3 gründe, warum geradeaus reiten nicht viel bringt

mit geradeaus reiten ist hier das reiten am viereck oder reitplatz gemeint, nicht unbedingt ein gemütlicher ausritt.

(obwohl auch auf dem ein paar kurven manchmal ziemlich helfen können. dazu später mehr.)

am reitplatz aber geht es häufig schön außen rum.
je nach reitkultur mit mehr oder weniger hufschlagfiguren, mehr oder weniger gymnastischen übungen dazwischen.
wenn du dein pferd mal nur ein bisschen bewegen magst, dann gibt’s davon oft nicht viel.

stattdessen…
im schritt ganze bahn,
im trab ganze bahn,
im galopp ganze bahn,
und dann nochmal schritt zum abkühlen, ganze bahn.

was spricht da dagegen, fragst du jetzt?

nun, im prinzip natürlich nichts….

vorausgesetzt, dein pferd sowieso immer super im gleichgewicht.
(kleiner hinweis: kaum ein pferd ist das ausreichend.)

vorausgesetzt, dein pferd ist sowieso immer mit der vollen aufmerksamkeit bei dir.
(dann wär’s aber ne ziemliche ausnahme).

und vorausgesetzt, das routinemäßige die bande entlang laufen, ist ihm geistige anregung genug.
(überraschung, überraschung, das ist es nicht.)

daher gibt es hier mal die wichtigsten 3 gründe, warum geradeaus reiten wenig bringt.

 

1. vorhand

wenn ein pferd auf der vorhand läuft –  und das tut es erst mal alle, solange es nicht korrekt gymnastiziert wurde – dann gerät es auf der geraden tendenziell noch mehr auf die vorhand. es bleibt in der gewohnten haltung, ist nicht im gleichgewicht und bekommt beim geradeaus reiten keinen impuls, sein gleichgewicht anders und besser zu sortieren.

ganz typisch für pferde mit fehlendem gleichgewicht: sie haben entweder kein gaspedal oder keine bremse. das heißt, sie sind entweder schwer in gang zu bekommen oder aber kaum anzuhalten. für beides braucht man nämlich gleichgewicht!

geht das pferd jedoch kurven, muss es seine vier beine anders unterm körper sortieren, damit es um die kurve kommt.
kommt danach gleich wieder eine kurve in die andere Richtung, muss es sich gleich wieder neu sortieren und dazu seine gewohnten bewegungsmuster verändern.

nichts bringt ein pferd schneller besser ins gleichgewicht und damit zu einer aktiveren hinterhand, als  viele kurven, volten und Schlangenlinien zu reiten.

übrigens auch ein toller tipp, um ein aufgeregtes pferd zu beruhigen!

geht das emotionale gleichgewicht verloren – wie bei aufregung – dann ist auch das körperliche gleichgewicht weg. zum glück gilt das gleiche umgekehrt auch: wird das körperliche gleichgewicht wieder hergestellt, kehrt die gelassenheit zurück.

drum ist kurven reiten – und sei es von einer wegseite zur nächsten – auch im gelände hilfreich, wenn du dein Pferd etwas ruhiger bekommen willst.

 

2. aufmerksamkeit

runde um runde in der reithalle zu drehen, schaltet den autopiloten im pferd ein (und nicht nur im pferd!).

es passt erst gar nicht mehr auf, was du ihm sagst oder von ihm willst, sondern zieht seine runden.
es weiß ja eh, wo es lang geht, was soll es da noch auf dich hören?

dazu kommt, dass es sich bei den ewig gleichen runden mehr an der bande oder reitplatzbegrenzung orientiert, als an dir. da kann es sich ein bisschen „anlehnen“ und muss sich nicht so um die eigene oientierung und die eigene balance bemühen.

letzteres kannst du gut überprüfen: reit mal eine runde oder zwei auf dem zweiten oder dritten hufschlag!
du wirst sehen, das ist gar nicht so leicht!

zumindest nicht bei einem pferd, das häufig auf autopilot läuft.

wenn du ein aufmerksames pferd möchtest, das gut und gern mit dir kommuniziert und auf dich hört, dann bieg ab und reite kreuz und quer durch die halle.  wenn es nie vorher schon weiß, was gleich kommt, wird es ungleich aufmerksamer!

 

3. langeweile

mal ehrlich: wie anregend ist es, immer rund um den reitplatz zu laufen und schon vorher genau zu wissen: das machen wir jetzt 10 minuten, dann geht es weiter im trab, dann Handwechsel und das ganze auf der anderen seite, dann….

viele pferde können die routine schon  auswendig!

schade drum!

die stunde mit dir ist das highlight im pferdealltag.
endlich abwechslung, endlich was zu tun, endlich was zu denken.

es gibt ohnehin so wenig Anregungen und Abwechslungen im pferdeleben.
da sollte nicht auch das reiten in routinemäßigem abspulen erstarren

nutz doch die zeit für abwechslung, für neue übungen oder unerwartete kombinationen.

das müssen keine hochgegriffenen Lektionen sein, nein.
kombinier einfach mal anders.
mach einen übergang schon nach 10 schritten
(nicht erst nach den gewohnten 10 minuten),
reite große und kleine volten überall am platz,
erfinde deine eigenen hufschlagfiguren und übungen,
mit dem, was das pferd eben kann.

und vor allem: verlass die gerade, mach deinem pferd eine freude und entsorge autopilot und routine.

du wirst sehen, wieviel spaß ihr damit habt (und um wieviel dein pferd dadurch rittiger wird!)

 

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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