“wenn dein hund nicht weitergehen mag: gibst du nach oder muss er trotzdem?”

ich bin überrascht, wie oft diese frage und dieses problem auftauchen:  da geht man schön mit seinem hund spazieren und plötzlich will er nicht weiter. muss extra überredet werden, um wieder ein paar meter zu gehen oder weigert sich überhaupt, noch einen schritt zu tun. oder er setzt sich gar hin und ist durch nichts zu bewegen; legt sich hin, drückt sich an den boden und rührt sich keinen zentimeter mehr weiter.

was tun?
wie reagierst du dann richtig?
darf er selber entscheiden oder muss er trotzdem weiter?

die fragen stellt man sich dann natürlich.

wobei die fragen sich ja auf zwei ebenen erstrecken:

a) die akute situation
wie wältige ich die situation in diesem augenblick am besten?
warum geht der hund nicht weiter?
soll ich ihn irgendwie zum weitergehen motivieren oder nachgeben und umdrehen?

b) die beziehungsebene
wieviel entscheidungsfreiheit / orientierung am menschen hat der hund?
wieviel sollte er haben und braucht er ganz generell? (also wie “gehorsam” muss er sein).
wie sieht die beziehung zwischen dem hund und mir aus und welcher typ hund ist es?

übrigens: zur beziehung mensch und hund gibt es ein kostenloses webinar von mir unter dem titel “die magie von mensch und hund –
eine ganz besondere beziehung und wie du sie gestalten und entfalten kannst” !

aber was gilt es nun zu tun, wenn der hund nicht weitergehen will?
hier sind die wichtigsten 3 fragen (und ein paar antworten), die als orientierung helfen können

1. hat der hund einen guten grund?

als allererstes gilt es natürlich, den grund herauszufinden, warum der hund nicht weitergehen will. manchmal erscheint etwas nur uns menschen unerklärlich oder willkürlich, aus der hundeperspektive gibt es vielleicht einen guten grund.  folgende drei sind dabei sehr häufig (und berechtigt!)

  • dein hund ist einfach müde
    wenn dein hund einfach schon genug hat, müde ist oder bei hitze einfach nicht weiter mag, dann hat er natürlich recht, einen weg zu verweigern, von dem er weiss, dass es noch weiter von zuhause weg geht! in dem fall bitte eine reuige anmerkung an dich selbst, dass du ihn nächstes mal bitte nicht mehr überforderst, und auf schleunigstem weg nach hause.
  • dein hund wittert gefahr
    für dich ist die luft vielleicht rein und weit und breit nichts böses zu bemerken. die sinne deines hundes sind aber viel schärfer. vielleicht spürt er schon, dass ein gewitter im anmarsch ist (und hat angst vor gewittern) und geht deswegen nicht weiter von zu hause weg? oder er hört bereits, dass der weg auf einen traktor und waldarbeiter zuführt und hat angst vor den großen maschinen? wenn angst dahinter steckt, darfst du deinen hund logischerweise nicht direkt bis in die gefahrenzone zwingen, andererseits soll seine angst auch nicht auf ewig bestand haben:-  also erst mal einschätzen, ob der hund sowieso schon an seinem limit ist (weil er schon die letzten 50meter nur dir zu liebe noch mitgekommen ist), dann bitte gleich umdrehen, in aller ruhe.

    – oder ist es das erste zögern? und du kannst mit etwas aufmunterung oder einem netten suchspiel in die “gefährliche” richtung deinem hund zeigen, dass alles ok ist, er sich auf ein paar mehr schritte einlassen und eine positive erfahrung machen kann. und dann erst drehtst du um. mach das aber bitte nur, wenn du dir sicher bist, dass dein hund wirklich eine positive erfahrung mitnimmt und nicht plötzlich der mähdrescher brummend vor euch auftaucht!

    – und dann überlegst du dir als nächstes, wie ihr dieses angst-thema am besten bearbeiten könnt, so dass dein hund seine angst möglichst überwindet. angst haben ist nämlich nie etwas schönes! (hol dir dazu gegebenenfalls professionelle unterstützung, damit nichts schief geht).

  • dein hund hat eine schlechte erfahrung
    wenn dein hund auf genau dieser strecke schon mal ein schlimmes erlebnis hatte, hat er natürlich auch einen guten grund, sie zu meiden! ob er sich nun vor einem plötzlichen knall erschreckt hat, genau dort das gewitter aufgezogen war, er eine sehr unangenehme begegnung mit einem anderen hund hatte oder was immer…… du weißt es wahrscheinlich, was passiert ist, wenn du ein bisschen nachdenkst.
    dann arbeite dich mit deinem hund schritt für schritt in dieses gelände vor, immer ein paar schritte mehr, mit belohnung verknüpfen (leckerli oder spielen) und deinem hund zeigen, dass er in sicherheit ist. er muss erst wieder vertrauen gewinnen und die erfahrung machen, dass ihm auf diesem weg nichts böses mehr droht, also lasst euch zeit dabei! heute 3 meter und umdrehen, morgen nochmal 3 meter dazu und umdrehen, und so weiter….

 

2. hast du ihm das beigebracht?

das klingt jetzt vielleicht blöd, aber manche hunde sind wie eine parkuhr:
man muss regelmäßig ein leckerli einwerfen, damit es weiter geht :-).

das passiert schneller, als man manchmal denkt!

da hat man diesen angsthund, ein wirklicher schüchti, dem man anfangs alles mit einem leckerli alle paar meter schmackhaft machen musste.  anfangs war das auch tatsächlich richtig und wichtig, der hund hat aber schnell sicherheit aufgebaut, das leckerli-einwerfen vom menschen ist aber geblieben. und zur gewohnheit geworden. zu etwas auf dem der hund jetzt besteht.
daher bleibt er stehen, wenn es zeit ist fürs nächste leckerli….

das passiert übrigens nicht nur bei ängstlichen hunden!

denn was ist denn die reaktion von unsereins, wenn der hund stehenbleibt und sich nicht mehr weiterbewegen will? man kramt nach dem keksi, um ihn zu locken!
was natürlich streng genommen eine belohnung fürs stehenbleiben ist.

hunde nehmen das ganz oft ganz streng :-).
und bleiben stehen. bis das nächste keksi kommt.

wenn das bei euch der fall ist, dann gibt es zwei möglichkeiten:

– ignorieren. es gibt einfach kein keksi mehr fürs stehenbleiben. du stehst einfach so lange in der landschaft, bis herr oder frau hund geruht, wieder eine pfote zu bewegen.
– das gehen belohnen. keksi gibt es nur, wenn/solange der hund in bewegung ist, aber sicher nicht mehr, wenn er stehen bleibt.

in beiden fällen braucht der mensch vor allem geduld (noch mehr als keksi) … wenn du’s eilig hast, kann das natürlich nicht. aber eilig haben darf man es bei hunden möglichst eh nicht!

 

3. hat der hund seinen eigenen kopf?

geht dein hund nicht weiter, weil er partout in eine andere richtung will?
oder einfach keinen bock mehr hat und genau weiss, was er will und was nicht?

dann ist das eine frage eurer beziehung.

gehörst du zu denen, bei denen der hund immer seinen willen kriegt? (wenn es im alltag sonst keinerlei probleme gibt, ist das euch überlassen, ob du das ok findest).
gehörst du zu denen, bei denen es immer nach deinem willen geht und der muss sich fügen? (wenn es ohne druck und zwang abgeht und es im alltag sonst keinerlei probleme gibt, ist das auch euch überlassen).
ist es bei euch mal so und mal so? (das ist die variante, die bei uns gilt: meistens entscheide ich, aber manchmal dürfen auch die hund wählen, wohin sie (nicht) wollen).

ein bisschen kommt es natürlich auch auf den hund an!

wenn ich einen hund hätte, der total verunsichert ist und sich nie einen schritt von meiner seite wagt, würde ich vermutlich freudentänze veranstalten, wenn er sich mal traut, seinen eigenen kopf zu haben! (halt innerliche freudentänze, um ihn nicht zu verschrecken)

wenn es ein sturschädel von hund ist, der sich nie um mich kümmert, würde ich insgesamt daran arbeiten, unsere beziehung zu verbesseren und den hund dazu zu kriegen, sich mehr an mir zu orientieren (schließlich leben wir nun mal in einer menschen-welt und es ist eindeutig von vorteil für den hund, wenn er sich an mich hält und zum beispiel verlässlich kommt, wenn ich ihn rufe).

grundsätzlich gilt also immer:

nichts mit gewalt und druck erzwingen!
der sache auf den grund gehen und die ursache angehen.
die beziehung zum hund und den hundetyp im auge behalten!

dann sollte es auch im alltag gut weiter gehen :-).

und wie gesagt: zum thema beziehung gibt es am 28.5. das kostenlose webinar. hier findest du weiter infos und kannst dich auch gleich anmelden.

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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