiefer, fester stimme sprechen, damit dein hund dich ernst nimmt” – was quatsch ist.
oder es kommt die aufforderung “lob ihn mit hoher fröhlicher stimme”, was nicht selten in gekünsteltem gequietsche endet und nicht sehr angenehm für die hundeohren ist.

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dabei spielt die stimme bzw. die stimmlage natürlich eine große rolle.
sie vermittelt emotionen und wirkt auf den hund hemmend oder fördernd.

beispiel rückruf

nehmen wir nur den rückruf als beispiel dafür.
wie man den hund ruft, ist keine nebensache.
neben der körpersprache spielt dabei auch unsere stimme eine rolle.
manche stimmlagen wirken bremsend, andere fördernd.

ein herrisches “hier!” bei dem die stimme am ende nach unten geht,
wirkt für den hund eher einschüchternd und bremst sein tempo – was wir beim rückruf ja grade nicht wollen.
dasselbe wort “hier” (oder besser noch der zweisilber “hierher”) ohne druck in der stimme
und mit höher tonlage gegen wortende wirkt hingegen wie eine einladung und beschleunigt das kommen.

(natürlich lebt der rückruf nicht von der stimmlage alleine.
mehr tipps zu dem thema gibt es demnächst im kostenlosen webinar “so klappt der freilauf ohne probleme”, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:

die tonlage

in studien wurde bereits mehrfach nachgewiesen,
dass kurze, in der tonlage ansteigende und tendenziell sogar rasch hintereinander wiederholte signale
eine stimulierende wirkung auf den hund ausüben.
wer seinen hund anfeueren will, ruft also am besten ein fröhliches “lauf, lauf, lauf, lauf, lauf!”

im gegensatz dazu wirken langgezogene, in der tonlage absteigende einzeltöne hemmend.
sie eignen sich also gut für ein “bleib” (stimme geht am ende nach unten)
während ein bestimmtes “hiiiier!” (stimme geht am ende nach unten)
für den rückruf grade verkehrt ist.

der luftstrom

fast noch wichtiger als die tonlage ist der luftstrom, mit dem ein wort oder klang produziert wird.
hier gibt es die variante: viel luft und damit druck auf der stimme
oder weniger luft und damit wenig druck auf der stimme.

der druck auf der stimme bleibt dort ja nicht.
der entsteht nur, wenn wir parallel mehr druck in der körperspannung und der atmung haben
und überträgt sich dadurch unmittelbar auf den hund,
der es als das empfindet, was es ist: druck.

ein lautes “fuß” mit gepresster stimme führt schnell zu beschwichtigung oder ins meideverhalten.
wird das wort “fuß” hingegen mit wenig druck leise und in normaler tonlage ausgesprochen,
reagiert der hund wesentlich entspannter und freudiger.

das zögern in der stimme

schließlich gibt es noch jene signale,
die mit ganz wenig luft ausgesprochen werden und bei denen die stimme am ende ganz deutlich hoch geht,
fast wie bei einem fragewort.

genau das ist meist die emotion dahinter:
der mensch ist sich unsicher und das signal kommt mehr als frage denn als signal raus –
und beim hund genauso an.

diese unsicherheit in der stimme macht sich auch am anfang des wortes bemerkbar:
ein kaum merkliches zaudern geht dem wort voran,
als könnte der mensch sich nicht ganz dazu aufraffen, das signal zu geben.
was meist dann passiert, wenn der mensch schon fürchtet, dass es nicht klappen wird.
eine selbsterfüllende prophezeiung.
denn der hund hört die fehelnde überzeugung in der stimme natürlich und nimmt das ganze als freundlichen vorschlag,
nicht als gut aufgebautes signal.

hör dir also mal genau zu:
wie laut wirst du deinem hund gegenüber?
geht die stimme rauf oder runter am ende des wortes?
sprichst du absichtlich tief oder absichtlich hoch?
gibst du signale oder kommandierst du herrisch?
und dann probier’s mal anders und lass dich überraschen….

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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