“die drei wichtigsten tipps für hundebegegnungen an der leine”

kaum eine alltags-situation kann so viele fragen aufwerfen wie die:  was tu ich am besten, wenn wir an der leine einem anderen hund an der leine begegnen? da kann nämlich von anfang an einiges schief gehen – und später hast du dann womöglich einen hund, mit dem hundebegegnungen an der leine nicht mehr so witzig ablaufen. oder du hast so einen übernommen.

für alle hunde gilt nämlich: bestimmte regeln sollten unbedingt eingehalten werden!

schließlich ist ein treffen an der leine immer eine beengte situation. jedenfalls aus hundesicht.
und es sind immer mindestens 4 akteure mit ihren diversen reaktionen und mustern dran beteiligt. da kann schon eine komische dynamik entstehen!

hund 1 wendet sich hund 2 zu und will schnüffeln. der mensch von hund 2 nimmt “sicherheitshalber” die leine ein bissl kürzer. hund 2 reagiert darauf etwas verklemmt, was seinen menschen veranlasst, noch verklemmter zu werden und seinen hund mehr oder weniger sachte wegzuziehen. hund 1 versteht die welt gar nimmer, beschwichtigt wegen der anspannung ein bisschen und wird daraufhin plötzlich selber an straffer leine weggezogen. häh?????? schon ist alles schief gelaufen.

wenn du solche situationen und ihre lerneffekte vermeiden willst – herr und frau hund ziehen ja aus allem sofort ihre schlussfolgerungen! und nicht unbedingt die, die dir logisch erscheinen würden – dann halte dich an die wichtigsten drei regeln:

 

1. lockeres vorbeigehen üben

es scheint banal und ist trotzdem einer der häufigsten erziehungsfehler:

ein welpe/hund muss erst mal lernen, dass man an anderen hunden an der leine locker vorbeigehen kann und soll!

der impuls ist natürlich ein ganz anderer: jöö, ein hund! nix wie hin!
zumindest bei jedem normalen welpen oder verträglichen hund.
(bei den weniger verträglichen ist es übrigens ein ähnliches verhalten, allerdings mit anderem motiv: oh, ein hund! nix wie hin – und platt machen!).

wenn hund an der störenden leine hängt, macht nix: ein bissl ziehen und schon ist man dort.

grade begeisterte neue welpen-besitzer geben dem nur zu willig nach. weil es ja so nett ist, wenn ihr welpe einen anderen hund begrüßen kann. weil welpen ja sozialkontakt haben sollen. weil man gar nicht erwarten kann, dass der nicht an der leine zieht…usw.

was der welpe lernt, ist natürlich fatal: kaum seh ih einen anderen hund, stürm ich in dem mir möglichen tempo drauflos und reg mich auf!
was beim welpen vielleicht niedlich und noch ganz gut zu halten ist, schaut dann 6 monate später ganz anders aus!

beim erwachsenen hund übrigens dasselbe: wenn der umso schneller zum anderen hund hinkommt, je größer sein gezerre und gezetere, dann wird das natürlich als fixes programm abgespeichert und ein problem (jedenfalls für seinen menschen und häufig für den anderen, womöglich etwas weniger begeisterten hund).

wenn zwei solcher hunde aufeinander treffen, potenziert sich die aufregung. und wenn sie dann gleich noch zu spielen anfangen wollen an der leine, ist das (leinen)chaos perfekt.

daher ganz wichtig: jeder hund muss vom ersten tag an lernen und üben, dass man nicht jedes mal und nicht immer sofort zu einem anderen hund hinkann, wenn man an der leine ist!

konkret heißt das:
– an der leine nicht (jedesmal) zum anderen hund hinlassen
– für hundekontakt besser ableinen (wenn das möglich ist)
– den hund nicht wegzerren vom anderen, sondern abstand halten und die leine festhalten (solange er es noch nicht besser kann)
– gezielt üben, an lockerer leine (!) am anderen hund vorbeizugehen

(wenn das mit der lockeren leine insgesamt oder jedenfalls bei hundebegegnungen noch ein thema für euch ist, dann schau dir doch mal meine online leinen-kurse an, damit haben viele schon super erfolge gehabt!)

soll das nun heißen, dein hund darf nie an der leine zu einem anderen hin?
nein, das natürlich nicht.

aber beachte bitte folgendes:

2. kontakt nur mit positiv-garantie

gegen entspannte begegnungen an der leine samt höflicher begrüßung und beschnüffeln spricht natürlich nichts. die betonung liegt dabei auf den wörtern “entspannt” und “höflich”!

also frag dich bitte:

  • kannst du sicher sein, dass dein eigener hund sich cool verhalten wird?
  • bist du sicher, dass du dich selber gelassen verhältst und die leine locker lässt?
  • bist du sicher, dass der andere hund sich völlig entspannt verhalten wird?
  • kannst du sicher sein, dass der andere mensch gelassen bleibt?
  • bist du sicher, dass dein hund den anderen nicht sofort zum spielen auffordert (und damit “leinen-salat” produziert?
  • kommst du sicher ohne leinenzerren bis zum anderen hund hin?(du willst deinen ja nicht mit hundekontakt fürs leinenziehen belohnen)

wenn du die fragen alle mit ja beantworten kannst, dann spricht gar nichts dagegen, dass dein hund einem anderen auch an der leine hallo sagt und begrüßt.  dann musst du nur noch üben – oder gute “argumente” eingesteckt haben – dass du deinen hund auch an lockerer leine wieder weiterführen kannst :-).

3. abstand halten

jetzt kann’s natürlich gut sein, dass dein hund ohnehin nicht so besonders erpicht ist auf unmittelbaren hundekontakt. oder du nicht auf die art kontakt, die dein hund derzeit so gestalten würde :-).

leine ganz kurz nehmen, vorbeischleifen und das gekläffe und gezetere ausblenden, ist natürlich keine lösung! (auch wenn man’s leider immer wieder sieht – kein wunder, dass die hunde das immer schlimmer finden und sich immer mehr gebärden!)

das zauberwort für solche begegnungen heißt “abstand”!

mit abstand mein ich jetzt aber mehr als die berühmten drei schritte grade neben den wegrand – und dann trotzdem im letzten moment in die leine springen und gezetere, weil’s halt doch zu knappp ist, wenn der andere hund gleichauf ist oder nur einmal schief schaut.

ich mein wirklich so viel abstand, dass dein hund wirklich entspannt und ruhig neben dir sitzen bleiben und darauf warten kann, dass der andere vorbei ist. das können auch mal 10 meter sein oder 20meter, wenn er es braucht. den abstand bestimmt der hund! nicht dein komfort  – was wär schon ein hundehalterleben, bei dem man nicht hin und wieder im unterholz oder halb im bach landet :-).

damit das kein dauerzustand bleibt, braucht es dann natürlich das entsprechende training, damit dein hund lernt, andere an der leine nicht zu fressen, sondern ruhig im (irgendwann) normalen abstand vorbei zu gehen. aber bis dahin ist deine einzige zuflucht der große abstand!

(such dir bitte wirklich eine/n gute/n, positiv arbeitende/n trainer/in, wenn du einen leinenpöbel hast. oder schau dir zumindest den online kurs “lockere leine – super kombi” an, bei dem es im letzten teil auch um coole begegnungen an der leine geht).

 

was sind denn deine erfahrungen bei hundebegegnungen an der leine? magst du vielleicht davon auf meiner facebook-seite berichten? ich würde mich freuen, von dir zu lesen!

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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