was ist das wichtigste bei indoor spielen mit dem hund?

es gibt viele gute gründe für indoor spielen mit dem hund:
draußen ist es zu heiß oder es schüttet wie aus fässern
oder der hund soll sich nach einer verletzung schonen.
man will ihm zwischendurch ein wenig geistige auslastung bieten
oder er ist draußen für manche übungen zu abgelenkt.

also verlagert man das üben und spielen nach drinnen.
(wer übrigens noch ideen und 3 nette spiele für hitzetaugliche beschäftigung drinnen sucht, kann heute noch schnell die videoaufzeichnung vom webinar „coole auslastung für heiße tage“ anschauen, einfach hier das video anfordern (kostenlos):

so weit alles klar.
gibt es dabei ein problem?

indoor spiele

unter umständen gleich zwei:

unruhe im haus

drinnen sollte für den hund ja der ort sein, der ruhe und entspannung vorbehalten ist.
je unruhiger der hund von sich aus ist,
umso wichtiger ist es, dass er die wohnung oder das haus fest mit schlafen und nichtstun verknüpft.
dann fällt es ihm wesentlich leichter, drinnen ruhe zu geben
und nicht dauernd jedem nachzulaufen
und auf beschäftigung zu hoffen.

je mehr nun drinnen mit dem hund gespielt wird,
desto mehr stellt er die assoziation her „drinnen = spielplatz“
statt „drinnen = ruhen“ zu haben.
dem hund fällt es dadurch immer schwerer,
drinnen zur ruhe zu kommen und die nötigen ca. 18 stunden zu schlafen.

man kennt das ja: macht man sich zum spazierengehen bereit
oder geht’s zur hundezone oder in die hundeschule,
dann steigt schlagartig die aufregung im hund.
weil er nämlich genau weiß, dass es nun gleich action gibt und aufregend wird.

diese erwartung darf er beim rausgehen oder in der hundezone gern haben
(wenn er dabei nicht völlig überdreht),
er sollte sie aber keineswegs drinnen haben,
sonst läuft er dauernd auf action-modus.

spielen einfordern

sehr leicht entsteht daraus auch aufmerksamkeitsheischendes verhalten.
damit ist gemeint, dass der hund eine bestimmte sache macht,
nur weil er genau weiß, dass er damit die aufmerksamkeit des menschen bekommt.
und zwar völlig egal, ob die daraus besteht,
dass man auf das spiel einsteigt, den hund wieder auf seinen platz schickt oder ihm nur irgendwas sagt.

wenn der hund sich drinnen spiel erwartet,
ohnehin grade ein bisschen unruhig ist
und dann ein spielzeug anschleppt und erwartungsvoll vor dem menschen steht,
dann schlägt bei unsereins meist das schlechte gewissen oder die „ach, ist das süß“-reaktion zu.

schon spielen wir „eh nur kurz“ oder erklären dem hund liebevoll, warum es grad nicht geht.
soll heißen: wir bestätigen das (unruhige und eigentlich gar nicht erwünschte) verhalten.
daher macht der hund es immer öfter.
ergebnis: mehr unruhe, mehr aufmerksamkeitsheischendes verhalten.

wie geht man nun damit am besten um,
wenn man aber trotzdem drinnen mit dem hund spiele machen möchte?

3 tipps

das wichtigste beim spielen drinnen ist die klare eingrenzung:
der hund soll nicht den ganzen tag damit rechnen,
dass aber jetzt gleich oder jetzt oder jetzt dann …. mit ihm gespielt wird.
er soll das schon gar nicht von sich aus einfordern
und dabei womöglich lästig werden und aufdrehen.

wir brauchen eine klare trennung von ruhephasen (fast den ganzen tag)
und spielphasen (nur ganz kurz und klar abgegrenzt).

das erreicht man am besten so:

1. spielzimmer

am besten wäre es, wenn es fürs spielen drinnen einen separaten räum gäbe.
vielleicht steht ja ein arbeits- oder bügelzimmer, ein großer vorraum oder ein gästezimmer zur verfügung.
jedenfalls sollte man sich unbedingt einen raum suchen,
wo der hund nicht seine schlaf- und ruheplätze hat.

je besser die räumliche trennung zwischen „hier wird nur (!) geschlafen und geruht“
und „hier finden spiele statt“ gelingt,
desto einfacher kann auch der hund umschalten zwischen entspannungs- und spielmodus.

2. spielzeit

wenn der wohnraum keine wirklich gute trennung zwischen spielen und ruhen zulässt,
dann kann man sich damit behelfen (oder das zusätzlich dazunehmen),
dass man immer zu bestimmten zeiten ein paar minuten spiele einbaut.

wann das ist, kommt ganz auf den tagesablauf und den rhythmus des hundes an,
das kann man beliebig wählen.
es sollte aber immer um die gleiche zeit sein
und immer ähnlich lang bzw. kurz sein.

das muss natürlich nicht auf die minute genau immer 17.10 sein oder so,
es könnte aber zum beispiel sein:
immer 5 minuten am späten vormittag
und 5 minuten vor der abendfütterung.

egal wann man das einteilt, wichtig ist, dass es gleich bleibt.
und dass man’s dann auch macht,
weil der hund sich ja darauf einstellt
und um die zeit dann schon drauf wartet, dass was passiert.

3. spieleinladung

bei hunden, die zu aufmerksamkeitsheischendem verhalten tendieren,
sollte man außerdem darauf achten,
dass der mensch selber das spiel anfängt.

man lässt sich also nicht vom hund dazu auffordern
(womöglich noch im falschen zimmer oder in einer als ruhephase definierten zeit),
sondern startet die trainingseinheit selber.

noch wichtiger: man beendet sie ganz klar.
am besten gibt man dem hund ein signal
(wie ein „fertig“ oder eine geste),
die ihm sagt: so, jetzt ist erst mal schluss.

ganz wichtig: ist das schluss-signal erst mal gegeben,
dann muss auch wirklich schluss sein!
selbst wenn der hund noch so niedlich schaut
oder noch so was lustiges vorschlägt, sollte man dennoch aufhören.
dem hund zuliebe.
denn nur dann ist für ihn ganz klar,
dass er sich wieder entspannen und hinlegen kann.
bis zur nächsten spielphase eben.

grade in den heißen sommermonaten greift man oft gern auf auslastungsmöglichkeiten drinnen zurück,
weil die spaziergänge weniger lang ausfallen oder man nicht immer nachts oder frühmorgens unterwegs sein kann.

umso wichtiger ist es, mit diesen paar tipps darauf zu achten,
dass der hund drinnen nicht nur seine auslastung bekommt,
sondern auch weiterhin seine ruhe und entspannung.

übrigens: wer ideen und spiele für drinnen bzw. die heißen tage möchte, findet sie im kurs „hundesommer“ oder „kühles köpfchen“.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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