5 entscheidende tipps, wie das üben mit dem hund schneller was bringt

es gibt kaum was frustrierenderes, als wenn beim üben mit dem hund nicht so recht was weitergeht.
man trainiert schon (gefühlt) die längste zeit, dass der hund die leine locker lassen soll,
dass er sich bei hundebegegnungen nicht aufregen oder menschen nicht anspringen soll…

aber er macht es immer noch.
vielleicht nicht mehr ganz so oft, aber trotzdem noch.
wieso bloß?

trainingsplan hund

üblicherweise hat das eine (oder beide von zwei ursachen):

ursache 1: der falsche ansatz

wir rücken dem problem mit dem falschen ansatz zu leibe.
lernerfahrungen sind ja nur ein teil der ursache von verhalten.
wir konzentrieren und beim üben aber in der regel auf lerneffekte,
also darauf den hund zu belohnen, wenn er was richtig macht,
oder leer ausgehen zu lassen, wenn er was falsch macht
(manche glauben auch immer noch, mit strafe weiterzukommen, die – wie hier nachzulesen – nicht wirklich funktioniert).

wenn aber der aufregungspegel des hundes viel zu hoch ist
oder sein verhalten in einer bestimmten situation von emotionen (angst, aggression,….) gesteuert wird,
dann kommt man mit dem normalen üben und lernen alleine nicht weiter.

genaueres zu diesen zusammenhängen gibt es demnächst im kostenlosen webinar „unerwünschtes verhalten in den griff bekommen:  von lerneffekten, erregungspegel und emotionen“, für das du dir gleich hier einen platz reservieren kannst:

ursache 2:  ein mangelhafter plan

doch auch dort, wo es „nur“ ums reine lernen geht, gelingt es uns manchmal nicht recht,
dem hund das so gut beizubringen, wie wir es gern hätten.
damit das üben etwas bringt, muss man nämlich halbwegs planmäßig vorgehen.

das wort „trainingsplan“ schreckt viele gleich mal ab, weil es so kompliziert klingt.
ist es aber gar nicht, wenn man sich schlicht auf die wichtigsten eckpunkte konzentriert.
man kann sich damit viele leerläufe und frustrationen beim üben mit dem hund ersparen.

wer die folgenden entscheidenden tipps beachtet
und daraus einen simplen plan zusammenstellt, wird feststellen:
so bringt das üben tatsächliche fortschritte und macht damit gleich mehr spaß.

tipp nr. 1:  der richtige startpunkt

wenn man sich das üben mit dem hund vorstellt wie einen weg,
der vom jetztigen zustand zum gewünschten verhalten des hundes führt,
dann braucht man als erstes den richtigen ausgangspunkt.

beim welpen ist das nicht schwer, weil er ja noch gar nichts kann/kennt
und wir daher bei null anfangen können.

beim erwachsenen hund sieht das schon anders aus.
da ist nämlich die frage:
– was kann er schon?
– welche (auch schlechten!) erfahrungen hat er damit bisher schon gesammelt?
– was ist wirklich gefestigt?

probleme gibt es immer dann, wenn man den hund falsch einschätzt.
wir tendieren dazu, ein häkchen „ja, kann er“ hinter jedes verhalten zu setzen, das der hund im prinzi schon mal begriffen hat.
das heißt aber noch lange nicht, dass er es in jeder lebenslage verlässlich ausführen kann!

also ganz genau hinschauen:
„kann“ der hund den rückruf aus 5 meter, 20 metern, 50 metern oder 100 metern entfernung?
„kann“ er ihn nur ohne ablenkung, auch bei leichter ablenkung, aber vielleicht nicht mehr bei großer ablenkung?
kommt er manchesmal nur zögerlich, weil er schon mal geschimpft wurde fürs nicht kommen und wieder mit schimpfen rechnet?

man tut sich und dem hund nicht gutes, wenn man sich den startpunkt schön redet,
weil dann nämlich das fundament fehlt, auf dem das weitere training aufbauen können muss.

tipp nr. 2. erfolgserlebnisse sammeln

jede übungseinheit – egal, ob sie nur 1 minute, 10 minuten oder länger dauert – sollte immer unter dem motto stehen:
wieviele erfolgserlebnisse kann der hund in dieser zeit sammeln)

hunde lernen ja „am erfolg“.
das heißt: sie brauchen unsere belohnung als feedback und bestätigung dafür, dass das richtig ist, was sie grade machen.
die erfolgserlebnisse motivieren den hund, das öfter und freudiger zu machen.

egal, ob man nun leinenführigkeit trainiert oder ein ruhiges warten,
das wichtigste sind dabei die erfolgserlebnisse.

den hund erst fehler machen lassen (warten bis die leine spannt oder bis er aus dem „bleib“ aufgestanden ist)
und die dann korrigieren,  ist eine sackgasse.
denn dabei lernt der hund nur: aufmerksamkeit und bestätigung bekomme ich für den fehler,
alles andere bringt mir nichts.

tipp nr. 3: die  ablenkungsliste

der größte fehler beim üben mit dem hund besteht meist darin,
dass wir dort üben, wo der hund es halbwegs kann
(im garten, in ruhiger umgebung, in der hundeschule,…),
und nicht dort, wo er es später braucht.

damit ist nicht nur der ort gemeint, sondern vor allem die ablenkung, mit der der hund konfrontiert ist.
wir brauchen den rückruf ja nicht nur dann, wenn wir grad im garten üben, sondern draußen im gelände.
der hund soll nicht nur in der hundeschule 50 meter an lockerer leine laufen können,
sondern vor allem unterwegs und deutlich länger gesittet an der leine gehen.

dazu ist es aber notwenig,  ablenkungen auch zu üben.
und zwar der reihe nach.
von ablenkungsfreier umgebung zu aufregenden begegnungen beim spazierengehen ist der sprung zu groß.

nehmen wir das beispiel leinegehen:
wenn der hund mal in ruhiger umgebung 100 meter an lockerer leine laufen kann,
üben wir als nächstes, dass er dort auch an einem spielzeug, einem kauknochen, einem famielienmitglied….
vorbeilaufen kann, ohne zu ziehen.
wir suchen uns dazu erst leichte ablenkungen aus, dann mittelschwere, dann ganz schwere.
dann wird das beim spazierengehen eingebaut:
erst eine ruhige gegend mit leichter ablenkung,
dann zunehmend schwierigeres gelände und größere ablenkungen.

das klappt erfahrungsgemäß nur, wenn man sich vorher eine liste der ablenkungen aufschreibt:
was alles ist für den hund eine ablenkung und ist sie leicht, mittel oder schwer?
dann wird der reihe nach, eins nach dem anderen trainiert,
bis der hund die aufgabe auch unter schwierigsten bedingungen kann.

tipp nr. 4:  das genaue ziel

so wie wir einen startpunkt für unseren weg zum erwünschten verhalten brauchen,
so brauchen wir auch einen zielpunkt.
schließlich braucht nicht jeder hund dieselben fertigkeiten.

wo der eine wegen seiner übermäßigen jagdlust sowieso nur an der schleppleine unterwegs ist
und daher das abrufen von reh und hase gar kein thema ist,
ist für den anderen vielleicht genau das das ziel: dass er sich auch von hase oder reh abrufen lässt.

wo der eine hundebegegnungen gezielt üben muss, damit er auch auf 2 bis 3 meter ruhig vorbeigehen kann,
reichen dem anderen vielleicht ein größerer abstand, weil man sowieso kaum jemanden trifft.

es kommt also ganz auf die lebensbedingungen des hundes und die ansprüche des menschen an,
was als ziel definiert wird.
es muss aber klar sein – und am besten messbar,
damit man überprüfen kann, wie nahe man dem ziel schon gekomme ist.

tipp nr. 5:  schrittweises aufbau

jede trainingsaufgabe muss immer schrittweise aufgebaut werden,
wie ein stufenplan, bei dem der hund mit jeder stufe einen neuen schwierigkeitsgrad bewältigt.

in der theorie ist uns das klar,
im alltag vergessen wir das öfter.
oder wir machen beim üben statt kleiner schritte gleich große sprünge und überfordern den hund damit.

ein guter stufenplan fürs üben ergibt sich fast automatisch, wenn man – wie oben geschildert –
– den ausgangspunkt korrekt bestimmt hat
– sein trainingsziel kennt
– eine ablenkungsliste erstellt hat.

denn dann geht es „nur noch“ darum, vom startpunkt mit vielen erfolgserlebnissen,
eine ablenkung nach der anderen durchgehend,
in kleinen schritten das ziel zu erreichen.

übrigens: wer sichergehen will, die grundprinzipien des lernens richtig anzuwenden beim üben mit dem hund, der kann noch schnell in die laufen masterclass „leben und lernen mit hunden“ einsteigen und sich die trainingsvideos dazu anschauen.

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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