„warum du deinem tierarzt nicht blind vertrauen solltest“

natürlich ist es wie immer im leben. auch bei tierärztInnen.
es gibt ganz wunderbare, großartige.
und es gibt grauenvolle.
und alles dazwischen.

meine hochachtung allen, die großartiges leisten und sich liebevoll und engagiert um jeden einzelnen ihrer patienten kümmern! das ist nicht selbstverständlich. nicht leicht. und es erfordert unglaublich viel privates engagement.

das ist nämlich die crux:
in ihrer ausbildung lernen tierärztInnen nicht mal einen bruchteil dessen, was sie brauchen!
also, was sie brauchen würden, um großartige heiler für heimtiere zu sein. die engagierten unter ihnen müssen sich das eigenständig aneignen: in weiterbildungen, im austausch mit kollegInnen, im verfolgen der forschungsarbeiten, in zusatzausbildungen….

klar lernen die veterinärstudentInnen sehr viel. und natürlich auch die grundlagen der veterinärmedizin für heimtiere. standard-erkrankungen diagnostizieren, impfen und verbände anlegen lernt jede/r.
es gibt aber auch bereiche, die völlig unterbelichtet sind. und oft deswegen, weil es gar nicht anders geht.

stellt euch nur mal vor:
bis eine neue wissenschaftliche erkenntnis in ein lehrbuch kommt, dauert es im schnitt zwischen 10 – 15 jahren!
das stört nicht weiter, wenn es um die zahl der knochen im hundeskelett geht. oder um den grundlegenden aufbau der zelle. die ändern sich schließlich auch nicht so schnell.

aber was ist mit all den rasanten fortschritten, die die wissenschaftliche forschung in gebieten wie zum beispiel der neurophysiologie macht? oder bei der erforschung des verhaltens von hunden und katzen?
richtig: sie fehlen. sie kommen in der ausbildung der tierärztInnen nur unzureichend vor.

dazu kommt jetzt auch noch, dass die veterinärmedizin eine schlagseite hat.
(im übrigen genau wie die humanmedizin auch).
gearbeitet wird an dem, was geld bringt.
wo es jemanden gibt, der die studien finanziert.
oder ganze universitäts-institute finanziert. privat.
warum wohl? eh klar, weil ein wirtschaftliches interesse dahinter steckt.

möchtest du dich darauf blind verlassen?
auf das, was wirtschaftliche interessen als studienergebnisse finanziert haben?
auf das, was dein tierarzt an der uni aus lehrbüchern gelernt hat?
auf das, was an wissenslücken da ist – ja da sein muss?

eben nicht. hier sind die bereiche, wo du besser vorsichtig bist:

diese drei defizit-bereiche hat fast jeder tierarzt

1.  stoffwechsel und neurophysiologie

die funktionsweise des stoffwechsels, der hormone, der neurotransmitter und der zugehörigen gehirnfunktionen sind alle so derart kompliziert und in so enger wechselwirkung, das wir heute grade mal einen bruchteil davon verstehen – und zwar egal ob humanmedizin oder veterinärmedizin.  die forschung produziert laufend neue erkenntnisse und da auf dem neuesten stand zu bleiben, ist eine echte herausforderung.  erwarte dir da nicht zu viel von deinem tierarzt!

bestes beispiel:  die schilddrüse!
in einer englischen untersuchung hat man festgestellt, dass ein drittel (!) aller verhaltensprobleme mit einer fehlfunktion der schilddrüse zusammenhing. einer bis dahin nicht diagnostizierten fehlfunktion.  für österreich oder deutschland trau ich mir da keine konkrete schätzung vor. aber sagen wir mal so: von all den hunden in meiner verhaltensberatungs-praxis, die ich zur schilddrüsenüberprüfung geschickt hab,  hatten etwas 2/3 eine volle oder eine schleichende unterfunktion der schilddrüse (häufig vom tierarzt als „normal“ abgetan). die schilddrüsentherapie hatte dann auch positive auswirkungen….

wieso ich das errraten konnte und der tierarzt es nicht sah? simpel: weil es in meiner ausbildung vorkam, in ihrer nicht. weil tierärzte auf klinische symptome achten und ich auf die verhaltens-symptome geschult wurde.
(was ich nicht kann. eine therapie vorschlagen. das kann nur der tierarzt gut machen. wenn er es denn kann!)

 

2. ernährung

um die ernährung von hunden tobt ja ein regelrechter religionskrieg! trockenfutter, nassfutter, selbstgekochtes, rohes….was genau, welche marken, usw.  letzten endes wirst du dir da selber deine meinung bilden müssen.

worauf du dich nicht verlassen kannst: ernährungsempfehlungen vom tierarzt. an den meisten unis sind grade die institute für ernährungslehre massiv von der futtermittel-industrie gesponsert, selbes gilt für studien in dem bereich. unabhängige ergebnisse bekommt man so natürlich nicht! schließlich kann die futtermittelindustrie kein interesse daran haben, dass du das futter für deinen hund (oder deine katze) selber zubereitest.

denk auch dran, dass manche tierärzte sich einen nebenverdienst mit dem verkauf von hundefutter/katzenfutter erwirtschaften. die vertreter der verschiedenen futtermarken rennen ihnen ja auch die tür ein und bieten spezialtarife an.  welche fütterungsempfehlung du in der praxis dann bekommst, kannst du dir ja eh vorstellen.

und wieder gilt: auch hier tun die tierärztInnen das, was sie an der uni gelernt haben. sie geben weiter, was ihnen an information zugetragen wurde (zum beispiel durch die letze aussendung der firma xy).

mach dich also selber schlau.

3. verhalten und erziehung

du willst wissen, wie du deinen welpen davon abhalten kannst, in alle hände und fersen zu zwicken? und weil du eh zum impfen beim tierarzt bist, fragst du den gleich. natürlich hat er eine meinung dazu, seine privatmeinung. die kann zutreffend sein oder völliger schmarrn.

letzteres ist leider häufiger der fall. da kursieren noch immer dinge wie der alpha-wurf, das schütteln am nackenfell, das strenge abmahnen, die sorge um die dominanz im „rudel“ und ähnlicher unfug.  zumindest für österreich lässt sich sagen: weil die leute das bis vor kurzem an der uni nicht anders gelernt haben! die lächerlichen 2 semester-stunden für hundeverhalten an der uni wien waren zum beispiel voller dominanz & rangordnung. achja: und psychopharmaka. zum glück hat sich das geändert und für die zukunft lässt das hoffen.

es muss aber auch klar sein, dass die themen erziehung und verhalten natürlich fehl am platz sind beim tierarzt. du gehst ja auch nicht zum hausarzt, wenn du eine psychotherapie brauchst. und du gehst nicht zum bäcker fleisch einkaufen.

sei also fair und verlang von deinem tierarzt nichts, was er gar nicht bieten kann. was nicht sein spezialgebiet ist. (du gehst für zahnmedizin, orthopädie oder augenheilkunde ja auch nicht einfach zum praktischen arzt).

und schätze dich glücklich, wenn du einen engagierten tierarzt hast oder eine tierärztin, die sich laufend weiterbildet und auf ein bestimmtes gebiet spezialisiert! das kann man gar nicht hoch genug schätzen (und ich bin sicher, sie freuen sich drüber, wenn du deine wertschätzung auch mal ausdrückst).

am glücklichsten sind wir natürlich, wenn wir einen tierarzt erst gar nicht brauchen, eh klar…

hast du kommentare, anmerkungen oder eigene erfahrungen zu diesem thema? dann teil sie doch auf meiner facebook-seite!

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brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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