was ist die beste hundebelohnung: lob, leckerli, spiel oder streicheln?

welche form der hundebelohnung wirkt eigentlich am besten?
man hört dazu ja ganz unterschiedliches:
leckerchen, aber bitte wirklich schmackhafte.
lieber lob und zuwendung statt dauernd füttern.
nein, doch lieber ein aktivierendes spiel, um den hund von starken reizen wegzukriegen.
was ist nun richtig?

da gibt es nur eine richtige antwort:
es kommt darauf an…

es kommt einerseits auf den hund an und andererseits auf die situation.
daher wollen wir uns die einzelnen belohnungsformen genauer anschauen.

gleich vorweg aber eines:  wir reden hier davon, was am besten als belohnung wirkt.

die beste wirkung für den trainingserfolg hängt noch von einigen anderen faktoren ab, allem voran dem timing der belohung, des signals und der lernschritte. dazu gibt’s mehr info im webinar “timing tipps fürs training”.

natürlich gibt es aber kein lernen ohne die passende belohnung.
worauf gilt es dabei also zu achten?

was wirkt als belohnung?

grundsätzlich gilt: alles, was der hund als angenehm erlebt und/oder die situation für ihn verbessert, stellt eine belohnung für sein verhalten dar.

im hundetraining gibt es den spruch: “am besten wirkt das als belohnung, was der hund gerade am meisten möchte”.
klingt logisch.
ist aber nicht so einfach.

wenn der hund grad einem hasen nachsetzen will, ist das, was er am meisten möchte der hase.
den grade kann er aber nicht haben.

daher gehen viele dann her und nehmen stattdessen einen anderen bewegungsreiz:
sie werfen einen ball für den hund (in die gegenrichtung).
was oft funktioniert.

allerdings puscht man den hund damit hoch und die nächste hasenbegegnung wird umso schwieriger.
genau genommen, nicht nur die hasenbegegnung, sondern alles, wo der hund einen klaren kopf und gute impulskontrolle braucht.
damit ist das ganze mittelfristig eher kontraproduktiv.

was also tun?
schauen wir uns die belohnungsformen der reihe nach mal an.

lob

mit lob ist die stimme des menschen in freundlichem tonfall und vielleicht sogar mit einem eingeübten lob-wort gemeint.
loben signalisiert dem hund, dass der mensch zufrieden ist mit dem, was er tut.
und es ist natürlich eine form von aufmerksamkeit.
aufmerksamkeit ist ja immer ein belohnung, in jeder form (achtung also auf ungewollte bestätigung über aufmerksamkeit!)

lob funktioniert gut,
– wenn man es zwischendurch und alternierend mit futterbelohnung verwendet
– wenn der hund eine aufgabe schon kann und keine großartige bestätigung mehr braucht
– wenn es ein sehr menschenorientierter hund ist, keine ablenkung da ist und der mensch gezielt mit seinem lob umgeht (statt viel zu quatschen).

lob funktioniert weniger gut,
– wenn der hund nicht sowieso schon motivation für die übung mitbringt und viel lieber was ganz anderes machen möchte
– wenn der hund sehr abgelenkt oder die aufgabe für ihn noch recht schwierig ist
– wenn der mensch sowieso viel mit dem hund spricht (und damit kein punktgenaues lob mehr auszumachen ist).

die faustregel lautet also:
für den alltag und dinge, die der hund schon kann, reicht das lob.
für neue lernaufgaben oder schwierige situationen braucht man was wirksameres.

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leckerchen

futterbelohnung ist eine sogenannte “primäre verstärkung”.
was nichts anderes heißt als: fressen mag der hund sowieso.
das muss man ihm nicht erst beibringen, dass es was positives bedeutet.

bei der futterbelohnung gibt es eine riesige bandbreite von den eher langweiligen trockenfutterstückchen bis hin zu köstlichsten happen von hühnchen oder sonstigen leckereien.
dummerweise sind die für den menschen praktischen dinge – nämlich trockenes zeug, das einem nicht die finger verklebt oder den leckerlibeutel verdreckt – für viele hunde nicht so spannend.
futterbelohnung macht aber nur sinn, wenn es etwas ist, was der hund gerne mag oder vielleicht sogar selten bekommt.
je attraktiver die leckerchen, desto bereitwilliger ist der hund beim üben dabei.

leckerchen eignen sich gut,
– wenn man vom hund aufmerksamkeit und motivation braucht
– beim aufbau von neuen aufgaben, die der hund gleich positiv verknüpfen soll (also alle)
– für besonders tolle leistungen, wenn es besonders gute leckerchen sind.

leckerchen eignen sich weniger gut,
– wenn der hund nur noch auf die futterhand fixiert ist und sich reinsteigert (dann langweiligere kekse nehmen!)
– wenn der hund wegen futterunverträglichkeit nur sein normales futter haben darf

und was ist mit den hunden, die sich für leckerchen unterwegs gar nicht interessieren?
bei denen muss man zwei dinge überprüfen:

erstens: sind die leckerchen gut genug für die aufregende umgebung draußen?
ich kenn nicht nur einen hund, bei dem das leinentraining schlagartig besser lief ab dem moent, wo statt trockenfutterstückchen wurst als belohnung ins spiel kam.

zweitens: ist der hund zu aufgeregt, um selbst tolle leckerchen zu nehmen?
das kommt im stresszustand schon vor.
allerdings ist der hund dann auch nicht lernfähig, training macht in diesem zustand keinen sinn.
futterverweigern ist dann immer ein gradmesser dafür, wann üben noch sinn macht und wann ohnehin nichts mehr geht.

spielen

unter spielbelohnungen versteht man ebenfalls ein breites spektrum an dingen:
vom wilden rangeln mit dem hund, über wurfspiele bis zu suchspielen oder der erlaubnis mit artgenossen zu spielen.

was davon sinn macht und praktikabel ist, hängt von der situation ab.
bedenken muss man dabei vor allem, dass hunde gar nicht immer spielen mögen und das spielen daher nicht immer als belohnung wirkt.

spielen ist außerdem meist eine ziemliche unterbrechung im übungsablauf.
anders als eine futterbelohnung ändert es das gesamtverhalten vorübergehend, kann die konzentration stören und bringt eine andere stimmung.

spielen als belohnung funktioniert gut
– am ende einer übungssequenz, wenn man danach aufhört
– wenn es ein ruhiges spiel (wie such- oder schnüffelspiele) ist, das dem hund eine erholungsphase gibt
– als mittel für den notfall, wo man dem hund ein ventil fürs ausleben eines impulses gibt (ball nachlaufen statt hasenjagd)

weniger gut funktioniert die spielbelohnung
– bei hunden, die vor stress futter verweigern, und die sich mit dem spielen noch mehr aufregen
– bei übungen, die ruhiges und konzentriertes arbeiten vom hund verlangen
– in alltagssituationen, wo zeit oder gelegenheit fürs spiel gar nicht gegeben sind.

streicheln

zum streicheln haben hund ganz allgemein einen sehr unterschiedlichen zugang.
während die einen buchstäblich in den menschen reinkriechen und gar nicht genug körperkontakt haben können, mögen’s die anderen lieber zurückhaltend und als dezentes kraulen, mehr schon nicht.

für beide gilt aber gleichermaßen:
streicheln ist etwas für entspannte zeiten, nicht für die aktivphase.
wenn man mitten im tun ist, ist körperkontakt in aller regel störend.
(erst recht, wenn der mensch dabei in seiner körpersprache etwas bedrängend wird).
wenn der hund aufs rufen sofort angeschossen kommt, empfindet er es nicht als belohnung, dafür am kopf getätschelt oder durchgeknuddelt zu werden.

beim streicheln gilt also:
ganz genau schauen, ob der hund das streicheln in diesem moment wirklich als angenehm empfindet und von sich aus haben möchte.
(nur weil wir menschen uns freuen und den hund so gern streicheln, ergibt das nicht automatisch eine belohnung).

streicheln funktioniert dann als belohnung
– wenn der hund von sich aus den körperkontakt sucht
– am schluss einer  ruhigen übung, wenn die damit auch beendet wird

streicheln funktioniert weniger gut
– in den aktivphasen des übens
– bei berührungsempfindlichen hunden
– bei sehr kleinen oder sehr distanzierten hunden (weil der mensch dann zu bedrängend wirkt).

“der hund möchte”

nun bleibt uns zum schluss noch die kategorie “was der hund grade möchte” als belohnung.
in manchen situationen lässt sich das super einsetzen:

der hund wird abgeleint und darf mit dem anderen spielen, wenn er davor ruhig und an lockerer leine hingegangen ist.
der hund darf zur tür raus, wenn er vorher ein ruhiges sitz ausgeführt hat.

auf die schnelle sind das aber schon alle beispiele, die mir einfallen (ein paar gibt es sicher noch).
in der praxis ist das nämlich gar nicht so einfach umzusetzen – nämlich im richtigen moment das passende zur verfügung zu haben und dem hund schnell genug anbieten zu können, damit er es noch mit dem in verbindung setzt, was er grade richtig gemacht hat.

trotzdem lohnt es sich natürlich, mal eine runde drüber nachzudenken:
wie könnte man den hund mit etwas belohnen, was er grade haben will?
(und sei es nur, um auschließen zu können, dass er sich selber für was unerwünschtes belohnt, in dem er kriegt, was er grade haben will 🙂 ).

 

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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