ist impulskontrolle trainingssache oder verbrauchsware?

wenn man über impulskontrolle nachliest, findet man zwei theorien:
erstens dass impulskontrolle trainingssache ist.
und zweitens, dass impulskontrolle sich im lauf des tages aufbraucht.
was stimmt nun?

nun. schauen wir uns das mal genauer an.
(wesentlich mehr infos gibt es übrigens demnächst im webinar “bessere impulskontrolle für den hund”)

impulskontrolle bedeutet die fähigkeit, einen impuls für ein bestimmtes verhalten nicht oder zumindest nicht unmittelbar auszulösen.
wer schon mal diet gehalten hat, kennt das.
nicht zum junk food greifen oder den kühlschrank plündern, obwohl man den impuls dazu hat.

die grundlagen

das setzt voraus, dass man genügend kontrolle über sein eigenes verhalten hat,
um sich nicht gänzlich von seinen impulsen steuern zu lassen.
diese kontrolle ist etwas, wozu in der ersten lebensphase der grundstein gelegt wird,
auf dem man später aufbauen kann.

je besser die erfahrungen im umgang mit grenzen und mit dem aushalten von frustration sind,
desto leichter fällt einem später die impulskontrolle.

dieser teil von impulskontrolle ist also etwas,
was durch die richtigen erfahrungen aufgebaut werden kann.

ein hund, der nie klare (und in aller freundlichkeit und fairness gesetzte) grenzen kennengelernt hat,
hat viel stärker die erwartungshaltung, immer alles tun und bekommen zu können, wie er will,
als einer, der auch gelernt hat, dass man warten kann,
dass man nicht immer alles bekommt und die welt deswegen nicht untergeht.

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damit ist keinesfalls gemeint, dass man ein strenges regiment führen muss, ganz im gegenteil.
es muss dem hund nur klar sein, welche regeln gelten
und dass es sich lohnt, die einzuhalten.

dieser teil der impulskontrolle ist also eine frage der erfahrungen
und unterliegt somit dem lernen und dem training.
das trifft auch auf den nächsten punkt zu:

die routine

impulse werden meist durch trigger ausgelöst:
einen reiz in der umgebung (wie der anblick von schokoladenkuchen, der die diet viel schwerer macht)
oder einen inneren (meist emotionalen) zustand, der sein ventil in einem verhalten sucht.
(bei stress, frust oder trauer greift man zum beispiel eher zu essen ohne hunger.)

beim hund sind die trigger alltagshandlungen –
wie der griff zur leine wenn man aufbricht zum spazierengehen,
das läuten der türklingel, das besucher ankündigt
oder die begegnung mit einem anderen hund unterwegs, die mit aufregung verbunden ist.

je stärker der trigger ist, desto stärker fällt der impuls für eine unkontrollierte reaktion aus.
die stärke des triggers hängt ab von drei faktoren:
– der aufregung, die damit verbunden ist
– der erwartungshaltung, die der hund damit hat
– den emotionen,, die dabei ablaufen

für einen hund, der angst vor großen hunden hat, weil er mal gebissen wurde,
und der seither jedesmal ausrastet, wenn er an der leine einem begegnet,
ist der trigger sehr aufregend, mit mehrfachen negativen erwartungen verknüpft und von großer angst geprägt,
also ein sehr starker trigger.
kein wunder, wenn er da keine impulskontrolle aufbringt.

die grundlage jeden begegnungs-trainings
(und jeden anderen trainings auf bestimmte auslöser, also der systematischen desensibilisierung)
ist es, die stärke des triggers runterzuschrauben
und dem hund außerdem zu zeigen,
dass kein grund für negativ erwartungen oder emotionen besteht.

je häufiger man nämlich einem trigger begegnet,
ohne dass der die erwartungen erfüllt
und je stabiler dabei die eigenen emotionen sind
(weil man weit genug weg ist, weil für sicherheit gesorgt ist,…),
desto unbedeutender wird der trigger und desto schwächer der impuls für ein bestimmtes verhalten.
ein schwacher impuls lässt sich vom hund dann wesentlich leichter kontrollieren.

ganz nebenbei entsteht durch das training mit dem trigger eine fixe routine,
ein ablauf zur bewältigung der situation, die zu einer gewohnheitsmäßigen (neutralen) reaktion führt.

die entscheidungen

der hund muss nämlich gar nicht mehr lange nachdenken,
wie er die situation bewältigt
und muss sich nicht jedesmal neu entscheiden, seine impulse im schach zu halten,
wenn er ein fixes ritual aufgebaut hat.

gewohnheiten erleichtern einem ja im prinzip das leben
(wenn es denn gute gewohnheiten sind),
weil man nicht jedesmal die energie und den gedanklichen aufwand  zum fällen einer entscheidung braucht.

in der humanpsychologie ist bekannt,
dass wir nur eine gewisse menge an bewussten entscheidungen pro tag gut treffen können
und unsere entscheidungskraft im lauf des tages erlahmt.
es ist davon auszugehen, dass es dem hund nicht anders ergeht.

wenn er also jedesmal aufs neue entscheiden muss:
dem impuls zum bellen (oder was immer) nachgeben oder doch ein gelassenes verhalten an den tag legen,
ist das ungleich schwieriger,
als wenn er die gewohnheit entwickelt hat, auf einen bestimmten trigger gelassen zu reagieren.

je öfter er das im lauf des tages aktiv entscheiden

die erregungskurve muss, desto schwächer wird die impulskontrolle,
weil nämlich die fähigkeit zu bewusst gesteuerten entscheidungen abnimmt.

genauso wie noch etwas anderes abnimmt: seine stresstoleranz

die erregungskurve

je höher der erregungspegel im hund ist, desto schwerer fällt es ihm,
mit zusätzlicher aufregung von außen umzugehen.

ein maßgeblicher faktor für impulskontrolle ist aber gerade,
wie weit der hund noch “kühl überlegen” statt blindlings reagieren kann.
je mehr aufregung er an dem tag schon hatte und je höher sein chronischer stresspegel bereits ist,
desto schwieriger wird es mit der impulskontrolle.

üblicherweise baut sich aufregung im lauf eines tages immer weiter auf
(bis die ruhephase der nacht wieder für eine erholungspause sorgt),
daher ist es oft so, dass hunde gegen ende des tages
oder auch nur gegen ende eines aufregenden spaziergangs deutlich impulsiver reagieren als davor.

impulskontrolle schonen UND trainieren

was sich  verbraucht, ist also streng genommen nicht die impulskontrolle selber.
vielmehr sinkt die fähigkeit des hundes, noch weitere aufregung zu verkraften und
gelassen genug zu bleiben, um weitere impulse zu kontrollieren.

es sinkt auch seine fähigkeit, immer noch eine entscheidung für gelassenheit und kühles reagieren zu treffen,
statt einfach blindlings drauflos zu tun, wozu ein impuls ihn gerade treibt.

das sind die beiden teile, die tatsächlich “verbrauchsware” sind.

andererseits braucht es für impulskontrolle die richtigen grundlagen
und das entsprechende training – auch auf bestimmte trigger hin,
damit der hund die passenden erfahrungen sammeln und impulskontrolle aufbauen kann.

das sind dann die beiden teile, die eine frage des trainings sind.

es haben also beide seiten recht, wenn es um trainig oder verbrauch von impulskontrolle geht.
wie man aus diesen vier elementen nun ein passendes programm für den eigenen hund bastelt,
dazu gibt es demnächst ausführlichere infos im (kostenlosen) webinar “bessere impulskontrolle für den hund”, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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