„wann du bellen unbedingt ignorieren solltest und wann auf gar keinen fall“

bellen hat natürlich 1000 gründe. ok, fast so viele.
hier geht es jetzt erst mal um das lästige, unerwünschte bellen.
jenes, wenn dein hund vor dir steht und dich ewig ankläfft. oder neben dir steht und bellt, bellt, bellt.
oder zum zaun schießt und radau macht.

das bellen also, wo du 1000mal sagen kannst: schluss jetzt!
und es hört nicht auf.

womit wir schon beim kern des problems wären!

es geht um jenes bellen, das du belohnst.
ja: belohnst!

da jede form von aufmerksamkeit eine belohnung darstellt, ist natürlich auch dein „schluss jetzt“ (oder was immer du sagst) eine belohnung! und du weißt ja: jedes verhalten, das belohnt wird, wird häufiger. der hund bellt immer öfter oder immer mehr. klassischer fall von schief gegangen!

in aller regel hat der hund anfangs irgendeinen auslöser, der ihn zum bellen motiviert.  das kann aufregung sein, frust, reaktion auf irgendwas von draußen, was immer.
dann merkt er: ah! mein mensch reagiert darauf sofort! cool!
dann probiert er’s vielleicht mal ohne einen wirklichen auslöser zu haben….
und stellt fest: ah! mein mensch reagiert darauf sofort! sehr cool!

und mit ein paar wiederholungen hat der hund gelernt, wie er sich jederzeit die aufmerksamkeit seines menschen sichern kann.  oder dass er beim anblick eines anderen hundes nur bellen braucht, damit er am meisten davon hat (aufmerksamkeit, ansprache, leckerli vor der nase als ablenkung,….).

und schon hast du einen hund mit aufmerksamkeitsheischendem bellen!

eine sonderform der bestärkung ist das „mitbellen“ des menschen. natürlich unbeabsichtigt.
stell dir mal folgende szene vor: du sitzt gemütlich im wohnzimmer, feierabend, alles still, dein hund liegt neben dir und döst.
plötzlich ist wer an der tür zu hören. dein hund springt auf, rennt zur tür und fängt zu bellen an. du rufst ihm ein „still! aus“ hinterher, während du dich hochrappelst und auch beeilst, zur tür zu kommen. dein hund bellt inzwischen lauter, weil auch noch die türglocke gebimmelt hat. du beeilst dich also und rufst ihm ein lauteres „still! aus!“ zu, damit er endlich die klappe hält. dein hund wird noch lauter und weil du ihn übertönen musst und die tür in ruhe aufmachen willst, brüllst du jetzt ein lautes „schluss jetzt!“

so weit nichts ungewöhnliches, oder?

wie sieht das ganze aus der perspektive es hundes aus?
es gibt eine störung von draußen, also bellt er. frauchen/herrchen loben ihn und fordern ihn zum weiterbellen auf.  das an der tür muss wirklich aufregend sein, weil sich auch der mensch jetzt in bewegung setzt und sich beeilt und aufregt. wow, dann noch mehr bellen, es ist gefährlich! herrchen/frauchen feuert den hund darauf extra an und „bellt“ lautstark mit. und diese ganze aufregung plötzlich, uiiih! mächtig gefährlich offenbar, also los: nochmal lauter bellen und gemeinsam mit dem gebell von frauchen/herrchen den eindringling in die flucht schlagen.

blöd gelaufen, hmm?

  • wenn du das muster erkennst und jetzt raus willst aus dem muster stehst du aber vor einem dilemma:aufmerksamkeitsheischendes verhalten kriegt man nur weg durch konsequentes ignorieren. es darf einfach der hund keinen erfolg mehr damit haben.  (im sinne, von ich werde irgendwie beachtet). also bellen lassen und nicht mehr drauf reagieren
  • andererseits weißt du aber auch, dass bellen selbstbelohnendes verhalten ist und du den hund daher nicht bellen lassen sollst.

also was tun?

hier sind die wichtigsten 3 regeln:

1. vermeiden hat vorrang!

grundsätzlich gilt bei jeder form von unerwünschtem bellen: am besten kommt es gar nicht so weit! egal aus welchem grund dein hund bellt, wenn er erst gar nicht damit anfängt, ist es die beste lösung.

damit das klappen kann, musst du ihn natürlich für das belohnen, was du möchtest!
also fürs ruhig bleiben.

es geht wer am zaun vorbei und dein hund hebt nur den kopf? sofort belohnen, solange er noch ruhig ist! und oft genug belohnen! und immer wieder. bis klar ist, was du denn in der situation gerne von ihm hättest!

ihr seht einen anderen hund beim spazierengehen?
bevor den hund auch nur das maul zum bellen öffnen könnte, ist da schon das keksi davor.
weil dein hund still geblieben ist.
natürlich soll er das immer länger tun, bevor das keksi kommt.
und schließlich beim auftauchen eines anderen hundes schon erwartungsvoll zu dir schauen – und still bleiben statt laut zu werden.

also schnell sein, situationen vermeiden, wo du nicht schnell genug wärst, und den hund für stille belohnen.
oder irgendein anderes alternativverhalten, das für die situation passt, aufbauen.

2. bellen ignorieren – wenn es möglich/sinnvoll ist

wenn dein hund dich anbellt, weil grade pause ist beim üben und er weitermachen will, dann ist das klassich ein fall fürs ignorieren.

wenn er dich abends im wohnzimmer beim fernsehen anbellt, weil ihm langweilig ist und er schon überdreht ist, wär das auch ein fall fürs ignorieren.
allerdings schon schwieriger!

warum?
weil da der mensch so gerne seine ruhe hätte und der hund meist schon ein bissl überdreht ist. dann bellt der hund länger und die nerven des menschen sind kürzer. ergo entfährt einem dann schon mal zwischendurch ein „ach, sei doch mal still“ (oder was immer).

juchhu! sagt da der hund. ich muss nur lang genug und lästig genug bellen, dann krieg ich doch meine belohnung.  und beim nächsten mal versucht er’s noch länger und anhaltender, bis er es wieder geschafft hat.

das dann noch zu ignorieren, ist echt nimmer leicht!
ausserdem besteht die gefahr, dass dein hund sich dabei so ins bellen reinsteigert, dass er „kippt“ und dann nur noch um des bellens willen bellt und gar nicht mehr so sehr wegen deiner aufmerksamkeit.

wenn du nicht sicher bist,  dass
a) du das ignorieren auch wirklich durchhältst und
b) dein hund nicht womöglich kipptdann ist es allemal noch besser, das bellen gleich am anfang abzustoppen, auch wenn du deinen hund damit belohnt hast fürs bellen.

wichtig ist dann aber, dass du es nicht ein weiteres mal so weit kommen lässt.
daher regel nr. 3:

 

3. bekämpfe die ursachen

wie immer im leben macht es 100ml mehr sinn, die ursachen anzugehen, statt an den symptomen herumzudoktern.

also finde erst mal raus, ob du es wirklich mit aufmerksamkeitsheischendem bellen zu tun hast oder mit was anderem!
(kleiner tipp: das bell-muster kläff-kläff-kläff – pause – blick zum menschen (=wo bleibt denn die reaktion) – kläff-kläff-kläff verrät den hund meist sehr deutlich!)

dann schau dir an, ob dein hund unter zu viel stress steht und deswegen so leicht ins aufgeregte bellen verfällt. und tu was gegen den stress.

wenn es aufmerksamkeitsheischendes bellen ist, dann finde als nächstes heraus

a) ob du deinen hund grundsätzlich zum quengeln erzogen hast und immer nur auf seine aufforderungen hin was passiert, er aber mit höflichem ruhigem verhalten generell leer ausgeht. falss ja, dreh das um!

b) ob dein hund gelangweilt ist und mehr geistige auslastung braucht. und zwar eine andere, als seinerseits dich zu programmieren und mittels bellen (und sonstigem) zur beschäftigung mit ihm zu erziehen.  falls ja, sorg für mehr mentale auslastung.

 

(ideen für mehr mentale auslastung und warum sie so wichtig ist, findest du übrigens

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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