9 fehler, durch die suchspiele für den hund lächerlich leicht werden

sie sind beliebt, die suchspiele für den hund, haben aber einen großen makel:
sie sind viel zu leicht!
und erfüllen damit ihren zweck nicht.

nämlich erstens den hund sein schnüffeltalent ausleben zu lassen
und ihm zweitens dadurch geistige auslastung zu bieten.

man kann sich das etwa so vorstellen:
sagen wir, du liebst puzzles und kannst abendelang damit verbringen, ein großes puzzle zusammen zu bauen.
du bekommst ein neues geschenkt, freust dich,
packst es aus und schaust verdutzt auf eines dieser puzzles für kleinkinder,
die grad mal aus 7 riesenteilen bestehen.
die musst du nicht mal auslegen und kannst schon das bild erkennen.
das kann natürlich gar nichts.

so ähnlich geht es dem hund mit den suchspielen nach versteckten leckerchen.
er freut sich drauf, dass er ordentlich was zu schnüffeln bekommt.
und dann macht sein mensch das, was fast alle (anfangs) machen:
einige (oder alle) typischen fehler im detail, die dazu führen,
dass der hund erst gar nicht suchen muss.
dabei ginge es doch grade darum, dass er mal seine nase gezielt einsetzen kann.

suchspiele für hunde

wir menschen haben so wenig vorstellung davon, was die hundenase locker schafft,
dass wir fast automatisch in gewisse fehler verfallen.
schauen wir uns die mal anhand der leckerli-suche an:

1. geringer abstand

anfangs muss man dem hund die spielregeln fürs suchspiel erst beibringen,
daher „versteckt“ man das leckerchen nur ein paar schritte entfernt.
das darf aber nicht so bleiben!

einer der allerhäufigsten fehler ist es,
dass man auch beim schnüffelerprobten hund das leckerchen grad mal 15 oder 20 meter entfernt versteckt.
das hat er in ein paar sekunden gefunden und muss noch nicht mal lang suchen.

besser wäre:
alle paar durchgänge wird das leckerchen ein stück weiter weg versteckt
(wenn das nicht mehr geht, muss der schwierigkeitsgrad anders gesteigert werden).
ein leckerchen auf 10.000 m² zu finden, ist für einen routinierten hund kein großes ding.

2. fixe entfernung

wir verfallen als menschen gern (und unbewusst) in fixe muster.
schneller als wir denken können, haben wir uns dann angewöhnt,
die leckerchen immer im selben abstand zum hund zu verstecken.

ich kann mich noch gut an den hundemenschen erinnern,
der auf meinem trainingsgelände von ein paar tausend quadratmeter
seiner hündin das leckerchen immer exakt 17 schritte schräg links von ihr versteckte.
warum? weil das die maximale entfernung in seinem garten war
und er sich das unbewusst angewöhnt hatte.

das ergebnis?
der hund suchte ausschließlich schräg links und nicht weiter als 17 oder 18 schritte entfernt.
lag das leckerchen woanders, fand sie es anfangs schlicht deswegen nicht,
weil sie nicht auf die idee kam, woanders zu suchen.

so extrem ist das zwar nicht immer,
aber hunde lernen schnell, immer nur einen bestimmten radius abzusuchen,
wenn ihr mensch das leckerchen immer in der selben entfernung versteckt.

besser wäre:
schritte zählen, die man beim verstecken vom hund weg geht,
und dann jedes mal ein paar mehr schritte
(oder zur abwechslung auch mal ein paar weniger) machen,
um den abstand variabel zu halten.

3.  daneben stehenbleiben

noch weniger suchen muss der hund,
wenn er weiß, dass er einfach einen umkreis von zwei oder drei metern um seinen menschen absucht.
er läuft also dorthin, wo sein mensch steht,
und gleich da irgendwo ist das leckerchen dann.

das entsteht dadurch, dass der mensch zwar vom hund weg geht –
manchmal durchaus auch weit –
dann versteckt der das leckerchen, geht ein paar schritte zur seite
und gibt seinem hund das signal zum suchen.

richtig wäre:
leckerchen verstecken und dann ganz zum hund zurückgehen,
bevor man ihm das signal zum suchen gibt.

4. leckerchen werfen

wer sich langes rumlaufen ersparen will und die leckerchen wirft,
oder wer das zu versteckende leckerchen auch nur im gehen ein stück zur seite wirft,
produziert eine bewegung (das leckerchen, das fliegt), der der hund mit den augen folgt.

der sucht dann auch nur mit den augen weiter
und schaltet die nase gar nicht erst ein.
wird das leckerchen weit geworfen, wird zusätzlich noch der hetzreflex aktiviert,
mit gezielter sucharbeit hat das nichts mehr zu tun.

besser wäre:
das leckerchen (so wie jedes andere suchobjekt) möglichst unauffällig hinzulegen
oder unbemerkt im gehen neben sich zu boden rutschen lassen,
damit der hund nicht durch eine bewegung abgelenkt wird, sondern dem geruch folgt.

5.  verstecke neben fixen objekten

verstecke sind für uns menschen gern fixe gegenstände,
wie steine, bäume, bänke, geräte oder sonstiges, das da herumsteht.
wir neigen unbewusst dazu,  das leckerchen für den hund dahinter oder daneben zu verstecken.
vielleicht, weil wir uns so leichter merken können, wo es ist.

dummerweise merkt sich das der hund aber auch.
er sieht uns zu, wo wir da herumhantieren,
merkt sich die stelle und einfach hin.
siehe da, da liegt auch schon das leckerchen!

dasselbe gilt übrigens auch dann,
wenn man das leckerchen zwar auf der freien fläche versteckt,
sich dafür aber bückt (weil man’s ja nicht werfen soll) und sich NUR dort bückt.
da hat der hund auch schnell raus: das keksi ist dort, wo mein mensch sich gebückt hat.
er merkt sich die stelle, rennt hin und hat es schon.
die nase braucht er dazu gar nicht.

besser wäre:
das leckerchen auf freier fläche verstecken
und sich entweder gar nicht bücken (es nur unauffällig verlieren)
oder sich an vielen stellen bücken, um den hund zu täuschen, aber nur an einer stelle ein leckerchen auszulegen.

6. mehrere leckerchen verstecken

natürlich könnte man bei suchspielen auch wirklich mehrere leckerchen verstecken.
die hundenase käme dabei tatsächlich zum einsatz und hätte vernünftig was zu tun.

(wenn die leckerchen nicht alle nur an einer stelle ausgestreut werden,
dann muss er nämlich nur noch aufsammeln.
dieses „sprinkling“ oder leckerchen streuen kann durchaus seinen sinn haben,
als mittel gegen stress beim hund oder um ihm in ner schwierigen siuation was zu tun zu geben,
es hat nur mit gezielter sucharbeit wenig zu tun).

die schwierigkeit beim verstecken von mehreren leckerchen besteht vor allem darin,
dass der hund ja nicht wissen kann, wieviele man versteckt hat
und daher immer weiter sucht und weiter sucht –
und in wald und wiese dann oft auch wirklich noch was findet,  was da aber keiner versteckt hat.
abrufen lassen sich manche dann schwer oder nur unter frust.

besser wäre:
nur ein einziges leckerchen verstecken, damit der hund weiß:
wenn er das gefunden hat, ist die suche fertig
und er muss zu seinem menschen zurück, damit das spiel weiter gehen kann.

7. suchen im wohnzimmer

mehrere leckerli werden gern bei suchspielen im wohnzimmer versteckt
(da ist das risiko, dass der hund sich dem menschen dabei entzieht, ja auch nicht gegeben).

ganz am anfang oder bei einem welpen kann das ein netter kleiner zeitvertreib sein.
allerdings kennt der hund die verstecke innerhalb kürzester zeit alle
und sucht aus dem gedächtnis alle stellen ab – mehr oder weniger hektisch –
statt seine nase einzusetzen.

besser wäre:
für drinnen andere formen der nasenarbeit aufbauen, wie zum beispiel die geruchsunterscheidung.

8.  begleitung beim suchen

manchen menschen fällt es schwer, den hund alleine suchen zu lassen.
sie gehen unwillkürlich ein stück mit
oder gar die ganze zeit ein stück hinter dem hund her.

ob das nun daran liegt, dass man besser sehen möchte, ob der hund das gesuchte findet,
der ihn mit faszination beim suchen beobachtet
oder einfach die kontrolle übers geschehen ein stück weit behalten möchte, tut wenig zu sache.

das ergebnis ist nämlich dasselbe:
man lenkt den hund unbewusst oder stört ihn bei suchen.
wer mantrailing macht, kennt das ja: da zögert der mensch nur ein wenig
oder dreht sich zu sehr in eine richtung, und schon denkt der hund,
das wäre ein hinweis, wo es lang geht.

es kann sogar passieren, dass hunde die ganze zeit unbewusst gelenkt
und so ins zielgebiet geführt werden (die ungefähre stelle hat der mensch sich ja gemerkt),
beim suchen aber scheitern, wenn sie es dann mal alleine machen sollen.
sie arbeiten nämlich kaum mit der nase, sondern richten sich nach ihrem menschen.

besser wäre:
wenn man zum hund zurückgegangen ist nach dem verstecken
und ihn an der stelle mit seinem such-signal losgeschickt hat,
dann dort stehenbleiben und ihm aus der ferne zuschauen.

9. störende signalwiederholung

wenn man den hund mit dem such-signal mal „gestartet“ hat,
sollte der in ruhe suchen können.
nur allzugern hört man aber ein wiederholes „such, such“ und kurz darauf gleich noch ein „such“.

das passiert in zwei varianten:
(von denen, die einfach alle signale immer wiederholen, wollen wir mal gnädig schweigen).
die einen, die wohl ihren hund anfeuern wollen oder selber ihre begeisterung nicht zurückhalten können.
und die anderen, die jedesmal, wenn ihr hund kurz zögert oder sie zwischendurch anschaut, denken,
der wüsste jetzt nicht mehr, was er tun soll, und die daher das signal erneuern.

in wirklichkeit hilft man dem hund damit gar nicht.
wenn er am suchen ist (mit oder ohne zögern), stört jedes zusätzliche anreden nur.
und wenn der hund hilfesuchend zum menschen schaut, weil er das gesuchte nicht gleich findet,
dann bringt man ihm mit weiteren signalen oder gar hilfestellungen nur dazu,
statt die nase zu verwenden, den menschlichen assistenten einzusetzen und die sache abzukürzen.

besser wäre:
den hund in ruhe suchen zu lassen.
auch wenn er eine weile braucht (das ist ja sinn der sache!),
ihm die chance zum eigenständigen arbeiten und zum sucherfolg lassen.

fazit:

hunde haben eine sensationelle nase und können damit dinge tun, die wir kaum erahnen können.
wenn wir sie lassen!

schaut also, dass euer hund bei den suchspielen wirklich auf seine kosten kommt,
dass die suche anspruchsvoll gestaltet ist und er eine weile suchen kann,
bevor er dann findet, was versteckt war, und sich freuen kann.

bleibt auch nicht nur beim allereinfachsten suchspiel, der leckerli-suche, stecken,
sondern macht die sache spannender und nutzt die anderen formen der nasenarbeit für den hund,
die sich mindestens genauso leicht – oft sogar einfacher – in den spaziergang und den alltag einbauen lassen.
wer anregungen und trainingsanleitung dafür sucht: wir starten gerade mit dem kurs „schnüffelnase“,
in dem drei komplexe aufgaben aufgebaut werden, infos gibt’s hier.

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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