die zweitwichtigste übung im hundeleben – und was dabei alles falsch läuft

hör ich dich da grad rätseln, was die zweitwichtigste übung im hundeleben wohl sein könnte?

bei der wichtigsten sind wir uns wohl einig: der rückruf. der hund kommt verlässlich und prompt, wenn du ihn rufst.
so weit alles klar.

und danach?
was ist die nächst wichtigste übung?

für mich ganz klar: das “bleib” (oder warten oder wie immer es bei euch heißt).

das hat gleich mehrere gute gründe:

1. es ist super praktisch

so vieles im alltag läuft ungleich leichter, wenn der hund in allen lebenslagen ruhig an ort und stelle bleiben kann!

das können eher belanglose dinge sein – zum beispiel schnell am bankomat geld beheben und den hund dabei sicher einparken oder mal eben was ins auto laden und der hund wartet ruhig daneben.

es hilft aber vor allem auch bei den schwierigen momenten: wenn du dich unterwegs in ruhe mit jemandem unterhalten willst oder – noch viel wichtiger – wenn du einen hund hast, der bei begegnungen schnell mal heftig wird, dann hilft ihm ein ruhiges “sitz + bleib” dabei, die situation besser zu bewältigen.

(was sonst noch alles hilft, wenn dein hund ausrastet und welche 3 notfallstipps du unbedingt kennen solltest, erfährst du übrigens im kostenlosen webinar “wenn der hund ausrastet”, deinen platz kannst du dir gleich hier reservieren:

2. es schult die impulskontrolle

fürs ruhige bleiben muss der hund seine impulse im zaun halten.

er darf eben nicht aufstehen und hinter dir her laufen oder aufspringen und zum andern hund laufen oder schnell zum leckerchen flitzen und es sich schnappen (das nur als ablenkung dienen sollte).

nein, er soll lernen, selbstbeherrschung an den tag zu legen und seine impulse zu kontrollieren.

das ist eine wichtige lektion für jeden hund (und jeden menschen), die man mit bleib-übungen wunderbar trainieren kann.
und so viele trainingsmöglickeiten gibt es dafür ja ohnehin nicht.

 

3. es fördert die entspannung

hier muss es eigentlich heißen “ein korrekt aufgebautes bleiben fördert die entspannung”!
ein falsch aufgebautes bewirkt das gegenteil und der hund steht unter strom, hält sich nur mühsam zurück oder eben gar nicht
das ist dann kontraproduktiv.

beim richtig aufgebauten bleib nutzen wir einerseits die tatsache, dass sitzen oder liegen selber schon ruhehaltungen sind und verstärken das damit, dass wir die entspannung als einen zentralen teil der übung mit aufbauen und trainieren!

so wird daraus eine übung, bei der der hund entspanntes und gelassenes verhalten als erfolgsstrategie kennenlernt und dann auch gezielt einsetzen kann – egal was um ihn herum alles passiert!

leider läuft bei dieser so wichtigen übung oft einiges falsch!

und dann hat man in manchen momenten einen ziemlich unentspannten hund und keine brauchbare möglichkeit, ihn (ohne druck!) ruhig zu halten.

also werfen wir mal einen blick auf die häufigsten fehler, damit wir sie dann vermeiden können.

 

fehler nr. 1:  vernachlässigte übung

die übung wird nur zu gerne ziemlich vernachlässigt!

in der grunderziehung wird das kommen geübt und das “sitz” und “platz” und noch das bei fuß laufen.

und dann geht’s oft schon mit allerlei tricks weiter.

alles gut und schön. aber das solide aufgebaute bleib darf nicht fehlen.
ganz im gegenteil!

das ist keine übung nur für die hundeschule,
sondern eine zentrale übung fürs ganze hundeleben.

dementsprechend viel aufmerksamkeit sollte sie auch bekommen!

(übrigens: ob das heißt sitz und bleib, platz und bleib oder steh und bleib, ist zweitrangig.
wichtig ist das bleiben!)

 

fehler nr. 2:  keine alltagstauglichkeit

ich kenn ja inzwischen ziemlich viele hunde :-).
und praktisch alle können sie wunderbar bleiben und ruhig warten,
während ihr futter hergerichtet wird
und bis sie das signal bekommen, dass sie jetzt reinhauen dürfen.

ich kenn auch viele, die sehr brav bleiben,
während ihr mensch rumläuft, um ein leckerchen für ein suchspiel zu verstecken.

und mitten in der kursstunde während einer übung bleiben sie auch noch recht brav sitzen.

aber sonst?
fehlanzeige.
in anderen situationen klappt es leider nur sehr schlecht.

das liegt daran, dass der hund das in alltagssituationen und mit verschiedenen ablenkungen eben nicht gelernt hat
oder es nicht ausreichend geübt wurde.

und dann unterscheidet der hund zwischen dem normalen alltag (wo er nicht bleibt)
und den übungssituationen (wo er schon klappt).

das systematische üben ist eine grundvoraussetzung für ein alltagstaugliches “bleib”, nicht vernachlässigen!

 

fehler nr. 3:  anspannung rein trainiert 

wohl der größte fehler, der mir immer wieder begegnet, ist der, dass der hund das bleiben mit anspannung verbindet, statt mit entspannung und gelassenheit.

gehörst du vielleicht auch zu denen, die das bleib in beschwörerischem tonfall gleich mehrfach von sich geben, während sie mit bannend dem hund entgegengestreckter hand ein paar meter weg schleichen?

tja, da wird der hund wohl eher nicht so ganz entspannt bleiben dabei.
was die übung für ihn viel schwerer macht,
was eher dazu führt, dass er vorzeitig aufsteht
und dann wiederum den menschen verleitet, noch mehr nachdruck und beschwörung ins “bleib” zu legen.

ein vernünftig aufgebautes bleib funktioniert so, dass der hund dabei ganz entspannt bleibt,
weil auch sein mensch entspannt ist und ihm das von anfang an richtig beigebracht hat.
und weil dann schritt für schritt die übung zwar schwieriger gemacht wurde,
aber immer so, dass der hund erfolgreich bleiben konnte.

die genaue trainingsanleitung, wie man das ganz spielerisch und bombenfest hinbekommt gibt es im kurs bombenfestes bleib” 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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