bindungsspiele, die wirklich was bringen

bindungsspiele erfreuen sich großer beliebtheit.
kein wunder, wer hätte nicht gern eine noch bessere bindung zu seinem hund!
aber bei weitem nicht überall, wo “bindungsspiel” draufsteht, ist auch tatsächlich bindungsförderndes drin.

wobei es genaugenommen gar nicht um bindung im eigentlichen sinn geht, sondern um die beziehung zwischen hund und mensch.
die bindung entsteht schon in den ersten 15 bis 30 minuten, wo der hund sich emotional einem (neuen) menschen anschließt.
als sozial lebendes tier braucht der hund sozialen anschluss fast so dringend wie essen und trinken.
er bezieht daraus seine sicherheit und seinen rückhalt.
und zwar egal, wie gut oder wie schlecht die beziehung zum menschen in wirklichkeit ist.
hauptsache, es ist überhaupt einer für ihn da, an den er sich anschließen kann.

in wirklichkeit geht es also weniger um “bindungs”spiele und mehr um “beziehungsfördernde” spiele.
die harmonische und vertrauensvolle beziehung zwischen mensch und hund ist fast noch wichtiger als die bindung.
denn von ihr hängt die lebensqualität des hundes ab und sie entscheidet darüber, ob mensch und hund ein gutes team sind.

während wir uns viel um die erziehung des hundes kümmern,
uns manchmal sorgen machen um die bindung des hundes zu uns
(wenn uns wieder jemand erklärt hat, dass der hund keine “gute bindung” hätte, weil er nicht prompt genug kommt oder an der leine zieht – was quatsch ist),
kümmern wir uns um die beziehung meistens zu wenig.
oder in ungeeigneter form mit so manchem “bindungsspiel”, das gar keines ist.

denn was finden wir da alles?

a. aufmerksamkeitsfördernde spiele

bei den meisten sogenannten “bindungsspielen” geht es vor allem darum,
die aufmerksamkeit des hundes auf den menschen zu fokussieren
und ihn ansprechbarer zu machen oder zu halten.

was eine gute sache ist.
aber eben eine frage der hundeerziehung.
die bindung oder die beziehung zum hund beeinflusst das herzlich wenig.
(wohl aber die beziehung des menschen zum hund,
denn unsereins mag einen aufmerksamen hund lieber als einen unansprechbaren)

b. beute- und zerrspiele

angepriesen zur bindungsförderung werden auch diverse zerrspiele
oder das haschen nach “beute”, die der mensch in der hand hält.
allerdings sind auch das keine bindungsspiele.

gemeinsames spielen kann die beziehung fördern
(einfach weil jede gemeinsame aktivität, die spaß macht, gut für die beziehung ist).
gerade zerr- und beutespiele sind für den hund oft weniger lustig, als der mensch denkt,
oder sogar übergriffig. der wesentlich größere und kräftigere mensch hat dabei einen ungleichen vorteil.
und der hund tut sich schwer, loszulassen, wenn es ihm unangenehm ist oder gar wehtut.

mit den klassischen empfehlungen kommen wir also nicht weiter.
was aber können wir tun, wenn wir die beziehung zum hund vertiefen wollen?

online hundeschule
hier ein paar allgemeine tipps
(mehr und ganz besonders auf die emotionale bindung abgestellte übungen gibt es im neuen kurs-special “innige zeit”)

1. team-aufgaben

alle spiele oder aufgaben, die weder der mensch noch der hund alleine lösen können
und die daher das zusammenspiel der beiden als team erfordern, tun auch der beziehung gut.

das reicht von einfachen suchspielen – der mensch versteckt, der hund findet –
über komplexere nasenarbeit wie mantrailing
bis zu verschiedenen denksport-aufgaben, bei denen auch die zusammenarbeit gefragt ist.

zum beispiel:
der hund muss ein kompliziertes paket auspacken, um an eine kaustange zu kommen.
das paket ist erst mal außer der reichweite des hundes, er braucht also die hilfe des menschen.
im paket ist wieder ein paket und darin eine verschraubte dose und darin die kaustange nochmal eingewickelt.
für die dose braucht der hund ebenfalls die hilfe des menschen.

anderes beispiel:
mensch und hund sollen miteinander aus vielen verschiedneen bällen exakt drei grüne und zwei rote von a nach b befördern.
der mensch darf den ball dabei nicht berühren, der hund kann rot und grün nicht unterscheiden.
auch diese aufgabe schaffen die beiden nur, wenn sie miteinander arbeiten und das ganze als team lösen.

2. bitte und danke

wichtiger noch als die frage, was man miteinander tut oder spielt, ist:
wie man miteinander umgeht.

die beziehung profitiert von einem freundlichen und respektvollen umgang im alltag hundertmal mehr
als von noch so vielen “bindungsübungen”, wenn gleichzeit der alltagston etwas ruppig ist.

dabei sind vor allem wir menschen gefordert.
besonders jene unter uns, denen es wihtig ist dass der hund auch wirklich tut, was man ihm sagt.
dabei verfallen wir nämlich gerne ins kommandieren
(nicht umsonst sprach man in hundeschulen ja lange von “kommandos” statt von “signalen”, wenn es um sitz, platz oder ähnliches ging).

auch mir ist wichtig, dass meine hunde das verlässlich ausführen, wenn ich mal was verlange.
das tun sie aber auch, wenn man sie im freundlichen ton darum ersucht
(und sie – was eh klar ist – das vorher entsprechend gelernt haben).

mein tipp:
wer sich angewöhnt, seinem hund gegenüber die wörter “bitte” und “danke” in den sprachgebrauch aufzunehmen,
tut viel mehr für die beziehung als man denken sollte.
es ändert sich dadurch nämlich die einstellung zum hund gleich mit.

3. präsenz und zeit

mit hunden und menschen ist es ganz ähnlich, wie bei menschen untereinander.
eine beziehung entsteht dann, wenn man zeit miteinander verbringt.
und zwar nicht irgendwie zeit nebeneinander.
sondern bewusste, angenehm erlebte zeit, in der man wirklich für den anderen da ist.

die zeit, die man mit dem hund was unternimmt – wie den täglichen spaziergang –
sollte daher auch wirklich dem hund gehören.
nicht dem handy, nicht dem menschlichen begleiter und auch nicht den tausend dingen, die einem durch den kopf gehen.
hunde spüren das nämlich ganz genau, ob der mensch bei der sache ist oder nur physisch anwesend.

noch besser ist es, regelmäßig “beziehungszeit” einzuplanen
(ähnlich wie die “date-night” für menschliche paare),
wo man ganz bewusst den alltagsablauf mal sein lässt
und was besonderes unternimmt oder einfach nur ein ganz besonders bewusste zeitspanne miteinander verbringt.

ich hab mir das so angewöhnt, dass ich (unter anderem) jedes jahr den advent zu einer besonderen zeit für meine hunde und mich mache.
da sind die hundeschulkurse abgeschlossen, es wird etwas ruhiger und es ist ohnehin die jahreszeit, wo man sich gern auf das wichtige im leben besinnt. und gibt’s wichtigeres als die hunde? :-).

als begleitung für alle, die den advent auch zu einer ganz besonderen zeit für sich selber und für ihren hund machen wollen, gibt es daher auch heuer wieder ein kursspecial: “innige zeit” startet am 1. dezember und trägt garantiert dazu bei, eure bindung noch viel inniger werden zu lassen.
(achtung: kursspecials können NUR zum fixen starttermin gebucht werden und stehen sonst nicht zur verfügung).

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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