ab wann darf der welpe frei laufen?

verblüffend oft bin ich damit konfrontiert, dass ein welpe nicht frei laufen darf
oder der neue hund ständig an der leine hängt.

ist das sinnvoll oder sogar nötig?
ab wann darf oder soll man einen welpen frei laufen lassen?
wann darf ein neuer hund von der leine?
und vor allem: welche probleme entstehen, wenn man es verkehrt macht?

gleich mal die antwort vorweg:
freilauf so bald wie möglich und sobald es sicher ist.
das scheint in der praxis oft ein widerspruch.
denn natürlich hat der welpe oder der eben erst angekommene hund noch keinen perfekten rückruf.

andererseits hat er auch noch keinerlei leinentraining.
womit wir schon bei einem ersten problem wären:
wenn welpe oder neuhund die ersten wochen immer nur an der kurzen leine unterwegs sind,
sind probleme mit dem leineziehen vorprogrammiert.

denn klar lässt man sie dann mal ziehen,
sie sind ja noch zu aufgeregt, um die nötige impulskontrolle für die leinenführigkeit zu haben
und gelernt haben sie’s sowiewo noch nicht.

also leine ab und einfach laufen lassen?

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das geht selbst bei manchen hunden, die schon mehr training und mehr beziehungsaufbau haben, oft schief.
warum das so ist und was man dagegen tun kann, dazu gibt es demnächst mehr tipps im neuen webinar “so klappt der freilauf ohne probleme”, für das du dir deinen platz gleich hier reservieren kannst:

der welpe und die freiheit

beim welpen ist das problem in der regel gar nicht so groß.
man hat zwar noch keinen verlässlichen rückruf aufbauen können,
man kann aber einen effekt wunderbar nutzen:

noch ist der welpe unsicher und orientiert sich von sich aus an seiner familie,
vor allem in den ersten zwei oder drei wochen, wenn sowieso alles neu ist.
das letzte, wonach ihm der sinn steht, ist sofort davonzurennen, wenn er von der leine kommt
und das weite zu suchen oder sich auf die jagd nach beute zu machen.

seine menschen sind in dieser phase außerdem extra spannend.
denn in der regel ist man grade anfangs damit beschäftigt,
dem hund seinen namen beizubringen und ihn damit zu rufen,
ihn zum spielen zu motivieren und ihn mit leckerchen zu verwöhnen.
was den menschen super attraktiv macht!

am leichtesten ist es daher, den welpen gleich in der anfangsphase an den freilauf zu gewöhnen.
und ihn natürlich tüchtig zu belohnen dafür, dass er in der nähe ist
oder dass er auf seinen menschen hört.

wartet man nämlich die ersten paar wochen oder monate zu
und versucht dann, den bis dahin deutlich selbständigeren junghund,
der vielleicht schon etwas stress aufgebaut hat oder pubertäre flausen im kopf hat,
erstmals von der leine zu lassen, hat der unglauch größere lust,
erst mal seine freiheit zu genießen!

der neue hund im freilauf?

etwas anders sieht die sache aus,
wenn man einen erwachsenen hund übernimmt.
da zählt zuerst mal die vorgeschichte:

kommt der aus dem auslandstierschutz und womöglich von der straße?
hat er jemals freilauf gehabt oder war der hund immer an der leine?
bringt er womöglich eine neigung zum jagen oder streunen mit?

davon hängt nämlich ab,  ob und wie schnell man in von der leine lassen kann.
ist es ein familienhund, der auch bislang freilauf kannte, dann geht es meistens relativ flott:

man lässt ihn erst mal ankommen,
achtet drauf, dass er eine beziehung zu einem entwickelt hat
und dass er auf einen hört – mit namen oder rückrufsignal.
man übt auch schon (im gesicherten gelände oder an der schleppleine),
dass er aufs rufen kommt.
dann kann man sich in ungefährlichem gelände schon mal trauen,
ihn ein stück frei laufen zu lassen.
(was dabei dann aber wichtig ist, dazu gibt es im webinar die notwendigen tipps)

ist der hund hingegen nur an der leine gewesen
oder weiß man schon, dass er gerne abhaut und spannenden gerüchen folgt
oder gar jagen geht,
dann ist freilauf erstmal keine option, das wäre fahrlässig.
in dem fall ist erst mal vernünftiges rückruf-training oder vielleicht sogar anti-jagd-training angesagt
und bis dahin die schleppleine.

vorsicht bei ängstlichen hunden

einen sonderfall stellen ängstliche hunde dar –
egal ob unsichere welpen oder erwachsene angsthunde.
für sie dient die leine in erster linie der sicherheit,
dass sie sich nicht erschrecken und dann in panik davonrennen
und sich in gefahr bringen oder verloren gehen.

das schlimmste, was man tun kann, ist so einen hund gleich in den ersten tagen von der leine zu lassen.
also dann, wenn alles neu, superaufregend, überfordernd und unbekannt ist
und der hund noch gar nicht weiß, wo  das “zuhause” denn nun ist,
zudem er eventuell zurücklaufen könnte.

bei ängstlichen hunden hat sicherheit vorrang.
danach kommt eine – vermutlich längere phase von stressabbau einerseits
und dem aufbau von vertrauen, selbstsicherheit und einer stabilen basis andererseits.

erst wenn die grundlagen gelegt sind und die ängstlichkeit überwunden ist,
kann man mit dem rückruftraining beginnen
(vielleicht sogar einen superrückruf aufbauen)
und dann – wenn alles bis dahin gut funktioniert hat –
den hund in sicherer umgebung mal kurz ohne leine laufen lassen.

in jedem fall gilt:
der preis für die freiheit ist die verlässliche abrufbarkeit.
die erfordert übrigens mehr als bloßes rückruftraining – doch mehr dazu dann im webinar “so klappt der freilauf ohne probleme”. 

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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