5 mythen (und fakten) zum thema stress beim hund, die dich vielleicht überraschen werden

stress beim hund ist ein thema, mit dem jeder hundemensch sich heutzutage auseinandersetzen muss.
denn ob man will oder nicht: stress gehört zum hundeleben dazu.
hoffentlich nur kurzfristig oder phasenweise (was nicht so schlimm ist).
oftmals aber als mitgebrachte challenge  (bei hunden mit vorgeschichte), als hausgemachtes problem (bei junghunden oder falschem händling) oder in bestimmten lebensphasen (wie übersiedlung oder ähnlichem).

daher ist es erstens wichtig, dass wir stress frühzeitig erkennen beim hund.
dazu gibt es die notwendige info beim (kostenlosen) webinar “fröhlich, aufgeregt oder gestresst? stress beim hund erkennen” diesen dienstag, zu dem du dich gleich hier anmelden kannst:

und zweitens ist noch wichtiger, zu wissen, was man dann tut.
dazu muss man einige grundlegende fakten über stress verstehen.

stress ist ja erst mal nichts anderes als aufregung im hund,
ein anstieg der erregungskurve, der bei bestimmten auslösern auftritt.
solang diese kurve im lauf des tages und der nachtruhe wieder abflacht und auf “null” zurückgeht, ist alles in ordnung.
probleme gibt es dann, wenn längere zeit oder intensiverer stress auftritt und der hund in eine chronische stressbelastung gleitet.

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obwohl stress beim hund inzwischen breit diskutiert wird, halten sich hartnäckig einige missverständnisse,
die leider dazu führen, dass man das problem nicht in den griff bekommt.
daher wollen wir hier mal die häufigsten 5 mythen als das entlarven, was sie sind:

falsch.

mythos 1:  eustress ist ok, nur der distress ist ein problem

es gibt ja in der psychologie die unterscheidung zwischen einerseits dem “guten” eustress,
der durch positive aufregung entsteht: wenn man sich sehr freut, im lotto gewinnt oder seine traumhochzeit feiert.
dem steht auf der anderen seite der “böse” distress gegenüber,
also aufregung, die durch negative ereignisse ausgelöst wird: durch angst und schrecken, durch schmerzen oder einen großen verlust.

falsch.

stress ist stress.
dem körper ist egal, ob ich im lotto gewinne oder mein auto zu schrott fahre,
es werden die selben stresshormone produziert, die zu den selben physiologischen mechanismen
und zu den selben verhaltenssymptomen führen (unruhe, schlaflosigkeit,….)

der hund hat gleichermaßen stress, wenn er wild rumtobt mit anderen hunden
oder wenn er feindselige begegnungen mit anderen hunden hat.
(nur für den menschen macht es einen unterschied: der hat den stress nur bei den feindseligen begegnungen).

mythos 2: hunde nehmen sich soviele schlafphasen, wie sie brauchen

anhaltender stress führt beim hund zu erschöpfung.
nun sollte man denken, dass der hund dann einfach mehr ruht,
dass er sich öfter zurückzieht und fester schläft.

leider ist das gegenteil der fall.
gestresste hunde kommen schlecht zur ruhe
(gestresste menschen schlafen ja in der regel auch schlechter).
sie sind zwar erschöpft, aber die ansammlung an stresshormonen im körper hält sie auf den beinen.

ganz typisch kann man oft beobachten, dass der hund sich irgendwo hinlegt zum schlafen,
kurz später aber wieder aufsteht, kurz rumwandert, sich woanders hinlegt,
wieder aufsteht, und so weiter.
oder sie lassen sich von jeder leisesten bewegung oder jedem kleinsten geräusch aus dem schlaf aufschrecken.
selbst die schlafphasen, die sie haben, sind in der regel weniger erholsam als jene beim entspannten hund.

einen deutlichen rückzug und geradezu lethargisches verhalten sieht man erst bei hunden,
die im hochgradigen stress festhängen und gar nicht mehr wissen, was tun.
da entwickeln manche dann stereotypien und andere werden lethargisch.

mythos 3: stress entsteht nur, wenn der hund mit etwas probleme hat

es stimmt natürlich: wenn der hund mit etwas nicht zurecht kommt,
wenn eine situation ihn überfordert oder er etwas nicht bewältigen kann,
entsteht natürlich stress.

aber nicht nur dann!

aufregung und damit stress entsteht auch bei allem,
wo der hund hohe körperliche aktivität aufbringt.
denn um das zu können, muss der körper mittels stresshormonen auf “aktivierung aller nötigen systeme” schalten.
(das zählt ja zu einer der kernaufgaben von stress).

damit entsteht der stress auch beim schnellen rennen,
bei wilden hundspielen, beim hinterherhetzen hinter frisbee oder ball, usw.

du musst dir den hund ja nur mal anschauen, wie er dreinschaut
(und wie konzentriert oder aufmerksam er noch ist),
wenn er grade rumgetobt hat wie ein blöder oder im affenzahn über die wiese gebrettert ist.
die stressmimik wird unübersehbar sein.

eine anmerkung dazu: das heißt nun nicht, dass hunde nie laufen dürfen oder nicht mit anderen hunden spielen sollen.
das sollen sie natürlich, aber in maßen!
und man muss es in der täglichen stressbilanz des hundes berücksichtigen und ggfs. für entsprechenden ausgleich sorgen.

mythos 4:  der hund wächst aus dem stress wieder raus

dass der stress “von selber” wieder verschwindet, ist leider ein frommer wunsch.
es stimmt zwar, dass hunde meist im alter von 2 – 3 jahren etwas reifer und damit ruhiger werden.
es stimmt auch, dass der stress durch die übersiedelung in ein neues zuhause sich durch die gewöhnung daran legt.

aber…

das gilt nur für hunde, die nicht bereits eine stressbelastung haben
und die daher imstande sind, einen kurzfristigen (ein paar wochen dauernden) stress in den wochen und monaten danach wieder abzubauen.

ist aber mal eine chronische stressbelastung vorhanden, dann verschwindet die nicht von selber.
jedenfalls solange nicht, wie immer weiter noch stress im alltag besteht und die belastung womöglich noch wachsen lässt.
die stresshormone im körper lösen sich nicht in luft auf,
weil der hund seinen zweiten geburtstag feiert oder er nun seit 6 monaten im neuen zuhause lebt.

die verschwinden nur, wenn der körper zeit hat, sie langsam abzubauen
und das in einer phase, in der nicht dauern neuer stress dazu kommt.

über die lerneffekte, die der hund dazu noch hat,
und vielen aufmerksamkeitsheischenden marotten (hochspringen, leinebeißen….)
oder ungeliebten verhaltensweisen (alles verbellen, leinenpöbeln,….)
die aus dem stress entstanden sind und dann als erfolgreich abgespeichert werden,
wollen wir erst gar nicht reden.

zuwarten und hoffen ist also eine denkbar schlechte strategie.

mythos 5: am besten hilft stressabbau gegen stress

es ist so naheliegend für unsereins:
wenn der hund zuviel stress hat, dann wollen wir den weg bekommen.
man gebe uns also bitte etwas, wie wir den stress aus dem hund wieder rauskriegen, also stressabbau.

der ist natürlich wichtig.
noch wesentlich wichtiger ist allerdings etwas anderes:
stressvermeidung!

der stress entsteht ja normalerweise dadurch,
dass der hund im lauf des tages mehr aufregung hat, als er verkraften kann
und sich das im hund sammelt.
und zwar täglich.

so viel kauen, schlafen oder schnüffeln kann man normalerweise gar nicht betreiben,
dass sich der angesammelt stress UND der täglich neu dazukommende damit abbauen ließen.

man kann sich das wie ein gefäß vorstellen,
dass bereits ziemlich voll ist,
und in das jeden tag noch 1 liter eingefüllt wird.
der ablaufhahn aber tropft nur ganz langsam und kann vielleicht 1/4 liter pro tag rauslassen.

das geht sich nie aus.
will man das gefß halbwegs leeren,
muss man aufhören, jeden tag 1 liter nachzufüllen
und gleichzeitig den ablaufhahn aufmachen.
dann erst klappt es.
sprich also: stressvermeidung ist noch wichtiger als stressabbau!

in der regel kommt man bei einer vorhandenen stressbelastung nicht um eine phase systematischem anti-stress-programm herum, bei dem stressvermeidung und stressabbau eine rolle spielen, bei dem man die geeigneten maßnahmen für die stressvermeidung setzt und bei dem der hund gleichzeitig entspannung kennenlernt und gelassenheit einübt. genau das gibt es im kurs “cooler hund”. schau vielleicht mal rein…

 

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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