sitz, platz, fuß – vergiss es! was hundeschulen falsch machen

wer mit dem neuen hund in die hundeschule geht, möchte in erster linie eine solide grunderziehung.
doch genau die bekommt man dort nur selten.

bevor ich näher darauf eingehe:
es gibt inzwischen viele wirklich gute, engagierte hundeschulen, die nicht nur mit positiven methoden arbeiten, sondern auch ein vielfältiges programm anbieten.
sie meine ich ausdrücklich nicht!

und gleich noch ein eingeständnis:
auch ich hab die selben fehler gemacht, die ich hier beschreibe.
einfach, weil man das “halt so macht”,
weil ich unreflektiert übernommen habe, was überall sonst auch so unterrichtet wurde.

damit meine ich nicht die trainingsmethoden.
die sind nochmal ein ganz anderes kapitel.
heute geht es mir um die inhalte.
und dass die nicht das sind, was man für den alltag mit dem hund wirklich braucht.

keine sorge: was ein hund (und sein mensch!) für eine solide basis wirklich lernen sollte,
das beschreib ich auch noch genauer, nämlich nächste woche im blog.
(am besten gleich abonnieren, wenn du ihn noch nicht automatisch bekommst,
damit du diesen ziemlich wichtigen artikel nicht verpasst)

warum nun gehen die hundeschulen an den bedürfnissen der hunde/halterInnen so vorbei?

standardprogramm

es gibt einen ungeschriebenen kanon, was in hundeschulen bei junghunden unterrichtet wird:
sitz, platz, bleib, fußgehen, rückruf.
etwas später dann freifolge, holzhanteln apportieren, absetzen oder ablegen aus der bewegung und ähnliches.

die fortschrittlicheren haben das programm bereits erweitert und machen ausflüge in die stadt mit den welpen
oder üben mit den junghunden das eine oder andere hindernis.
im prinzip ist das standardprogramm aber heute noch dasselbe wie vor 50 jahren.

online hundeschule

sieht man sich an, was die häufigsten anliegen von hundehalterInnen sind, dann sind das ganz andere themen.
dem hund sitz oder platz beizubringen, schaffen fast alle ganz alleine.
aber wie verhindert man, dass der welpe in die hände beißt oder an besuchern hochspringt?
was tut man, wenn der hund nicht mehr auf einen hört, wenn ein anderer hund auftaucht?
wie erreicht man, dass der hund weniger hektisch ist und sich mehr an seinem menschen orientiert?

ganz ehrlich: das standardprogramm hilft da nicht viel weiter.
zumindest ist das meine erfahrung im lauf der jahre, weswegen ich mein kursprogramm von grund auf umgekrempelt habe
(was nun auf dem lehrplan steht, das gibt es im nächsten blogartikel nachzulesen).

fazit: das standardprogramm muss dringend entrümpelt werden,
es muss mensch und hund darauf vorbereiten, ein gutes team zu werden
und den gemeinsamen alltag harmonisch zu bewältigen.

dass das in den verbandshundeschulen nur mangelhaft passiert, hat natürlich einen grund.

hundesport oder alltagsleben?

die hundeschulen der großen verbände haben in der regel einen hundesportlichen zugang.
sie richten wettbewerbe und turniere aus und halten prüfungen ab.
natürlich nicht gleich für die welpen oder die junghunde.
aber die prüfungsordnung bestimmt die lerninhalte von anfang an.

man lernt jene übungen, die später in der prüfung vorkommen werden.
sie werden vom beginn weg “richtig” aufgebaut:
beim rückruf soll der hund korrekt vorsitzen und dabei so nahe rankommen wie nur geht,
dann soll er in “grundstellung” gehen – also rechts um den menschen rum, hinter ihm vorbei
und dann schön in fußstellung links vom menschen einsortieren.

das macht sinn – wenn man ein turnier bestreiten will
(wozu das turnierreglement das genau so vorschreibt, ist nochmal eine andere diskussion).
für den alltag ist das völlig unnötig, ja kontraproduktiv.
es führt nämlich unter anderem dazu, dem jungen hund die freude am rankommen zu nehmen,
wenn der mensch dann immer gleich auf der langweiligen zusatzaufgabe (vorsitzen und grundstellung) besteht.

trotzdem wird das für alle gleichermaßen so unterrichtet,
egal ob sie jemals mehr als einen kurs in grunderziehung machen wollen.
oft völlig unreflektiert: man macht das eben so.

neue erkenntnisse über hunde

die letzten 20 jahre haben unzählige neue erkenntnisse über hunde gebracht:
über ihr sozialverhalten, über ihre lernstrategien, über ihre denkfähigkeiten.
das sollte sich doch auch im unterricht in der hundeschule niederschlagen, oder?

fairerweise muss man sagen, dass inzwischen zum glück viele hundeschulen zumindest die lerntheorie anwenden
und hunde im wesentlichen über belohnung, also positive bestärkung, erziehen.
(über die hoffnungslosen relikte, die immer noch glauben, dass es ohne strafe nicht geht, wollen wir hier mal nicht reden).
da geht aber mehr.

schon beim üben mit dem hund selber:
statt zahlloser wiederholungen besser die lernkurve korrekt einsetzen,
statt andere hunde nur als ablenkung sehen besser das soziale lernen fürs hundetraining nutzen.

vor allem aber: statt nur den hund zu “erziehen” mit hund und mensch arbeiten und schauen,
dass die beiden ein echtes team werden, das auch schwierigkeiten problemlos bewältigt.
(und man komme mir hier jetzt nicht mit den manchmal praktizierten “bindungsübungen”, die mit bindung herzlich wenig zu tun haben!).
das setzt nämlich voraus, dass nicht nur die trainingsmethoden,
sondern auch die inhalte  einerseits
und der aufbau einer lernaufgabe andererseits anders angegangen werden.

was brauchst du?

die wichtigste frage für dein zusammenleben mit dem hund ist ja:
was brauchen wir für den alltag?
was muss der hund kennen und können?
was muss der mensch verstehen und erkennen?

wenn man das mal weiß, kann man viel genauer ausschau halten, wo und wie mensch und hund dieses wissen bzw. die nötigen fertigkeiten erwerben und welche hundeschule das vielleicht sogar anbietet.

 

 

 

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über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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