futterbelohnung spielt eine zentrale rolle in der positiven hundeerziehung.
schließlich wirkt futter als sogenannter primärer verstärker, also aus sich heraus positiv und belohnend.
sie lässt sich im unterschied zu diverser umweltbelohnung jederzeit leicht organisieren.
leckerchen werden von den hunden wertgeschätzt und sind damit sehr hilfreich in der erziehung.
vorausgesetzt man nutzt sie sinnvoll.
bevor wir zu konkreten tipps dazu kommen, aber zwei hinweise:
auch wenn hier nun nur von futterbelohnung die rede ist,
so ist die natürlich nicht die einzige möglichkeit, den hund zu belohnen.
lob, ein freundliches lächeln, belohnungen aus der umwelt, in manchen fällen ein kurzes kraulen
und in jedem fall die aufmerksamkeit des menschen wirken ebenfalls als bestätigung für den hund.
was man auch nicht beachten muss:
positive hundeerziehung, die dem hund gerecht wird und verlässlich wirkt, besteht aus viel mehr
als aus futterbelohnung, den verzicht auf strafreize und verständnis für den hund.
die letzten jahre haben hier einiges an neuen erkenntnissen und veränderungen gebracht,
auf die wir demnächst beim neuen webinar „neue wege der hundeerziehung“ genauer eingehen, für das du dir gleich hier deinen platz sichern kannst (kostenlos)
nun aber zu einigen profi-tipps zum umgang mit futterbelohnung.
1. bunter mix im beutel
nur eine sorte trockenkeksi im leckerlibeutel?
das ist bei vielen die norm, weil es für den menschen das praktischste ist.
keine klebrigen finger von wurst oder käse, kein verschmierter leckerlibeutel,
keine mühe mit selberbacken oder ähnlichem.
leider wird dadurch die futterbelohnung weniger wirksam.
klar nimmt der durchschnittliche hund auch die leckerchen.
je vorhersehbarer ist, was kommt, desto weniger interessant ist das keksi aber.
taucht dann ein trigger oder eine große ablenkung auf
und der hund weiß schon: es gibt eh nur das übliche trockenkeksi,
kann die futterbelohnung nicht mehr mithalten.
die erwartung spielt bei der futterbelohnung eine fast so große rolle wie die belohnung selber.
„ich könnte was tolles bekommen“ motiviert den hund dazu,
viel aufmerksamker und kooperativer dem menschen gegenüber zu sein.
wie halten wir die positive erwartung also aufrecht und sorgen immer wieder für einen tollen überraschungseffekt?
am besten mit einem bunten mix aus leckerchen im beutel.
normale trockenkeksi mit super tollen durchmischt,
käse- oder wurststückchen, ein bisschen schinken oder hühnchen dazu,
schon ist alles eine potenz hochwertiger.
der vorteil: belohnung erfolgt nach dem zufallsprinzip.
was man grad erwischt bekommt der hund, der dadurch nie weiß, was es geben wird,
aber immer die hoffnung hat, dass es diesmal was von den besonders guten teilen ist.
einen praktischen nutzen hat die sache auch:
die trockenen leckerchen saugen die feuchtigkeit von wurst oder käse auf,
es gibt weniger sauerei und mehr leckerchen, denen zumindest der geruch von den tollen happen anhaftet.
2. superbelohnung
es gibt situationen, die für den hund besonders schwierig sind und wo man ihn für eine tolle leistung tüchtig belohnen möchte.
wenn etwa ein wildtier vor ihm wegrennt und sich der frei laufende hund gleich abrufen lässt
oder erst gar nicht hinterher startet, sondern dem menschen „meldet“, dass da was war.
oder wenn er auf andere hunde stark reagiert (positiv wie negativ)
und den entgegenkommenden hund in aller ruhe vorbeiziehen lässt.
oder sonst was.
wenn man dafür nichts anderes parat hat, als ein normales trockenkeksi, wär das ewig schade.
die faustregel heißt ja: je schwieriger die anforderung, desto besser sollte die belohnung fürs richtige verhalten ausfallen.
wär doch ewig schade, wenn man nichts dabei hat,
wenn der hund grade über sich hinauswächst.
was da hilft: zumindest zwei oder drei stück superbelohnung mit dabei haben.
zum beispiel in einem extrafach im leckerlibeutel oder sonstwie separat
(damit man sie nicht versehentlich zwischendurch verfüttert)
oder immer eine futtertube mit dabei haben, die dann zum einsatz kommt.
damit ist man im besten sinn für alle situationen gewappnet
und stellt sicher, dass der hund abspeichert, dass sich sein verhalten (bzw. seine zurückhaltung) in diesem schwierigen moment wirklich gelohnt hat.
3. vorsicht mit der futterhand
hunde sind super genau und beobachten präzise.
macht der mensch schon eine bewegung mit der hand in richtung leckerlibeutel?
hat er die hand im beutel „eingeparkt“?
hat er bereits ein leckerchen in der hand?
er betrachtet dann womöglich jenes verhalten als bestätigt, das schon die handbewegung beim menschen auslöst –
auch wenn der sich nur vorbereiten wollte oder eine zufällige bewegung macht und eigentlich ein anderes verhalten gewünscht wäre.
schlimmer noch: es gibt hunde, die ein signal erst ausführen
oder eine angefragtes verhalten erst machen, wenn sie sehen, der mensch hat schon ein keksi in der hand.
kein keksi in sichtweite und schon pfeift der hund auf alles, was der mensch möchte.
gerade beim üben passiert es oft, dass man vorzeitig zum leckerchen greift
oder es gar schon in der hand hält, weil man es dem hund schnell genug geben möchte oder einfach, weil man schon dran denkt.
da ist zurückhaltung gefragt!
der hund soll ja nicht lernen, auf ein signal nur dann zu reagieren, wenn er vorher schon die belohnung sieht.
das funktioniert im alltag ja nicht.
daher: erst dann zum leckerchen greifen, wenn der hund schon gemacht hat, was er sollte.
wer sorge hat, damit zu spät dran zu sein, kann die pause ja mit einem kurzen lobwort (=markersignal) überbrücken.
4. attraktivität für den hund
der einsatz von futterbelohnung wird oft schwierig, wenn der hund
– entweder draußen gar kein futter nimmt und daher auch nicht damit belohnt werden kann
– oder so versessen auf futterhappen ist, dass er ganz hektisch und aufgeregt wird, wenn futter ins spiel kommt.
im ersteren fall ist entweder das futter nicht attraktiv genug
oder aber – häufiger – der hund in einem so hohen erregungspegel, dass er deswegen kein futter mehr nehmen mag.
futter aufnehmen hat ja ganz nebenbei eine leicht entspannende wirkung und geht daher im überdrehten zustand nicht mehr.
fatal wäre es nun, den ohnehin schon überdrehten hund nun bällchen werfen oder rennen zu „belohnen“,
weil auf die schnellen bewegungen zumindest noch reagiert.
allerdings ist die frage, wie weit er nicht einfach im reflex hinterhersetzt und ob er das noch als bestätigung empfindet.
vor allem aber steigt dadurch der erregungspegel noch weiter.
das ist deswegen ein problem, weil ein hund in hoher erregungslage auch nicht mehr lernfähig ist.
da spielt es dann keine rolle mehr, wie ich versuche ihn zu belohnen,
wenn er nicht mehr imstande ist, mitzukriegen, dass ein bestimmtes verhalten zu belohnung führen würde und anderes nicht.
wenn ein hund draußen eine interessante futterbelohnung verweigert,
dann gilt es, erstmal den aufregungspegel zu reduzieren und ihn wieder in einen lernfähigen zustand zu bringen.
interessanterweise kann auch im zweiten fall, wenn der hund besonders futtergierig ist, aufregung das problem sein.
es gibt hunde, die sich schnell hochfahren, wenn leckere futterbelohnung im spiel ist.
je höher ihr grundpegel an aufregung, desto schneller fahren sie hoch.
je seltener sie eine hochwertige belohnung bekommen, desto aufregender ist die.
auch bei ihnen ist daher ein abbau der grundaufregung der erste nötige schritt.
was auch hilft: die langweiligste und am wenigsten aufregende belohnung wählen
und damit dann nicht geizen, damit sie nichts besonderes mehr ist.
im lauf der zeit kann man das vermutlich ändern.
aber erst mal reicht das für diesen typ hund bereits als belohnung.
5. variable belohnung
der begriff „variable belohnung“ sorgt manchmal für verwirrung,
weil darunter belohnen mit verschiedenen sorten leckerchen oder mit verschiedenen arten von belohnung verstanden wird.
das kann zwar auch sinnvoll sein (siehe punkt 1), ist damit aber nicht gemeint.
variable belohnung bedeutet vielmehr,
dass nicht jede ausführung eines verhaltens gleich belohnt wird,
sondern gezielt auf bessere, schnellere, genauere…. ausführungen wert gelegt wird und nur diese mehr belohnt werden.
das würde zum beispiel bedeuten, dass der hund beim rückruftraining
nur mehr für ein sofortiges und schnelles herankommen mit leckerchen belohnt wird
und für ein langsameres oder zögerliches kommen bloß mit der stimme gelobt wird.
die variable belohnung lässt sich im aufbau von übungen wunderbar einsetzen,
um die ausführung eines verhaltens zu verbessern.
gleichzeitig ist sie auch der weg, wie belohnung allmählich ausgeschlichen und seltener gemacht wird.
man will dem hund ja nicht auf ewig für jedes sitz und jeden schritt an lockerer leine ein keksi geben,
es soll auch ohne gehen.
den übergang von der konstanten belohnung im übungsaufbau zur gelegentlichen belohnung im alltag
macht man daher mit der variablen belohnung, die für besonders gute ausführungen gegeben wird
und auf einem bestimmten niveau dann eben nicht mehr jedes einzelne mal, sondern alle paar mal und dann nur noch gelegentlich.
fazit
futterbelohnung ist ein wichtiges trainingsinstrument, nämlich ein (hoffentlich) punktgenaues feedback an den hund.
je gezielter wir damit umgehen, desto leichter fällt dem hund das lernen.
leckerchen sind auch nicht aufs üben oder den trainingsaufbau beschränkt.
sie dürfen gerne für spontan angebotenes verhalten im alltag oder beim spaziergang zum einsatz kommen.
gerade dann brauchen wir die verlässlichkeit vom hund ja besonders und wollen sie daher belohnen.

