vorausschauende hundeerziehung und die vorteile, die sie dir bringt

vorausschauende hundeerziehung bedeutet, dass man nicht erst dann etwas tut, wenn der hund was falsch macht.
wie es der natürlichen neigung der meisten menschen entspräche.

den begriff “vorausschauend” kennst du vielleicht noch von deiner führerschein-prüfung,
beim autofahren ist ja gefordert, nicht nur die 10 meter direkt vorm kühlergrill im auge zu haben,
sondern möglichst weit vorauszuschauen, um zu sehen, was auf einen zukommt.

das selbe gilt fürs hundetraining:
auch da sollen wir “vorausschauend” agieren
und dem hund schon vorher das richtige verhalten beibringen für jene situationen,
die ihm der alltag und das leben unweigerlich bereithalten.
statt sich dann zu ärgern, dass er was blödes macht.

ein paar beispiele dazu:

  • jeder hund muss zumindest gelegentlich mal an der leine laufen und sollte das ohne zerren tun. warum also mit dem leinentraining warten, bis er einen schon halb die schulter ausgekegelt hat und nicht vom ersten tag an auf eine lockere leine achten?
  • jeder hund muss früher oder später mal in einem auto mitfahren oder sollte das für den notfall kennen.  also besser gleich und in aller ruhe üben, damit es im bedarfsfall kein drama ist.
  • jedem hund muss man so ziemlich jeden tag sein brustgeschirr anlegen (oder ein halsband, falls das tatsächlich noch jemand verwendet). wenn man das gleich von anfang an richtig aufbaut oder mit dem hund in ruhe übt, falls er ein thema damit hat, erspart man sich den ganzen zores beim rausgehen, wenn der hund überdreht rumhüpft oder gar davor flüchtet.

das ist sowieso alles selbstverständlich?
mitnichten.

ich kann gar nicht mitzählen, wie oft ich es mit hunden zu tun habe, die man ins auto heben muss, weil sie sich weigern einzusteigen, oder die schon 100 meter davor keinen schritt mehr weitergehen, weil sie wissen, das auto wartet auf sie.
da gibt es hunde, die nicht spazierengehen wollen – außer sie dürfen ohne brustgeschirr und leine aus der tür laufen (dann sind sie blitzschnell draußen),
hunde, die jeden anknurren, der auch sich ihrem futternapf auch nur auf 3 meter nähert,
hunde, die ausflippen, wenn sie an der leine einem anderen hund begegnen,
hunde, die  laut bellend am zaun entlangrennen, so wie sich da was bewegt,
ganz zu schweigen von den hunden, die eifrig an der leine ziehen.
du hast vielleicht auch das eine oder andere, womit man die liste weiterführen könnte.

es sind alles alltagssituationen.
alles probleme, die viel leichter zu lösen gewesen wäre, wenn man sie im ansatz erwischt
oder gleich vermeidet.

natürlich hilft es, wenn man ein bisschen weiß, nach welchen regeln hunde ticken
(wie ihre logik genau funktioniert, erfährst du im webinar “hundelogik verstehen und nutzen”),
aber im prinzip braucht man keine glaskugel, um vorhersehen zu können, wie das laufen wird.

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wer nicht vorausschaut, hat das nachsehen

mit vorausschauender hundeerziehung vermeidet man, dass so etwas überhaupt ein problem wird.
oder dass man ein unerwünschtes verhalten überhaupt erst wieder wegkriegen muss.

selbst wenn man einen hund mit bestehenden themen übernimmt, gilt das prinzip “vorausschauen”.
lässt man die sache nämlich einfach laufen, verfestigen sich die probleme
und haben die tendenz, immer größer zu werden.

das dumme ist nur:
wir sind so gepolt, das wir erst mal nichts machen.

weil es uns noch nicht genug stört,
weil wir hoffen, es gibt sich von selber
und manchmal, weil uns schlicht der plan fehlt.

bis uns die hutschnur platzt und die sache doch mal zu blöd wird.
“so geht das nicht weiter” heißt es dann (was an sich stimmt)
und dann soll schnell eine lösung her.

nicht selten kommen dann strafmethoden zum einsatz,
weil es ja eben “so nicht geht”
und weil – seien wir mal ehrlich – der ärger bis dahin schon gewaltig gewachsen ist.

der ärger aber ist ein schlechter ratgeber in der hundeerziehung
und führt in aller regel dazu, dass die probleme größer werden oder noch neue zusätzlich entstehen.
was man sich alles ersparen könnte…

rechtzeitig erziehung

in der vorausschauenden hundeerziehung sind eigentlich nur zwei dinge gefragt:

erstens:  überlegen, welche dinge der hund können soll und sie ihm gleich beibringen.
zweitens: ehrlich anschauen, was nicht klappt und es gleich angehen.

das ist auch schon alles. wenn man sich daran hält, hat man gleich drei riesenvorteile!

vorteil nummer 1:  weniger ärger

was man sich nicht alles an ärger ersparen könnte!
denn natürlich nervt es, wenn der hund schon wieder an der leine zerrt oder schon wieder bellt oder sich weigert, ins haus zu kommen, ins auto einzusteigen oder sich die pfoten sauber machen zu lassen (oder was immer).

was dir sicher auch schon aufgefallen ist: wenn du dich ärgerst, wird es mit deinem hund noch schwieriger.
denn dein ärgert macht natürlich auch ihm stress und ein hund im stress reagiert noch weniger so, wie wir es grad brauchen würden.

vorteil nummer 2: positiver fokus

der wohl größte vorteil von vorausschauender hundeerziehung ist der, dass sich der fokus vom problem zur lösung verschiebt.

es ist als würde man eine andere brille aufsetzen.
man sieht nicht nur dauernd die fehler und was einen stört.
schließlich hat man ja ein (positives) ziel im auge
übt daraufhin zu und jeden tag wird es besser.

die erfolgserlebnisse tun nicht nur dem hund gut!
und schneller als manchmal gedacht, ist man ein problem los
und stolz auf den hund und ein bisschen auch auf sich selber.

vorteil nummer 3: bessere beziehung

weniger stress, weniger ärger, weniger unzufriedenheit,
dafür aber erfolgserlebnisse und das registrieren von dem, was der hund alles richtig macht,
das alles bleibt nicht ohne folgen.

positive folgen nämlich.
denn der beziehung zum hund tut das unendlich gut.
und erst recht der beziehung des hundes zum menschen.

denn für den hund ist es unendlich leichter, sich an einem menschen zu orientieren,
der einem rechtzeitig und freundlich zeigt, wie es richtig geht,
statt verärgert zu sein, wenn man was falsch macht (und einen erst in diesen fehler reinrennen zu lassen).

also: frag dich doch gleich jetzt
– was läuft noch nicht so, wie du’s möchtest?
– was wird dein hund brauchen, was er noch nicht kann?
und geh es an! gleich heute

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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