protein beim hund: warum zuviel des guten schlecht ist

wir alle wollen unsere hunde optimal ernähren und nur beste qualität füttern.

dabei spielt ein faktor eine wichtige rolle, der selten beachtet wird:

die versorgung mit protein, also mit eiweiß, ist wichtig für den körper.
weniger für die energiegewinnung (da spielen kohehydrate und fette eine größere rolle),
sondern mehr für die versorgung für den aufbau bzw. umbau der verschiedenen körpergewebearten (wie muskeln, haut oder organe).

der hund muss dazu proteine über die nahrung beziehen, aus denen er die bestandteile (im wesentlichen aminosäuren) für den aufbau von körpereigenem protein gewinnt. diese aminosäuren müssen von außen über die nahrung zugeführt werden, damit der körper dann sein eigenes protein bauen kann.

sollen wir dem hund also möglichst viel protein füttern? oder besonders hochwertiges?

nein!

viel größer als die gefahr eines mangeln an protein im hundefutter ist nämlich heutzutage die überversorgung mit protein.

freilebende hunde oder der hundevorfahr wolf ernährt sich ja auch nicht von reinem muskelfleisch oder ausschließlich fleisch.
da werden immer innerein, haut und haare, knochen und der mageninhalt mitgefressen und zwischendurch auch noch so alles mögliche andere gefuttert. grade der hund ist ja mehr ein allesfresser und beutestöberer als das vorgängermodell wolf.

der organismus des hundes ist daher nicht eingestellt auf ein übermaß an protein, wie es zum beispiel die fütterung mit ausschließlich muskelfleisch vom rind bedeuten würde.

der hund braucht eine ausgewogene versorgung mit proteinen, kohlehydraten, fetten und ballaststoffen, neben den verschiedenen mineralien und vitaminen.

egal, ob du trockenfutter oder dosenfutter, selbstgekochtes oder rohes verwendest:
überprüf unbedingt, wieviel protein die fütterung jeweils enthält!

als faustregel gilt beim erwachsenen hund: der gehalt an rohprotein sollte nicht über 23% liegen.
bei hunden im wachstum darf es ein klein wenig mehr sein, aber auch nicht viel.

wenn du industriell hergestelltes futter verwendest, dann findest du den rohproteingehalt auf der packung vermerkt.
wenn du selbst zusammengestelltes futter gibst, musst du das entweder von einem fachmenschen überprüfen lassen oder selbst nachrechnen.

achtung: nicht vergessen, dass auch sämtliche leckerchen und kauartikel, die man so zwischendurch gibt, mit gezählt werden müssen!
und auch nicht-fleischliche zutaten wie zum beispiel haferflocken können einiges an eiweiß beinhalten.
am besten also alle nahrungszutaten überprüfen und erst dann zusammenrechnen.

warum der protein-gehalt so wichtig ist?

folgen einer überversorgung mit protein

ein länger anhaltender überschuß an protein belastet den stoffwechsel des hundes und im besonderen die niere,
auf dauer ist das also gesundheitsschädlich.

was man auf körperlicher ebene noch beobachten kann, sind juckreiz und hautprobleme, die häufig mit einem zuviel an protein in zusammenhang gebracht werden (die aber auch andere ursachen haben können).

dazu kommen aber vor allem noch die auswirkungen aufs verhalten des hundes:

eine englische studie hat schon vor längerem nachgewiesen, dass zuviel protein zu hektischem, reaktivem und sogar aggressivem verhalten beitragen kann!

wenn du also einen hund hast, der (trotz stressabbau) häufig hibbelig ist und schnell heftig reagiert,
oder wenn du einen hund hast, der (trotz positiv aufgebauten verhaltenstrainings) zu aggressivem verhalten neigt,
dann lohnt es sich in jedem fall,

  • den proteingehalt seines ernährung zu überprüfen
  • den proteingehalt seiner ernährung zu reduzieren, indem man ein anderes fertigfutter wählt
  • den kohlehydratanteil und gemüseanteil versuchsweise zu erhöhen, wenn man selbstbereitetes futter gibt (sowie den proteinanteil der fleischration zu reduzieren, indem man mehr knorpeliges/knochiges mitfüttert).

am besten wäre es natürlich, wenn du eine/n  fachkundige/n ernährungsberater/in dazu konsultieren kannst.
wenn du aber für 2 oder 3 wochen mal die ernährung deines hundes selber umstellst und schaust, wie sich das auf sein verhalten auswirkt, ist das auch schon ein aufschlussreicher erster schritt.

mehr informationen über den zusammenhang zwischen ernährung und dem verhalten deines hundes gibt es übrigens im webinar “futter und verhalten”.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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