diese 3 dinge braucht ein unsicherer hund, um sicherer zu werden

was ein unsicherer hund braucht?
sicherheit natürlich. eh klar.
aber wie geht das?

ich kenn viele hundemenschen, die sich vorwürfe machen, weil sie es nicht schaffen, ihrem hund mehr sicherheit zu vermitteln.
manchmal klingt das so, als müssten sie die irgendwie absondern,
wie eine duftwolke “natürliche autorität” oder so.
(achtung: manchmal versteckt sich dahinter sogar die alte rangordnungs-kiste!
nur weil man auf chef macht und dem hund ansagen soll, was sache ist, wird der aber nicht sicherer.
eher im gegenteil.)

die eigene sicherheit und entspannung spielen natürlich eine rolle
(und wenn man das unter “natürlicher autorität” versteht, dann ist es ok).
sie ist aber bei weitem nicht alles.

wer seinem hund mehr sicherheit geben will, braucht mehr.
hier sind die drei dinge, auf die es ankommt:

1. äußere sicherheit

das allererste was dein hund braucht ist schutz vor der “gefahr”.
wenn ihn etwas verunsichert, ist das für ihn subjektiv gefährlich.
dem dauernd oder immer wieder ausgesetzt zu sein – und zwar so, dass man’s wieder als gefährlich erlebt – bringt logischerweise nichts. ‘außer noch mehr unsicherheit.

wie schützt man seinen hund nun richtig?

erstens: indem man die gefährlichen situationen rigoros vermeidet.
anfangs jedenfalls, bis der hund zeit hatte, das umzulernen und nicht mehr zu fürchten.

genau das geht im alltag am öftesten schief.
es macht nämlich mühe, wenn man alltägliches mal eine weile gänzlich umschiffen muss.

oder es fällt einem gar nicht auf, dass der hund darauf unsicher reagiert.
schließlich schiebt er ja nicht gleich panik.
und ein simples “ach komm, da ist ja gar nichts” geht uns menschen viel zu leicht von den lippen.
glaub mir, der hund sieht das anders!

manche hunde scheinen aggressiv, weil sie heftig reagieren und nach vorne gehen.
aber natürlich ist auch das ein zeichen von unsicherheit oder überforderung.

zweitens braucht der hund rückhalt.
sozialen rückhalt von seinem menschen.
also einen gelassenen menschen an seiner seite, der die situation für ihn managt.
der nicht als unbeteiligter zuschauer ein paar meter weiter hinten an der leine hängt
oder der nicht einfach ein “stell dich nicht so an” sagt (oder denkt).
sondern einen menschen, der für ihn da ist.
der ihm (rechtzeitig!) sagt, was jetzt zu tun ist,
der splittet und sich schützend vor seinen hund stellt.

damit ihm die gefahren der außenwelt nicht zu nahe auf den pelz rücken können.

2. innere sicherheit

unsicherheit ist nicht immer nur von äußerer bedrohung abhängig.
man kann sich im leben ganz generell oder phasenweise unsicher fühlen,
ohne dass man überhaupt angeben könnte, was genau einen denn grad verunsichert.

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das ist nun nichts, wo der mensch über splitten oder vermeiden der situation groß helfen könnte.
dafür braucht der hund etwas anderes:
zutrauen in die eigenen fähigkeiten, selbstsicherheit und selbstvertrauen.

die bekommt er mit jedem mal, wo er etwas geschafft hat.
wo er etwas gut gemacht hat,
wo er eine (kleine) herausforderung bewältigt hat.
und wo er für all das auch noch anerkennung und lob von seinem menschen bekommt.

positive bestärkung und erfolgserlebnisse sind der beste weg zu mehr selbstsicherheit.

das heißt einerseits: in der erziehung und im alltag mit dem hund genau null druck, korrektur oder gar strafe (noch nicht mal durch ignorieren).
dafür viel positives feedback und lernen durch positive bestärkung.

das heißt andererseits:  so viele erfolgserlebnisse wie möglich.
die entstehen natürlich auch beim lernen über belohnung,
man kann aber über nasenarbeit oder denkspiele oder ähnliches noch viele zusätzliche erfolgserlebnisse herbeiführen
und dabei den hund noch eigenständig dazu kommen lassen.
wichtig ist nur, ihn damit nicht zu überfordern (denn sonst steigt wieder die unsicherheit).

die besten übungen für den aufbau von selbstsicherheit und selbstvertrauen gibt es übrigens im neuen kurs “selbstvertrauen stärken”, am besten gleich mal reinschauen.

 

3. körperliche sicherheit

was die körperliche sicherheit hier zu suchen hat?
nun, damit ist nicht gemeint, dass der hund sich nicht verletzen soll (das natürlich auch nicht),
sondern dass er sich im eigenen körper sicher fühlen soll.

stell dir mal vor, du frierst grad ziemlich und huscht auf rutschigen sohlen über vereisten boden.
wie sicher fühlst du dich da grad?
wie sehr wärst du einer plötzlich auftauchenden finsteren gestalt gewachsen?

stell dir im vergleich dazu vor, es ist ein schöner sommerabend,
du kommst grad von deinem lieblingssport oder einer wunderbaren massage.
wie sicher fühlst du dich jetzt?
und wär die finstere gestalt gleich schlimm oder würdest du dir eher zutrauen, damit klar zu kommen?

beim hund wirkt sich das körpergefühl vermutlich noch stärker auf das eigene gefühl von sicherheit aus.
schließlich hängt ja das überleben davon ab, ob man körperlich fit genug ist, um rasch wegzurennen oder sich körperlich durchzusetzen (zumindest das genetische gedächtnis deines hundes weiß das noch).

gut im gleichgewicht zu sein,
sich geschickt und koordiniert bewegen zu können,
sicheren boden unter den füßen zu spüren und entspannte muskulatur zu fühlen,
das alles hilft deinem hund, sich körperlich sicher zu fühlen.
und wer sich körperlich sicher fühlt, fühlt sich insgesamt sicher.

darauf beruhen ein teil des erfolges von methoden wie der tellington-arbeit.
aber auch balanceübungen, geschicklichkeitsspiele und bewusste, koordinierte bewegungen helfen deinem hund sehr.

wenn du also das nächste mal den spruch hörst “du musst deinem hund mehr sicherheit geben”,
dann kannst du verschmitzt zurückfragen “welche von den dreien meinst du denn?”
oder dir einfach deinen teil denken….

wenn dein eigener hund zu den eher unsicheren gehört, dann hilf ihm doch mit dem kurs “selbstvertrauen stärken” noch zusätzlich. in dem kurs gibt es dann jedenfalls eine ganze reihe einfacher und wirksamer übungen zu allen drei genannten bereichen (mit schwerpunkt auf der inneren sicherheit).

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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