erfolgstipp nr.3: umprogrammieren in der hundeerziehung

das “umprogrammieren” spielt in der hundeerziehung eine große rolle, auch wenn der hund natürlich kein computer ist, auf den man einfach ein anderes programm herunter lädt.

wobei der vergleich gar nicht so verkehrt ist.
denn hunde haben ja für bestimmte situationen ein verhalten, das sie fast automatisch abspulen:
ein auslöser taucht auf (ein anderer hund, der rückruf vom menschen, die türklingel….)
und schon läuft die reaktion vom hund auf autopilot ab (leinezerren, zurückkommen (oder eben nicht), ausflippen…)

als mensch steht man nur allzuoft hilflos daneben
und würde gern den schalter umlegen, mit dem dieses unerwünschte verhalten gestoppt werden kann.
bloß wie?

ablenken klappt nicht mehr,
schimpfen bringt nichts (soviel wissen wir zumindest in der theorie),
und ignorieren kann man’s nicht.

das ist ja gerade das problem mit vielen unerwünschten verhaltensweisen.
das prinzip “ignoriere, was du nicht haben willst” stimmt zwar, deckt aber bei weitem nicht alles ab.
wenn der hund kinder in die waden zwickt, einem das brot vom teller klaut oder zaungäste verbellt
dann kann man – und darf man! – das eben nicht ignorieren.

wie man dann am besten vorgeht, dazu gibt es gleich diesen mittwoch mehr im kostenlosen webinar “wenn man’s nicht ignorieren kann”, zudem du dich gleich hier anmelden kannst:

das kernprinzip, das dann zum tragen kommt, heißt umprogrammieren.
und das brauchen wir gleich auf mehreren ebenen:

1. überforderung in erfolgserlebnis umprogrammieren

das problem mit unerwünschtem verhalten ist ja nicht nur, dass wir etwas nicht haben wollen.
sondern dass der hund in diesen momenten an den anforderungen scheitert.

denn entweder ist er mit der situation überfordert,
fürchtet um seine sicherheit, muss sich furchtbar aufregen oder flippt vor frust aus.

oder er kann die nötige impulskontrolle, konzentration oder gelassenheit fürs gewünschte verhalten grad nicht aufbringen.
dann überfordert ihn nicht unbedingt die situation selber, aber unsere anforderungen an ihn schafft er nicht.
jedenfalls nicht jetzt gerade.

dieses erlebnis der überforderung und des scheiterns hinterlässt aber spuren.
der hund speichert das gefühl ab,
er baut eine negative erwartungshaltung an ähnliche situationen auf
und gleichzeitig verfestigt sich aber mit jedem mal seine unangebrachte reaktion,
weil er es nicht besser hinkriegt.

aus diesem kreislauf führt nur eines raus:
die anforderungen an den hund und vor allem die situation selber müssen so gestaltet werden,
dass er ein erfolgserlebnis mitnimmt.

er muss es hinkriegen können,
er muss erleben, dass er es schafft (ruhig zu bleiben, zu warten,….)
er muss das gefühl haben, auf der sicheren seite zu sein.

je mehr erfolgserlebnisse der hund mit schwierigen situationen sammelt,
je öfter er eine gestellte aufgabe erfolgreich bewältigt,
desto mehr wächst sein selbstvertrauen und desto leichter fallen ihm diese situationen in zukunft.

2. simple reaktion in bewusstes verhalten umprogrammieren

ob der hund einfach blindlings drauflos brettert
oder aber mit zurückhaltung und in gewünschter form auf eine situation reagieren kann,
hängt im wesentlichen von einer sache ab:
(immer vorausgesetzt, er hat das gewünschte verhalten bereits gelernt).

von seinem gehirn.

genauer gesagt davon, welches hirnareal gerade die oberhoheit hat
und welche hirnfunktionen von den botenstoffen im körper gefördert oder unterdrückt werden.

übernimmt das limbische system im mittelhirn die kontrolle,
dann wird der hund von seinen emotionen und impulsen getrieben.
angst, frust, zorn, panik …. steuern in dem moment das verhalten
und er wirft sich bellend an den zaun oder springt wütend in die leine.
auch wenn wir noch so oft was anderes geübt haben.

wenn der erregungspegel zu hoch ist, dann blockieren die stresshormone das logische denken,
also die aktivität in der großhirnrinde,
die der hund aber für überlegtes handeln und für das abrufen von eingeübten verhaltensweisen brauchen würde.
ein gestresster hund kann daher rein physisch nicht kühl überlegt handeln
und eine aufgabe so bewältigen, wie das eigentlich eingeübt worden ist.

ein wesentlicher job von uns menschen in der hundeerziehung besteht daher darin,
den hund auf der richtigen “betriebstemperatur” zu halten,
damit er gewünschtes verhalten und eingeübte reaktionen überhaupt ausführen kann.
click für blick, ein ruhiges sitz+bleib und viele andere übungen klappen nämlich nur,
wenn der hund im kopf aufs richtige “programm” zugreifen kann,
und wenn dort chaos herrscht, kann er das nicht.

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3. negative trigger zu neutralen umprogrammieren

jedes verhalten wird immer von einem bestimmten auslöser getriggert (bei uns allen).
wir kennen das ja: das knistern der plastiktüte in der jackentasche löst aufmerksame erwartung aus,
der griff zur leine im vorzimmer bringt unruhe und etwas aufregung,
eine schnelle bewegung (egal ob hase oder radfahrer) kann ein hinterher hetzen triggern.

manche dieser trigger sind besonders stark besetzt und gehen dann meist mit großer aufregung einher.
oder sie sind sogar eindeutig negativ geprägt.
weil der hund mit diesem auslöser eine schlechte erfahrung verknüpft:
wenn ein großer, weißer hund ihn mal gebissen hat, hat er vielleicht angst vor den großen weißen.
wenn in einem park mal in unmittelbarer nähe böller abgeschossen wurden, fürchtet er sich vor diesem park.
wenn herrchen ihm mehrfach mit gewalt etwas aus dem maul gerungen hat, wird herrchen aggressiv angestarrt oder angeknurrt, wenn er sich in so einem moment wieder nähert.

nun tut man gut daran, negative trigger erst mal zu vermeiden,
damit es nicht zu unerwünschten reaktionen kommt.
auf dauer ist das aber keine lösung:
schließlich kann herrchen nicht ausziehen und eine begegnung mit anderen hunden nicht auf ewig vermieden werden.

hier setzt nun das umprogrammieren des triggers an:
schrittchenweise wird dabei der hund mit dem trigger auf eine weise konfrontiert,
die nicht das unerwünschte verhalten auslöst, sondern wo er neue erfahrungen damit machen kann.
wo er erleben kann, dass es gar keinen grund für angst, zorn und entsprechendes verhalten gibt.

das umprogrammieren des triggers ist kerninhalt der sogenannten “systematischen desensiblisierung”
(zu der aber noch etwas mehr gehört).
wenn du und andere methoden zur verhaltensmodifikation deines hundes erlernen magst,
dann schau mal rein in den kurs “erfolg für hund und mensch”. der startet grade!

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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