wann hunde “sich’s selber ausmachen” und wann sie deine hilfe brauchen

denn spruch “das machen sie sich selber aus” kennst du ja sicher.
und weißt hoffentlich auch, dass er unfug ist!

zu hören kriegt man ihn meist dann, wenn eine hundebegegnung grad angespannt verläuft oder gar schon heftig wird.
genau in dem moment ist der spruch in aller regel völlig verkehrt.
er markiert dann einfach nur den moment, wo einer der hunde (oder beide!) bereits überfordert ist – und der mensch das entweder nicht mitkriegt, sich nicht kümmern will oder nicht weiß, dass ein kümmern jetzt angesagt wär.

genau genommen wär das kümmern schon viel früher angesagt gewesen!
jedenfalls, wenn man eine umsichtige und verantwortungsbewußte führungsperson für seinen hund sein will.

wie man seinem hund souveräne führung ganz praktisch bietet, dazu gibt es demnächst im kostenlosen webinar “hunde souverän führen – wie geht das wirklich” mehr (du kannst dich hier gleich dazu anmelden:

hier erst mal was zum grundsätzlichen.
und zu 3 klassischen situationen, in denen viele menschen häufig versagen – weil ihnen nicht bewusst ist, dass ihr hund sie brauchen würde.

“selber machen” lassen oder nicht?

rein grundsätzlich gibt es natürlich kein fixes rezept:
“der hund checkt das schon selber” kann nämlich entweder komplett falsch sein oder auch goldrichtig.

hunde checken bei weitem nicht alles selber – oder zumindest nicht gut und schon gar nicht gerne.
sie sind oft genug angewiesen auf rückhalt und unterstützung von ihrem menschen, der dazu auch mal wo aktiv eingreifen muss.

andererseits sollte man sich natürlich auch nicht dauernd einmischen und denn hund gar nichts alleine checken lassen.
unser ziel ist ja nicht ein völlig unselbständiger und unsicherer hund, sondern ein souveräner hund, der gut zurechtkommt im leben.

was das richtige mittelmaß ist, kommt also ganz auf den hund an.
ein wenig auch auf die situationen, die ihm das leben so bereit hält.

das einzige fixe “rezept”, das es dafür gibt, ist eine “so viel wie nötig, so wenig wie möglich”.
dazu muss man natürlich wissen, was denn nun nötig ist und was man dem eigenen hund zumuten kann.
(dazu gibt es dann im oben genannten webinar mehr info).

häufig verschätzt man sich dabei ein wenig.
ich nehme mal an deswegen, weil wir in sachen hund gern eine rosarote brille aufhaben (das ist lustig, der hat spaß, meiner schafft das,…)
und auch, weil das verständnis von führungsverantwortung sich in den letzten jahrzehnten sich doch ziemlich grundsätzlich gewandelt hat.

es gibt ganz typische alltagssituationen, in denen wir unsere hunde oft mal im stich lassen, unabsichtlich natürlich.
weil uns nicht bewusst ist, dass sei eigentlich grad ein wenig hilfe brauchen würden.

1. unfreundliche hunde

unter unfreundlichen hunden stellen wir uns immer die vor, die zähnefletschend auf unseren losstürzen oder die zu raufen anfangen.
dabei fängt die unfreundlichkeit unter hunden oder schlicht die überforderung des einen durch ein für den anderen normales verhalten viel, viel früher an!

vergleiche mit frei lebenden hunden und dass die sich ja auch alles untereinander ausmachen müssen, sind dabei nicht wirklich zulässig.
denn erstens sind die völlig anders sozialisiert, leben zweitens in einer anderen (und in sachen hundekontakten stabileren) konstellation und drittens kracht’s bei denen auch mal und führt dann zu verletzungen.

die sozialkontakt unserer hunde laufen da anders ab – allein schon durch die leine oder durch eingezäunte hundezonen, in denen ausweichen schwierig werden kann.
umso mehr ist der mensch gefordert!

das ziel ist: dein hund soll sich nicht überfordert fühlen.
er soll nicht über den haufen gerannt werden – auch nicht im spiel.
er soll sich nicht völlig auf sich allein gestellt damit auseinandersetzen müssen, dass da ein anderer mit ganz anderer “sprache” und anderem benehmen ihm auf den pelz rückt.
und er soll beim spielen mit anderen nicht zum gehetzten, zum untergebutterten oder zum zwangsbeglückten werden, ohne sich helfen zu können.

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also sozialkontakt unbedingt zulassen (wenn dein hund sie haben mag), sich nicht bei jeder kleinigkeit einmischen,
aber gleichzeitig ein wachsames auge drauf haben, was für deinen hund wirklich ok ist und wo er dir für ein bisschen hilfe ziemlich dankbar wäre.

2. bedrängende menschen

viel häufiger noch als bei hundebegegnungen übersehen wir bei begegnungen mit menschen, dass der hund es eben nicht mehr “selber machen” kann.

man könnte auch sagen: zum glück macht er’s nicht selber.
würden hunde jeden, der sie bedrängt oder der übergriffig wird, gleich schnappen, seh die welt wohl anders aus!
also erdulden sie viel, was wirklich nicht mehr ok ist.

wenn man sich so ansieht, was oft sogar wildfremde menschen mit einem hund anstellen und sich mal kurz vorstellt, sie würden das mit dir selber tun,  wäre die empörung groß. so was übergriffiges geht schließlich gar nicht!

wie kommt der hund dazu, dass ihn jeder passant anspricht, mit schnalzgeräuschen lockt, ihm auf den kopf tätschelt oder so?

manche hunde stecken das vergleichsweise gut weg (was sie sich drüber denken, will ich lieber nicht wissen), angenehm ist es trotzdem nicht.
andere leiden darunter ziemlich und jenen, die sowieso menschen gegenüber zurückhaltend oder misstrauisch sind, bestätigt man jedesmal aufs neue, dass menschen nichts gutes bedeuten.

klar darf dein hund menschen freundlich begrüßen und die dürfen ihn – wenn es für dich und deinen hund passt – auch streicheln.
aber dein hund muss keinen übergriff und kein lästiges streicheln erdulden, nur weil du nichts sagen willst oder vielleicht insgeheim ein bisschen stolz bist drauf, dass die leute deinen hund so mögen.

3. gruselige situationen

was eine gruselige situaton für einen hund ist?
kommt ganz drauf an.
in den seltensten fällen aber das, was du unter gruselig verstehen würdest.

am ehesten erkennst du sie daran, dass du versucht bist, deinem hund so was wie “na komm, ist doch nicht so schlimm” zu sagen oder dass du ihn mit einem leckerchen in der hand irgendwo hin locken möchtest, wo er von sich aus nicht (gleich) hin will.

vielleicht in den bach und er mag wasser noch nicht so.
oder über ein wackeliges brett am boden (im geschicklichkeitstraining), das ihm suspekt ist.
oder vorbei an einem lauten, übelriechenden gerät (füg hier irgendeine größere maschine oder ein fahrzeug ein),
was auch immer es ist: es ist völlig ok, wenn es deinem hund nicht geheuer ist.

das heißt nicht, dass du sie situation völlig vermeiden musst, im gegenteil.
wär doch toll, wenn dein hund feststellt, dass das vermeintlich gruselige eh nichts tut und er sich ruhig trauen kann.
schließlich macht ihn das stück für stück sicherer.

vorausgesetzt er weiß, dass du ihm dabei zur seite stehst und ihn verstehst.
statt ihn halt mit etwas sanftem druck einfach zu konfrontieren oder gar zu zwingen
(und du weißt ja: was druck und zwang ist, entscheidest nicht du mit deinen guten absichten, sondern dein hund mit dem, wie er es erlebt!)

gruselige situationen sind klassisch ein moment, wo hunde es eben nicht “selber machen” – dann würden sie nämlich einfach ausweichen und das monster meiden – sondern hilfe brauchen.
denn in einer menschenwelt ist auch der mensch verantwortlich dafür, ihnen halt und orientierung zu geben.

worauf du dabei noch achten musst, dazu gibt es dann demnächst mehr im kostenlosen webinar “hunde souverän führen – wie geht das wirklich?”

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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