was der körper deines hundes über sein verhalten verrät (und warum du was gegen muskelverspannungen tun solltest)

zeig mir den körper deines hundes und ich sag dir was über sein verhalten.
das klingt nach einer frechen behauptung? zum teil ja. aber nicht nur.

denn zwischen der körperhaltung und der muskulatur einerseits und den emotionen und dem verhalten andererseits besteht ein unauflöslicher zusammenhang.

ein hund, der verspannt ist oder schmerzen hat, kann nicht gelassen reagieren.
ein hund, der körperlich nicht ausbalanciert ist, ist auch emotional nicht im gleichgewicht.
was zuerst da war – die körperliche verspannung oder die emotion – ist öfter mal die frage nach huhn oder ei.

eine emotion führt nämlich dazu, dass sich ein bestimmtes körperbild entwickelt.
sagen wir mal der hund ist ein rechter stürmer und dränger und wird schnell ungeduldig.
dann kann man davon ausgehen, dass seine schulterpartie und seine nackenmuskulatur verspannt oder sogar übermäßig ausgeprägt ist.
beim drauflos stürmen wirft er nämlich sein gewicht nach vorne und hat den kopf höher erhoben als in entspannter körperhaltung.

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je öfter und je länger er diese haltung einnimmt, desto mehr bildet er diese form von (verspannter) muskulatur aus,
er wird sich immer mehr gewohnheitsmäßig so bewegen.

und rate mal, wozu das führt!
genau.
es macht ihn stürmisch und ungeduldig.
selbst dann, wenn du mit ihm impulskontrolle übst und ihr fortschritte macht,
wird dein hund mit der falschen körperhaltung und verspannungen nicht so gelassen sein, wie er es ohne wäre.

für dein training ist es also wichtig, auch gegen die verspannungen was zu tun.
ob du nun zum profi gehst für eine massage oder körpertherapie
oder ob du lieber selber hand anlegst, ist ganz dir (und deiner geldbörse) überlassen.
nur vernachlässigen solltest du das bitte nicht.

(tipps, wie du deinem hund mit ein paar einfachen handgriffen und den sanften berührungen der tellington-methode selber helfen kannst, gibt es übrigens demnächst im kostenlosen webinar “sanfte berührung, große wirkung”, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:

wichtig ist dabei auch, genau hinzuschauen bzw. hinzuspüren.
neben den sehr deutlichen fehlhaltungen und verspannungen gibt es nämlich noch andere, unauffälligere.
ihre auswirkungen können aber genauso groß sein.

hier sind mal drei häufig übersehene “körpergebiete” des hundes,
die weitreichende auswirkungen auf sein verhalten haben können.

1. kiefergelenke

wenn die kiefermuskulatur verspannt ist, fällt das selten großartig auf.
für den hund fühlt es sich aber gar nicht gut an.
es kann außerdem symptom für tieferliegende probleme sein.

wenn ein tier schmerzen hat, beisst es meist die zähne zusammen.
hat dein hund eine chronisch verspannte kiefermuskulatur, die sich trotz lockern der muskel immer wieder verspannt, könnten also schmerzen irgendwo im körper die ursache sein.

das kiefergelenk hängt außerdem direkt mit dem becken zusammen.
hat dein hund also probleme mit der hüfte oder aber verspannungen in der hinterhand,
kann auch das am kiefergelenk sichtbar werden.

wenn du selber mal die zähne fest zusammenbeißt und eine weile so bleibst, spürst du die auswirkungen vermutlich schnell:
man wird buchstäblich verbissen, starrköpfiger und weniger flexibel.
das gilt auch für den hund, der sogar zu gereiztheit und heftigen reaktionen neigen kann.

2. flanken

die muskulatur an den flanken des hundes – vor allem der muskelstrang die wirbelsäule entlang zwischen den letzen rippen und der hüfte – ist vergleichbar mit der nackenmuskulatur des menschen:

dort setzt sich nämlich der chronische stress besonders gerne fest.
beim hund kommt noch dazu, dass eine anspannung in der hinterhand üblicherweise bei ängstlichkeit stärker ausgeprägt ist.
die stressverspannung in der flanke führt also dazu, dass der hund sich auch weniger sicher fühlt.
was dann auch wieder stress macht.

verspannte flanken sind auch dann ein thema, wenn der hund eine fehlhaltung einnimmt und die hinterbeine zu weit hinten rausstellt.
wie das dummerweise bei ausstellungen von hunden oft gefordert wird
oder wie das zuchtziel mancher rassen – stichwort schräg abfallende kruppe beim deutschen schäfer – es vorgibt.
da darf man sich dann nicht wundern, wenn die hunde impulsiv und aufgeregt reagieren.

3. rutenansatz

die kleinen muskeln direkt rund um den ansatz der rute werden dann angespannt,
wenn der hund die rute kneift, den schwanz einzieht und ängstlich reagiert.

ist der rutenansatz chronisch verspannt, geht das umgekehrt mit einem gefühl von ängstlichkeit einher,
der hund wird häufiger meideverhalten zeigen, manchmal auch zu offensiver abwehr greifen,
oder zumindest weniger souverän reagieren als sonst.

meist sind bei einem verspannten rutenansatz auch die oberen paar zentimeter oder gar das obere drittel der rute selber verspannt.
locker entspanntes wedeln ist dem hund dann gar nicht möglich.
die anspannung spürt er also immer dann, wenn es ans wedeln geht, ganz direkt.
sogar seine kommunikation mit anderen hunden kann dadurch beeinträchtigt werden.

unterm strich führt die verspannte rute zu angespannteren begegnungen und verunsicherten reaktionen,
selbst dann, wenn die anspannung aufgrund körperlicher probleme (z.b. rückenprobleme) entstanden ist.

es ist immer wieder verblüffend, wie selbst ganz kleine dinge ein große auswirkung haben können.
spür also mal ganz genau in den körper deines hundes rein,
schau auf die kleinen unausgewogenheiten:
sieht ein auge größer aus als das andere?
setzt er beide hinterbeine gleich weit unter den körper?
wie fühlt sich die schwanzspitze an?

geh dem nach und so manches am verhalten deines hundes wird dir vielleicht klarer.
noch ein buchtipp dazu:  “anti-stress-programm für hunde: entspannter hund durch tt-touch und bodenarbeit” von sarah fisher, mit vielen beispielen aus der praxis und großem augenmerk aufs detail.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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