3 gute gründe, warum aufmerksamkeit beim hund von anfang an trainiert werden sollte

warum ist eigentlich aufmerksamkeit beim hund nichts, was in der hundeschule unterrichtet wird?
die frage bekam ich neulich und sie ist vollkommen berechtigt.

in den allermeisten hundeschulen wird bis heute kein aufmerksamkeitstraining gemacht,
schon gar nicht als eine der allerersten übungen – die das aber sein sollte.
was vermutlich daran liegt, dass man von zwei falschen annahmen ausgeht.

nämlich erstens, dass aufmerksamkeit auf den menschen sowieso vorhanden ist,
wenn der hund eine „gute bindung“ zum menschen hat.
das ist natürlich quatsch.
denn bindung und aufmerksamkeit sind zwei vollkommen unterschiedliche paar schuhe.

der welpe oder erwaschsene hund kann die tollste bindung zu seinem menschen haben
und vollkommen unaufmerksam sein, wenn sie gemeinsam draußen sind.
so wie umgekehrt ein hund gar keine bindung zu einem menschen braucht,
um ihm aufmerksamkeit zu schenken:
wenn er entweder angst vor ihm hat oder das ein netter mensch mit gut gefülltem leckerli-beutel ist.

zweitens nimmt man irrigerweise an, die aufmerksamkeit würde von selber entstehen.
im lauf des normalen trainings.
weil man den hund anspricht, rückruf trainiert und fußgehen übt.
das läuft so natürlich nicht.

die regeln für aufmerksamkeit

jedes lebewesen verteilt seine aufmerksamkeit nach fixen regeln:
als erstes bekommt alles überraschende aufmerksamkeit,
als zweites kommt alles unerwartete,
danach wird allem neuen aufmerksamkeit gewidmet
und dann erst allem wichtigen.

als mensch ist man weder überraschend noch neu,
hoffentlich aber wenigstens in der kategorie „wichtig“.

aufmerksamkeit beim hund

aufmerksamkeit muss daher geschult werden.
die besten chancen hat man dann,
wenn man ein signal für aufmerksamkeit so gut konditioniert,
dass der hund darauf im reflex reagiert,
selbst wenn irgendwas aufregendes auftaucht.

das aufmerksamkeitssignal

ein aufmerksamkeitssignal hat die funktion,
jederzeit die aufmerksamkeit des hundes auf sich lenken zu können.
es heißt so viel wie:
„nimm jetzt bitte deine aufmerksamkeit von dem da vorne/ da hinten/… weg und dreh dich zu mir, 
um mitzukriegen, was wir als nächstes machen.“

da das zu lange wäre für ein signal, verwenden wir stattdessen ein schnalzgeräusch oder ein kurzes wort wie „schau“.
und das wird dann wirklich gut aufgebaut, gezielt auch mit ablenkung trainiert,
bis es dem hund in fleisch und blut übergegangen ist
und er selbst dann noch sofort zum menschen umdreht,
wenn ein anderer hund auftaucht oder er eine maus im gras rascheln hört.

das aufmerksamkeitssignal bedeutet immer (!),
dass der hund gleich ein keksi kriegt.
er soll es außerdem nie (!) hören, ohne nicht prompt darauf zu reagieren.

dafür ist natürlich ein guter trainingsaufbau nötig.
wer beim einüben auf nummer sicher gehen möchte
(oder sein angeschlagenes altes signal neu aufbauen muss),
kann das mit der kostenlosen „aufgepasst-challenge“ machen.
du findest hier die infos dazu und kannst die gleich anmelden.

wenn du mit deinem hund noch kein aufmerksamkeitssignal hast, dann unbedingt gleich angehen!
wenn du grade einen hund neu bei dir aufgenommen hast, sollte das aufmerksamkeitssignal eine eurer ersten übungen sein.
mit gutem grund, genaugenommen mit drei guten gründen:

1. garantierte ansprechbarkeit

stell dir vor, dein hund ist in jeder lebenslage ansprechbar und hört gut auf dich.
auch, wenn euch ein anderer hund begegnet.
auch, wenn was fressbares am wegrand liegt.
auch, wenn er an der leine losziehen würde…

das aufmerksamkeitssignal ist der jolly-joker in der hundeerziehung
und macht einem das leben in vielen situationen mit dem hund leichter.
schliecht, weil man ihn jederzeit dazu kriegen kann,
sich zum menschen umzuorientieren.

natürlich kann ein aufmerksamkeitssignal nicht ein antijagd-training ersetzen
oder damit alleine ein ende der leinenpöbelei erreicht werden,
aber es legt wichtige grundlagen dafür.

2. funktionierende kommunikation

schwierig werden situationen mit dem hund dann,
wenn man das gefühl hat, die kontrolle nicht mehr ganz zu haben
und dann noch die kommunikation zusammenbricht,
weil man zum hund nicht mehr durchdringt.

mit dem aufmerksamkeitssignal erspart man sich beides:
denn egal, was auftaucht – wenn der hund auf mein signal sofort reagiert,
hab ich jederzeit die kontrolle über die lage (und den hund).
ich kann ihm klar und eindeutig mitteilen, was ich möchte – nämlich aufmerksamkeit.
ich kann ihm danach bedeuten, dass wir nun zur seite gehen, umkehren, er sich hinsetzen soll, er was liegen lassen soll….
was immer eben nötig ist.
und meine kommunikation kommt auch an, weil der hund ja seine aufmerksamkeit bei mir hat.

man erspart sich damit viel frust und ärger,
man braucht nicht an der leine rucken und der hund wo hinziehen,
man braucht kein „nein“ oder „lass das“ und kann aufs lauter werden verzichten.

das bedeutet auch: kein konflikt, keine ungute stimmung zwischen hund und mensch und eine bessere beziehung.

3. besseres timing

eine interessante nebenwirkung des aufmerksamkeitstrainings gibt es auch für den menschen.
das aufmerksamkeitssignal lebt ja davon, dass der hund jedes einzelne mal darauf prompt reagiert –
was heißt, dass der mensch es nie gibt, wenn das nicht garantiert ist,
lernt man sein timing wesentlich zu verbessern und den hund genauer einzuschätzen.

das aber ist nicht nur im aufmerksamkeitstraining hilfreich,
sondern das entscheidende element im bewältigen von alltagssituationen und im führen des hundes.

rechtzeitig dran sein, ist das um und auf in der hundeerziehung.
egal, ob ich den hund dran hindern will, was blödes zu machen oder heftig zu reagieren,
oder ob ich ihn für ein erwünschtes verhalten belohnen möchte.

es geht immer ums timing.
es geht immer drum, noch den richtigen moment zu erwischen
oder aber auf den eben zu warten.

genau das schult man im aufmerksamkeitstraining von der pike auf
und profitiert dann ein leben lang davon!

also: wer noch kein funktionierendes aufmerksamkeitssignal hat, gleich anmelden für die „aufgepasst-challenge“ (kostenlos!)

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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