wieviel (geistige) auslastung braucht der hund? 5 entscheidende faktoren

die frage, wieviel geistige auslastung der eigene hund nun wirklich braucht, beschäftigt wohl alle hundemenschen.
schließlich hört man dazu die unterschiedlichsten dinge:
das reicht von: der hund braucht außer seinem täglichen spaziergang gar nichts (falsch)
bis zu: der hund braucht jeden tag neue aufgaben für nase oder kopf (auch falsch.

nur allzuoft bleibt ein mulmiges gefühl, dass man seinem hund nicht genug bietet oder ihn zu wenig beschäftigt.
was stimmt nun wirklich?

die ehrliche antwort?

online hundeschule

das kommt darauf an.
es kommt auf den hund an.
auf seine lebensumstände, auf seine veranlagung und interessen und nicht zuletzt auf sein alter.
denn klarerweise gilt für einen welpen etwas anderes als für den kraftstrotzenden dreijährigen oder den hundesenior.

was in welchem hundealter genau zu beachten ist, darauf gehe ich demnächst genauer ein im (kostenlosen) webinar „altersgerechte auslastung für den hund“, bei dem es unter anderem einen kleinen test zur feststellung des auslastungsbedarfs deines hundes gibt und  für das du dir gleich hier deinen platz reservieren kannst:

hier erst mal ein grober überblick, welche faktoren für den bedarf an geistiger auslastung eine rolle spielen:

1.  der hundetyp

nicht jeder hund hat die selben bedürfnisse.
das gilt für viele unterschiedliche bereiche im hundeleben und genauso für die geistige auslastung.

was den einen schnell langweilt, stellt den anderen vor knifflige aufgaben.
was den einen lange beschäftigt, ödet den anderen schnell an.
worauf der eine sich mit begeisterung stürzt, das interessiert den anderen gar nicht.

grundsätzlich gilt die regel:
je intelligenter der hund ist, desto anspruchsvoller muss die geistige auslastung sein.
je sensibler der hund ist (und damit je intelligenter, das geht offenbar immer hand in hand), desto abwechlsungsreicher muss die auslastung sein.

bei den hundetypen gibt es natürlich ebenfalls unterschiede:
auch hier eine kleine faustregel:
zuerst ausprobieren, ob der hund lieber nasenarbeit oder denkspiele mag.
bei jenen, die am liebsten schnüffelspiele machen, muss man darauf achten, die immer schwieriger zu gestalten.
bei jenen, die lieber denkspiele machen, muss man immer wieder was neues anbieten.

 

2. die lebenswelt

ein hund, der täglich von seiner umwelt sehr gefordert ist und viel neues zu verarbeiten hat,
braucht normalerweise weniger zusätzliche geistige anregung (ausgenommen im stress, siehe punkt 3).

wenn der hund viel unterwegs ist, laufend neue umgebung zu erkunden hat,
wenn er kontakt zu vielen und immer wieder neuen hunden hat,
dann beschäftigt das alles ja immer auch seinen kopf.
denk- oder schnüffelspiele dienen im eher als ausgleich oder als ergänzung.

anders ist das bei hunden, die wenig mit neuen situationen konfrontiert sind
oder die mit laufend vielen reizen auch gar nicht umgehen könnten.
routine und die selben spazierrouten tun ihnen vielleicht zwar gut,
lassen es dann aber an der geistigen anregung mangeln.
sie brauchen dann mehr an geistiger auslastung und bewusst auch öfter was neues.

3.  der stresspegel

stress entscheidet massgeblich darüber, wieviel geistige auslastung ein hund braucht.

denn einerseits haben wir es häufig mit hunden zu tun, die (aus unterschiedlichen gründen) draußen schnell mit zuviel aufregung konfrontiert sind und für die lange erkundungsspaziergänge daher nicht wirklich in frage kommen.
bei ihnen muss man die fehlende auslastung draußen durch denkspiele oder schnüffelaufgaben drinnen kompensieren.

andererseits trägt geistige auslastung zur bewältigung von stress bei.
natürlich nur dann, wenn sie richtig gemacht ist und den hund nicht zusätzlich hochpuscht oder überfordert.
das liegt daran, das die denkarbeit den hund darin unterstützt, mit dem überlegten handeln zu lösungen zu kommen,
und nicht einfach nur blindlings zu reagieren.

ist der hund nochdazu eher unsicher (und deswegen gestresst), spielt die geistige auslastung nochmal eine andere rolle:
er kann dabei spielerisch erfolgserlebnisse sammeln und sein selbstvertrauen aufbauen.

zu beachten ist dabei immer eines:
je gestresster der hund ist, desto schlechter kann er sich konzentrieren.
eine halbe stunde tricktraining macht die sache dann nur schlimmer.

also besser immer nur ganz kurz und dafür öfter.
ganz kurz kann im extremfall (nämlich hoch gestresst, hoch sensibel, eher ängstlich) auch heißen:
nur zwei oder drei wiederholungen und dann pause. und später weiter.

4. die aktuelle phase

es gibt immer wieder phasen im leben des hundes oder des menschen,
wo die geistige auslastung eine größere rolle spielt als in anderen:

wenn der hund verletzt ist und ruhig gehalten werden muss,
wenn der mensch krankt ist und ein paar tage nicht viel mit dem hund raus kann,
wenn außergewöhnliche umstände wie urlaub oder handwerker für extrastress sorgen, dem man entgegenwirken will,
oder wenn mal schlicht wirklich mieses wetter die spaziergänge deutlich verkürzt.

für solche phasen lohnt es sich immer,
ein paar schnüffelspiele im ärmel oder die zutaten für ein paar extra denkspiele parat zu haben.

beim durchschnittlichen hund kann man als faustregel anwenden:
pro halber stunde spazierengehen, die entfällt (wegen krankheit, verletzung,….), fünf bis zehn minuten extra denksport.
selbes gilt für extra aufregung: an jedem tag mit zusätzlichem stress (besucher, urlaubsreisen,….) fünf bis zehn minuten ruhige (!) denkspiele extra.

die faustregel muss natürlich wieder angepasst werden an die ersten drei hier genannten punkte.
(leider ist das mit den faustregeln bei hunden keine einfache sache ;-)).

5. das hundealter

geistige auslastung ist in jedem hundealter ein thema.

beim welpen, weil er dabei spielerisch das lernen lernt und weil es die beziehung zum menschen stärkt.
beim junghund, weil der mit seiner vollen energie anders ohnehin nicht müde zu kriegen ist.
beim erwachsenen hund, weil er oft nur dadurch zu ausreichend neuen eindrücken und geistiger anregung kommt.
beim alten hund, weil er im kopf fit bleiben soll und oft körperliche ein wenig eingeschränkt ist und den ausgleich durch denksport braucht.

selbstverständlich kommt es dabei auch wieder auf den hundetyp an und darauf,
was er schon alles kennt und kann und wie er im lauf seines lebens gefördert wurde.

als richtschnur kann man hier ansetzen:
die ganz kleinen bekommen alle paar tage ganz kurze denk- und schnüffelspiele, weil sie sich noch nicht lang konzentrieren können und das leben sowieso viel neues bereit hält.
die erwachsenen hunde kann man durchaus fordern und täglich mit auslastungsaufgaben beschäftigen.
die älteren semester bekommen wieder kürzere einheiten an denkspielen, die aber auch bei ihnen (die schon viel kennen) neue anregungen bieten.

genauer auf die altersgruppen und ihre bedürfnisse wird dann im webinar „altersgerechte auslastung für den hund“ eingegangen. gleich anmelden (kostenlos).

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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