verpönte leckerchen in der pferdeausbildung?

leckerchen als belohnung fürs pferd? das geht gar nicht.

hast du sicher auch schon oft gehört!

angeblich wirkt futterbelohnung bei pferden nicht, weil sie ja- anders als der hund – dauerfresser sind und ohnehin immer etwas zu knabbern haben (wenn’s nur wahr wäre!)

angeblich werden pferde dadurch völlig distanzlos und “dominant”.

angeblich ist das ja überhaupt nicht praktikabel, weil man nicht mitten in der arbeit dauernd irgendwelche keksi verabreichen kann.

angeblich, angeblich, angeblich….

hier mal die wahrheit über belohnung beim pferd

natürlich funktioniert sie!

warum sollten gerade auf das pferd die lernregeln nicht zutreffen!
wenn der dauerfresser pferd kein interesse an den leckerli hätte, würden wir es merken.
und es bestünde gar keine gefahr, dass sie uns wegen der leckerli bedrängeln und lästig werden. richtig? eben.

richtig ist auch, dass in der pferde-ausbildungsweg der dominanz-gedanke noch weiter verbreiteter ist als in der hundeszene. zwar genauso falsch, aber die angst, dass pferd könne einem überlegen sein, ist bei einem größeren tier offenbar proportional größer.
daher wird immer noch gern mit druck und unterordnung und weichen lassen zum zweck der rangordnungsklärung gearbeitet. nicht besonders zielführend in den meisten fällen, definitiv keine positiven ausbildungsmethoden.

andere finden es einfach unpraktisch, dem pferd ein leckerchen zu geben, vor allem aus dem sattel. und klopfen es lieber kräftig. was würdest du eher als belohnung empfinden: eine tafel schokolade (oder als menschenäquivalent: ein 10 euro schein) oder richtig fest auf den rücken geklopft zu werden? siehste…

nun gibt es tatsächlich pferde, die drängelig werden und anfangen, jackentaschen und hände zu beknabbern, um rasch an einen leckeren happen zu bekommen. das ist ein problem und unerwünscht. aber nicht schuld der belohnung an sich. sondern ein fehler im umgang mit der belohnung!

wie bei jedem lernen mit belohnung müssen natürlich auch beim pferd ein paar regeln eingehalten werden:

• die leckerchen gibt es als belohnung für etwas konkretes. nicht einfach so ohne jeden grund immer mal wieder zwischendurch.

• die leckerchen gibt es ganz sicher nicht als belohnung für knabbern an der jacke, schnappen nach den fingern oder bedrängen des menschen. das ist zwar eine klare aufforderung “her mit der kohle, mach schneller” , aber ganz bestimmt kein verhalten, das du dadurch belohnen willst, dass du tatsächlich das leckerchen (schneller) rausrückst!

• leckerchen gibt es am anfang, wenn das pferd etwas neues lernen soll. am besten in kombination mit einem stimmlichen lob (einem gut oder fein oder was immer du verwenden möchtest).  und dann werden schrittweise die leckerchen abgebaut und es bleibt das stimmliche lob.  bei manchen pferden musst du sogar das langsam abbauen und behutsam verwenden, damit sie nicht sofort aufhören mit der übung, weil sie denken “fertig”.

• dein pferd muss von anfang an lernen, futterbelohnung höflich zu nehmen. also geduldig drauf warten, statt zu drängeln. es ruhig nehmen statt gierig danach zu schnappen. das bringst du ihm so bei: du hast ein leckerchen in deiner faust und hältst ihm die faust unter die nase (ruhig! nicht wegziehen). die faust geht nur dann auf und gibt das leckerchen frei, wenn die pferdenase wenigstens ein paar zentimeter von der faust entfernt ist. wenn das pferd drängelt oder lästig wird: einfach umdrehen, ignorieren und im schlimmsten fall abbrechen und weggehen. nach ein-zwei minuten gehts dann meistens  besser.

• bei pferden, die sich besonders aufregen wegen futter und hektisch werden, das futter extrem sparsam zum belohnen verwenden. und am besten nicht an dir haben, sondern in unmittelbarer reichweite irgendwo daneben (geht natürlich nur bei der bodenarbeit) oder nur 1-2 leckerli einstecken, aber so, dass dein pferd nicht weiss wo.  (und dann so rausholen, dass dein pferd nicht beobachtet, woher das nun kommt).

pferde lassen sich übrigens wunderbar mit dem clicker-training ausbilden! da ist dann sowieso klar, dass man sich erst mal ein “klick” erarbeiten muss und danach erst ein leckerli kommt. aber das mit dem clicker ist dann eine andere geschichte….

für diesmal nur: denk dran,

auch pferde wollen belohnt werden!
auch pferde brauchen ein konkretes feedback, was nun richtig ist.
auch pferde können (und wollen!) positiv motiviert lernen.

also auf! ausprobieren oder beobachten, wie das bei euch so klappt!

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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