die richtige reaktion auf fehler in der hundeerziehung (teil 2): 5 wichtige tipps

nachdem wir uns letztens bereits über fehler in der hundeerziehung und die dahinter steckende fehler(un)kultur gedanken gemacht haben (die hier nachzulesen sind), bleibt die frage:

wie reagiert man nun am besten,  wenn
a) der hund was falsch macht oder
b) einem selber grade ein fehler unterlaufen ist?

bevor wir zu den 5 wichtigsten tipps kommen, sei der vollständigkeit halber und weil es wichtig ist festgehalten:
am besten lässt man es natürlich erst gar nicht zum fehler kommen.
wie man das erreicht, ist dann thema in der dreiteiligen (kostenlosen!) masterclass „leben & lernen mit hunden“, in der wir ab dem 15.1. in drei trainingsvideos samt arbeitsblättern und jeweils einer live-diskussionsrunde dazu am tag danach zentrale grundlagen durchgehen bzw. ihre anwendung live diskutieren. deinen platz dafür kannst du dir hier gleich jetzt (kostenlos):

was tun, wenn es schief gegangen ist?

was aber, wenn es dochmal schief gegangen ist und der hund etwas macht, was er nicht soll.
oder aber etwas nicht macht, was er soll.
– nicht gleich kommt, wenn man ihn ruft,
– den besucher anspringt der zur tür rein will
– sich an der leine aufregt, wenn ein anderer hund kommt
– oder grade was geklaut hat, was er nicht haben darf?

fehler in der hundeerziehung

hier sind die wichtigsten fünf tipps, was man nach einem fehler am besten macht:

1. nicht belohnen

es klingt paradox – wer will schließlich den hund schon für einen fehler belohnen!
und doch ist die unwillkürliche belohnung eines der größten probleme,
die dazu führen, dass fehler sich so hartnäckig festsetzen.

der aufschrei, wenn der hund was geklaut hat,
das gezielte oder entnervte „lass das“
oder das leckerchen, dass der hund fürs endlich aufs dritte mal rufen auch noch kriegt,
das alles sind formen von belohnung.

weil jede aufmerksamkeit, jede interaktion und oft jede reaktion des menschen vom hund noch als bestätigung wahrgenommen werden.
da hilft nur eines:

nichts sagen, nichts tun, nicht darauf eingehen.

natürlich gibt es momente, wo das nicht so gut klappt
(zu denen gibt es in der masterclass ausführlichere infos),
dann gilt: so beiläufig und ruhig wie möglich das unerwünschte verhalten ignorieren
und dann mit den anderen 4 tipps weitermachen.

2. nicht ärgern

es bringt nichts, sich zu ärgern, wenn was schief gelaufen ist.
mehr noch: es schadet sogar sehr!

nicht nur dem eigenen nervenkostüm und der beziehung zum hund,
das ärgern bringt einen vor allem auf die falsche bahn:

im ärger sagen wir schnell mal was oder tun was, was beim hund doch wieder als belohnung ankommt (siehe punkt 1),
wir setzen aktionen, von denen wir eigentlich wissen, dass sie nichts bringen,
und die vernünftigeren ansätze fallen einem vor lauter ärger grad nicht ein.

wenn der hund etwas geklaut hat, wissen wir eigentlich,
dass es verkehrt ist, ihm hinterherzurennen und das ding aus dem maul zu würgen.
doch die klügere variante – nämlich den hund zu ignorieren oder aber schnell ein paar leckerchen zu nehmen und in seine richtung zu werfen, damit wir in ruhe an uns nehmen können, was er geklaut hatte – die fällt uns in der verärgerung des moments nicht ein.

selbst wenn wir unseren ärger für uns behalten, merkt den ein sensibler hund sofort –
und verknüpft ihn womöglich mit dem, was er grade tut.
wenn du dich ärgerst, das dein hund das dummy nicht korrekt in die hand abgibt, lernt er daraus womöglich meideverhalten dem dummy oder dir (mit dummy im maul) gegenüber.

es hilft also nichts: den ärger muss man weglassen.
auch wenn das impulskontrolle erfordert (ich weiß!)
doch genau die fordern wir vom hund ja auch dauernd.
mein tipp: statt ärgern lachen klappt noch am besten.

3. die schuldfrage

auf die suche nach schuldigen machen wir uns klarerweise nicht,
allerdings stellen wir uns als nächstes die frage:
was war schuld daran, dass es schief gegangen ist?
woran lag es, dass der hund (oder man selber) was falsch gemacht hat?

war der hund grade unaufmerksam oder abgelenkt?
war die übung unter diesen bedingungen noch zu schwer?
wusste der hund gar nicht, was von ihm erwartet wurde?
hat man selber die situation falsch eingeschätzt?

in der regel weiß man ganz gut, warum es grade nicht geklappt hat.
allerdings wird oft unterschätzt, dass der hund eine übung oder eine aufgabe zwar schon kann,
aber noch nicht ausreichend gefestigt und mit entsprechender ablenkung trainiert hat.
vielleicht bei der schuldfrage den aspekt nochmal genau anschauen.

4. neue chance

wenn grade was schief gegangen ist, ist das wichtigste,
dass der hund nach möglichkeit gleich (oder möglichst bald) eine neue chance bekommt
und des dann richtig machen kann.

das heißt auch: dass man die nächste gelegenheit so gestalten muss,
dass der hund es diesmal gut hinkriegt und nicht wieder den selben fehler macht.
wir wollen ihn ja auf die richtige bahn bringen,
wollen den fehler möglichst schnell vergessen machen
und ihm die möglichkeit bieten, mit dem richtigen verhalten ein erfolgserlebnis mitzunehmen.

ist der hund zum beispiel aufs rufen nicht oder nur zögerlich gekommen,
dann gibt es erstmal klarerweise keine belohnung.
man hält aber sofort ausschau nach einer neuerlichen gelegenheit, ihn zu rufen.
diesmal aus kürzerer entfernung und in einem moment, wo er unter garantie kommen wird.
dann kann man das korrekte kommen belohnen und hat es gleich wieder aufgefrischt.

für den hund ist das ganz wichtig, diese unterschiedlichen erfahrungen zu machen.
er lernt ja aus versuch und irrtum und bekommt dann mit:
komm ich gleich, krieg ich ein keksi.
komm ich nicht (gleich), geh ich leer aus.

5. neuer plan

nun reicht es natürlich nicht, dem hund immer nur eine neue – und viel einfachere – chance zu geben, etwas richtig zu machen.
wir wollen ja auch haben, dass er in schwierigen momenten verlässlich hört
oder sich gelassen verhält.

dafür brauchen wir aber einen plan:
wie üben wir mit dem hund schrittweise so, dass er auch die schwierigeren anforderungen schafft?
(der schlüsselbegriff ist dabei „schrittweise“.)
wie vermeiden wir, dass er den selben fehler in der nächsten zeit gleich wieder und wieder macht?
dazu ist ein wenig überlegung und vorausplanung von uns gefordert.

besonders wichtig ist das für alle jene situationen,
wo der hund sich mit dem falschen verhalten selber belohnt.
wenn er wegläuft und nicht kommt aufs rufen,
sondern stattdessen frisch und fröhlich minutenlange dem hasen hinterher rennt
oder genüßlich nachbars komposthaufen durchwühlt,
dann ist es mit einer neuen chance (komm aus 5 meter entfernung) nicht getan.

dazu braucht es dann einen vernünftigen trainingsplan.
doch das ist eine andere geschichte…. mehr dazu nächste woche hier im blog.
(blog abonnieren, damit du es nicht verpasst!)

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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