erfolgstipp 1: emotionen in der hundeerziehung

im hundetraining beschäftigen wir uns in erster linie mit dem verhalten des hundes. dass die emotionen in der hundeerziehung eine genauso wichtige rolle spielen bedenken wir selten. damit beschäftigt sich der erste erfolgstipp einer kurzen serie von erfolgstipps (mehr in den nächsten blog-artikeln).

in den lehrbüchern werden die kapitel emotionen und lernen schön getrennt behandelt:
da gibt es einerseits die klassische konditionierung, bei der der hund emotionen mit ereignissen verknüpft abspeichert (und entsprechend reagiert).
und andererseits die operante konditionierung, also das lernen am erfolg, mit den ganzen lernregeln, auf die wir im hundetraining zurückgreifen.

dass emotionen immer eine rolle spielen, ist uns zwar irgendwie bewusst.
es spielt aber beim üben kaum eine rolle – mal abgesehen davon, dass wir natürlich über positive methoden und ohne angst und strafe vorgehen.
und genau deswegen klappen manche übungen so schlecht!

wenn der hund den rückruf mit spaßverlust und lästiger pflicht verbindet,
wenn er das abgeben eines gegenstands mit druck und bedrängtwerden verknüpft,
oder wenn er das “bleib” mit aufregung abgespeichert hat,
dann wird es nie wirklich gut klappen.
weil es die falsche emotion für die übung ist!

natürlich reicht die richtige alleine für den lernerfolg nicht aus. so viel gleich mal vorweg.
da gehört schon mehr dazu, viel mehr. was alles, dazu gibt es demnächst etwas ganz besonderes:
die masterclass “erziehung mit hundeverstand”, bei der es über fünf tage täglich einen vortrag mit diskussion zu einem kernthema gibt (kostenlos!), wer dabei sein mag, kann sich gleich hier anmelden:

neben dem notwendigen knowhow über lernregeln und hundeverhalten spielen aber die emotionen eine zentrale rolle.
sie entscheiden, ob der hund etwas gerne oder gar begeistert ausführt.
ob er ein verhalten daher verlässlich und sogar freiwillig anbietet.

emotionen mit trainieren

nehmen wir als erstes beispiel den rückruf:
das signal fürs kommen sollte der hund als etwas verheißungsvolles und tolles verknüpft haben,
dann nämlich kommt er freudig angeschossen, wenn er gerufen wird.
zu den wichtigsten aufgaben im rückruftraining gehört, diese begeisterung ins signal mit hinein zu trainieren.
und zwar gleich am anfang, bei den allerersten trainingsschritten.

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man kann sich das vorstellen, wie ein vorzeichen vor der übung, das mit abgespeichert wird.
da gibt es übungen, die von der begeisterung leben: den rückruf oder das abgeben zum beispiel.
andere übungen wiederum brauchen ruhe und gelassenheit als emotionale begleitmusik: das bleiben oder das leinengehen gehören dazu.

es sind nicht automatisch die emotionen, die der hund bei dem verhalten sowieso hat.
wenn er etwas abgeben muss, ist das schnell mit frust oder gar unmut verbunden.
wenn er an der leine gehen soll (nämlich auch draußen und vorbei an ablenkungen), dann ist er meist gerade aufgeregt und ungeduldig.

wir müssen im training also manchmal gegensteuern
und sicherstellen, dass eine neue übung von anfang an so aufgebaut wird,
dass der hund damit die richtige emotion gleich mit trainiert.

wichtig: von anfang an!

wenn eine übung schon mal negativ eingefärbt ist, wird es ungleich schwerer dafür noch begeisterung aufzubauen,
als wenn man von anfang an alles so gestaltet, dass der hund es toll findet.

bleiben wir bei unserem beispiel vom rückruf:
das rückrufsignal selber muss von anfang an begeisterung beim hund auslösen, wenn er in jeder lebenslage fröhlich angelaufen kommen soll.
die ersten trainingsschritte dienen in wirklichkeit nur dazu, diese begeisterung aufzubauen:
indem man das signal mit toller futterbelohnung verknüpft (und null anforderungen ans kommen, also kinderleicht)
indem man das signal fröhlich und einladen klingen lässt und den hund mit der eigenen bewegung (weg vom hund) zum laufen animiert.
und vor allem: indem man die trainingsstufen so gestaltet, dass der hund es während des aufbaus der übung immer leicht hat, richtig zu reagieren und ein tolles ergebnis einzufahren.

bis das rückrufsignal bombenfest konditioniert ist, sollte man den hund nie in einen inneren zwiespalt bringen.
überlegt er erst mal hin und her zwischen “ich sollte jetzt eigentlich zu meinem menschen laufen” und “hier riecht es aber so spannend”,
gerät die emotionale lage aus dem lot und es herrscht nicht mehr die (von uns gewünschte) uneingeschränkte begeisterung.

natürlich wird es im späteren hundeleben immer wieder mal einen moment geben,
wo er lieber was anderes täte als zum menschen zurückzulaufen.
das ist normal. und kein drama.
wenn mal die grundlage auf emotional stabilen beinen steht: rückruf ist toll, hurrah!

das gute ist nämlich, dass emotionale konditionierung sehr haltbar sind,
wenn sie mal aufgebaut und vom hund abgespeichert wurden.
(das ist leider auch das schlechte daran: wenn es nämlich eine negative konditionierung ist
und der hund eine situation mit unwillen, angst oder frustration assoziiert).

die emotionen des menschen

da emotionen und stimmungen sich schnell vom menschen auf den hund übertragen,
müssen wir auch kurz auf die emotionen des menschen in der hundeerziehung eingehen.

nichts verleidet einem hund eine übung so schnell
und nichts führt flotter zu einer negativen emotionalen besetzung,
als ärger und miese laune des menschen.

es hat schon seinen grund, wenn es immer heißt,
dass man mit dem hund nur üben soll, wenn man selber gut drauf ist.
der fröhlichste hund kann keinen begeisterten rückruf abspeichern,
wenn er zu einem unzufriedenen menschen laufen muss, der womöglich noch vor sich hin meckert.

das rezept lautet daher:
die eigene emotionale lage überprüfen.
und nur weitermachen, wenn die positiv ist.
nachdenken, welche emotion eine übung braucht, damit sie optimal klappt.
und diese emotion beim aufbau der übung gleich mit hinein trainieren.
und schon klappt vieles einfacher und der hund ist viel “williger”.

 

 

über

brigid weinzinger ist tiertrainerin und verhaltensberaterin für hund, katz, pferd und mensch. sie bloggt auf www.denktier.at über das leben mit tieren und tipps für deren ausbildung.

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