“ist das ein rüde?”

die frage “ist das ein rüde?” ist dir sicher auch schon entgegen gehallt.
ziemlich sicher sogar mehr als nur einmal.

aus irgendeinem grund ist so manchem hundehalter das geschlecht des gegenübers auf vier beinen besonders wichtig.

aber ist es das auch den vierbeinern selber?

hinter der frage stehen ja:

erstens eine sorge – nämlich  dass die hundebegegnung nicht friedlich verlaufen könnte
und zweitens eine annahme – nämlich dass es vom geschlecht der hunde abhängt, ob sie sich vertragen.

aber stimmt das überhaupt?

(und bevor wir noch weiterreden: wenn du genau wissen willst, worauf es beim hundekontakt ankommt und wie du sicherstellst, dass eine begegnung gut geht, dann gibt es dazu das kostenlose webinar “hundekontakt: so geht es gut”, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:

hundekontakt

viele glauben ja, dass sich rüden untereinander nicht gut vertragen, schon gar nicht intakte rüden!
weniger weit verbreitet, aber auch vorhanden, ist die meinung, dass sich hündinnen miteinander nicht vertragen?

was ist nun richtig und was nicht?

rüden untereinander

ein rüde ist erstmal ein hund wie jeder andere auch.

er kann super verträglich oder ein echter rüpel sein,
er kann individuelle vorlieben und abneigungen haben,
er kann an manchen tagen cool drauf und an anderen schnell gereizt reagieren,
ganz genauso wie hündinnen halt auch.

was den unterschied macht, ist das testosteron.

ein hoher testosteronspiegel gekoppelt mit erhöhtem stresspegel und eine mangelhafte sozialisierung auf andere hunde (inklusive andere rüden), können schon eine explosive mischung sein.

besonders wenn zwei solche aufeinander treffen.

explosiv wird das aber vor allem durch die kombination der drei faktoren miteinander, nicht durchs geschlecht alleine.

es gibt nämlich mindestens so viele intakte rüden, die wunderbar miteinander klar kommen, wie solche, die mit anderen rüden schwierigkeiten haben.

letzten endes ist es in erster linie ein frage, der sozialen kompetenz des rüden und des aktuellen erregungspegels.

rüden von anfang an voneinander fern zu halten, begründet also das problem erst!

 

hündinnen miteinander

bei hündinnen geht man ja nicht so schnell davon aus, dass sie miteinander ein problem haben könnten.

in aller regel haben sie das auch nicht – wieder vorausgesetzt, dass sie eine gute sozialisierung haben und mit anderen hunden im allgemeinen recht verträglich sind.

allerdings haben natürlich auch hündinnen geschlechtshormone, die das eine oder andere mal für spannungen sorgen können.

vor allem rund um die läufigkeit kann es schon in manchen (wenn auch seltenen) vorkommen, dass eine hündin unwirsch auf andere hündinnen (allerdings auch oft auf rüden 🙂 ) reagiert.

häufiger gibt es probleme zwischen hündinnen, wenn aufgrund der kastration die produktion des “bindungs”hormons oxytocin reduziert ist. dabei spielt eine große rolle, in welchem hormonstatus die hündin kastriert wurde und ob es davor schon gewisse spannungen mit anderen hunden oder im besonderen anderen hündinnen gab.

fällt dann die sogenannte “oxytocin-bremse” (also die milderung von aversiven tendenzen durch das oxytocin) weg, dann werden bestehende antipathien deutlicher zum ausdruck gebracht als vor der kastration.  die betonung liegt auf “vorher schon estehenden antipathien”.
und die wiederum haben mit allen möglichen faktoren zu tun, nicht allein mit dem geschlecht.

sympathie statt geschlecht

ob der kontakt zwischen zwei hunden gut verläuft oder nicht, hängt nämlich in erster linie von der sympathie ab und gar nicht so vom geschlecht.

unter sympathie ist gemeint:

– ist der hund überhaupt verträglich mit anderen hunden oder nur mit bestimmten typen?
– passen die hunde von ihrem sozialverhalten und danach auch ihrem spielverhalten zusammen oder eher nicht?
– stimmt die “chemie” zwischen den beiden, weil ja auch hunde vorlieben und abneigungen haben können?

nicht zu vergessen, dass der mensch einiges dazu beitragen kann, dass eine begegnung entspannt verläuft (oder eben nicht).

die frage sollte also nicht lauten “ist das ein rüde?”
sondern zum beispiel “ist ihrer verträglich?”
oder “kommt ihrer mit stürmischer annäherung zurecht?”
oder ähnliches.

da die fragen aber selten kommen und man oft selber und auf entfernung einschätzen muss, ob man die hunde zusammen lassen kann bzw. dann rasch entscheiden muss, wann man eingreift, gibt es weitere tipps dazu im webinar “hundekontakt: so geht es gut” (gleich anmelden, kostenlos!)

 

 

 

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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