der ängstliche hund und sein größtes problem (und wie du vermeidest, dass du das bist)

ein ängstlicher hund hat es sowieso schon schwer.
im “normalen” leben würde er das, wovor er sich fürchtet, einfach vermeiden.
aber ein normales leben dieser art hat er mit uns menschen nicht.

er kann nicht selber entscheiden,
– wo er hingeht
– was ihm nicht in die nähe kommt
– mit wem er seine zeit verbringt
und all die ganz normalen entscheidungen, die das leben ausmachen.
hunde sind dabei von uns menschen abhängig und weitgehend fremdbestimmt.

hat der ängstliche hund glück,
so fließt sein leben dahin wie ein ruhiger fluß.
jeder tag ist mehr oder weniger das selbe.
er weiß woran er ist, er weiß, was als nächstes kommt.
doch nicht mal er ist vor gelegentlichen überraschungen gefeit
und nicht immer sind sie angenehmer natur.
es braucht ja nur ein handwerker kommen oder unerwartet ein hund oder ein traktor im wald auftauchen.

hat der ängstliche hund weniger glück, ist es genau umgekehrt.
jeder tag ist anders.
er weiß nicht genau, was auf ihn zukommt
und ob er damit klar kommen wird.

man könnte also meinen, das größte problem des ängstlichen hundes besteht darin, dass ihm begegnet, was ihm angst macht:
fremde menschen, andere hunden, laute maschinen….

doch das stimmt nicht.
es gibt noch was viel schlimmeres.

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zwang.

der zwang, sich mit dem zu konfrontieren, was er fürchtet.
näher ranzugehen, es länger auszuhalten,
dem schrecken ins auge blicken müssen.

das wird doch keiner tun, denkt man sich da.
zwang hat im umgang mit hunden sowieso nichts verloren, schon gar nicht bei ängstlichen hunden.

was wir dabei übersehen:
im alltag und erst recht, wenn wir dem ängstlichen hund “helfen” wollen,  üben wir ungewollt zwang auf den hund aus.
schauen wir uns drei typische reaktionen an:

1.  der freundlich bemühte mensch

wir haben sie alle schon mal erlebt oder waren sogar selber einer.
da kommt ein mensch und trifft auf einen hund, der sich vor fremden menschen fürchtet.
was macht man?

wenn der hund bellt, beugt sich der mensch vor, schaut ihm freundlich in die augen und erklärt:
“musst ja keine angst haben”.
das wirkt ungefähr so, als würde die vogelspinne, die zu meinem schrecken ein paar meter vor mir aufgetaucht ist, sich plötzlich zur dreifachen größe aufblasen und schon mal ihre beißerchen zeigen.

wenn der hund sich versteckt oder ausweicht,
setzt der freundliche mensch im nach und versucht, ihn von seiner ungefährlichkeit zu überzeugen.
was natürlich auch nicht klappt.

das einzig richtige wäre:
den hund in ruhe lassen oder sogar ein stück weg gehen und ihm raum geben.
was uns schwer fällt.
denn es ist nun mal kein angenehmes gefühl, wenn jemand angst vor uns hat.

je mehr wir uns um den ängstlichen hund bemühen umso schlimmer machen wir die sache.
also einfahc sein lassen.

 

2.  das gute zureden

das zu gut gemeinte bemühen ist natürlich nichts, was nur andere menschen tun.
wir selber machen das auch manchmal.
gut daran zu erkennen, dass wir dem hund “gut zureden”.

er mag nicht weitergehen,?
er fürchtet sich vor der brücke
oder will nicht in einen engen raum, an der baumaschine vorbei oder zu den kindern hin?

das letzte, was er dann braucht, ist zusätzlicher druck durchs “gute zureden”.
da kommt zur eigentlichen angst noch das gefühl, dass der mensch was will.
nämlich was, das den hudn überfordert.
besonders versanden fühlt er sich in dem moment sicher auch nicht.

viel wirksamer ist es, dem hund einfach zeit zu lassen.
präsent zu bleiben und rückhalt anzubieten
aber ihn nicht drängen oder “sachte” hinziehen oder locken.

vorsicht ist dabei auch mit leckerchen geboten:
natürlich wollen wir dem hund öfter mal eine sache buchstäblich schmackhaft machen
und belohnen die annäherung mit leckerchen.

das ist auch ok so,
solange der hund damit nicht in einen unlösbaren konflikt gerät,
weil die gier nach leckerli und die angst vor was immer beide groß sind.
also vorsichtig sein.

und akzeptieren, wenn der hund was gruselig findet
und lieber ausweichen mag.

3. “das geht halt nicht anders”

ah, hör ich da das argument, ausweichen geht halt nicht immer?
und irgendwann muss der hund das ja lernen?

ich versteh’s ja, dass es wirklich mühsam sein kann,
wenn der hund grad wieder angst schiebt.

aber appelle an den hund und die einstellung “da muss er jetzt durch”
oder “das geht halt nicht anders” helfen nichts.
sie führen nur zu zwang
(den man mit diesen argumenten rechtfertigt).

natürlich soll der hund seine angst überwinden lernen
und nicht immer ausweichen oder situationen vermeiden müssen.

das ist aber ein langsamer prozess.
und bis es soweit ist, muss es eben anders gehen.
sonst macht man für den hund alles nur schlimmer.

ganz generell lautet die devise also immer:
dem hund zeit lassen, ihn von sich aus kommen oder sich annähern lassen.
ruhe bewahren, geduldig bleiben und nicht noch zusätzlich druck auf den hund ausüben.

mehr tipps zum umgang mit ängstlichen hunden (und wie sie ihre angst überwinden lernen) gibt es im webinar “vom umgang mit ängstlichen hunden”

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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